Kompensation

Nach Alfred Adler – der sich unter den Psychoanalytikern am eingehendsten mit dem Phänomen der Kompensation beschäftigt hat – neigt der Mensch dazu, sich dem bewussten Erleben psychischer Mängel dadurch zu entziehen, dass er Verhaltensweisen äußert, von denen er annimmt, dass sie ihm besondere Geltung, Überlegenheit oder Macht über andere verschaffen. Als Regel kann gelten: je größer die Minderwertigkeitsgefühle, desto stärker die erforderliche Kompensation. Es gibt grundsätzlich keine Verhaltensweise, die nicht zur Kompensation gebraucht werden kann. So kann ein Musiker auf dem Podium musizieren, um andere mit seiner Kunst zu erfreuen oder um sich im Zentrum des Interesses zu sonnen. Häufig sind Kompensationen aber von den echten Motiven nicht zu trennen, und es ist anzunehmen, dass in fast allen Verhaltensweisen ein mehr oder weniger großer Anteil an Kompensationsbedürfnis mitschwingt. Eine erhebliche Selbsttäuschung stellt die Kompensation insofern dar, als man ihre Funktion, Minderwertigkeitsgefühle abzuwehren, oft nicht erkennt und offensichtlich auch nicht bereit ist, seine eigenen Grenzen unbefangen zu sehen und anzuerkennen. Häufig entsteht in Bezug auf die betreffenden Menschen dann der unweigerliche Eindruck, sie lebten in einer Art Scheinrealität. Eine Selbsttäuschung stellt die Kompensation insofern dar, als man deren Funktion, Minderwertigkeitsgefühle abzuwehren, nicht erkennt und man offensichtlich auch nicht bereit ist, seine eigenen Grenzen unbefangen zu sehen und anzuerkennen.

Die Kompensation zählt in der Psychoanalyse zu den Abwehrmechanismen.

Literatur
Fellner, Richard L. (2004). Die Psychoanalyse Sigmund Freuds.
WWW: http://www.psychotherapiepraxis.at/artikel/psychoanalyse/psychoanalyse.phtml (11-03-21)



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