Kulturpsychologie

Die Kulturpsychologie untersucht den wechselseitigen Einfluss von Kultur und Psyche und stellt dar, wie aus dieser interagierenden Auseinandersetzung Erfahrungen entstehen, die den Menschen beeinflussen. Die Kulturpsychologie beschäftigt sich mit den kulturspezifischen Ursachen menschlichen Denkens, Fühlens und Handelns, und vertritt die Position, dass sowohl die Kultur als auch deren Entwicklung maßgeblichen Einfluss auf die Psyche des Menschen besitzen. Kultur und Psyche sind für die Kulturpsychologie untrennbar verbunden und betrachtet die Kultur als ein für den Menschen maßgebliches Orientierungssystem. Die Kulturpsychologie stützt sich auf ethnographische und experimentelle Methoden, um Daten verschiedenster Kulturen zu sammeln. Die Kulturpsychologie wird manchmal auch zu den kulturinformierten, kulturintegrativen oder auch kultursensiblen Ansätzen psychologischer Forschung gezählt, zu der etwa auch die Kulturvergleichende Psychologie (cross-cultural psychology), die kulturhistorische Schule um Lew Wygotski, die Interkulturelle Psychologie, die Indigene Psychologie (indigenous psychology) und die Ethnopsychologie gehören. Da die meisten VertreterInnen der Kulturpsychologie menschliche Kultur und menschliche Psyche als untrennbar miteinander verbunden betrachten und zugleich Akte der Bedeutungsgenerierung als genuin menschliche Leistungen betonen, stehen sie behavioristisch geprägten Modellen, die Kultur als eine externe Variable konzipieren, die auf psychische Vorgänge quasi von außen Einfluss nimmt, skeptisch gegenüber. Damit einher geht innerhalb der Kulturpsychologie eine kritische Distanz zu ausschließlich experimentell und quantitativ verfahrender psychologischer und sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden, sondern es werden qualitative Untersuchungsverfahren bevorzugt, die ein besseres Verständnis von Prozessen der Bedeutungsstiftung gewährleisten sollen.

Die Kulturpsychologie definiert aufbauend auf einem Verständnis von Kultur als für den Menschen sinnstiftendem und bedeutungshaltigem Orientierungssystem interkulturelle Kompetenz als eine notwendige Voraussetzung für eine gelungene Kommunikation zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen, d. h., interkulturelle Kompetenz muss gelernt werden und basiert auf einer Grundhaltung kultureller Wertschätzung. Interkulturelle Kompetenz zeigt sich unter anderem in der Fähigkeit, kulturelle Bedingtheiten des Wahrnehmens, des Denkens, des Urteilens, des Empfindens und des Handelns bei sich selbst und bei anderen Menschen zu erfassen, zu reflektieren, zu würdigen und produktiv zu nutzen, was auf differenzierten Kenntnissen und einem vertieften Verständnis des eigenkulturellen und des fremdkulturellen Orientierungssystems beruht. Für Kulturpsychologinnen und Kulturpsychologen ergeben sich dabei interessante Praxisfelder mit interkulturellen Problemstellungen wie Management  und Marketing in internationalen Unternehmungen und Organisationen, wie in der Entwicklungshilfe, in der Politik, in der Diplomatie, beim Militär, in Sicherheitsbereicheb, bei der Migranten- und Organisationsarbeit, bei internationalen Forschungskooperationen.

Literatur
Thomas, A. (2005). Grundlagen der interkulturellen Psychologie. Nordhausen: Bautz.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturpsychologie (11-08-17)



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