Interesse
1. Definition
„Interesse(von lat. Inter-esse = dabeisein, von Wichtigkeit sein), soziolog.-sozialpsycholog. Eine zielorientierte, längerfristig-zukunftsbezogene, in stärkerem Maße kognitiv ausgeformte und durch Eigenverantwortung gekennzeichnete motivationale Fixierung von Individuen und Angehörigen sozialer Gruppen, Organisationen, Schichten, Klassen und Gesellschaften. Solche dem Idealtypus des zweckrationalen Handelns nahestehenden motivationalen Fixierungen, die in nutzen- und vorteilsorientierten Einstellungen, Erwartungen, Ansprüchen und Strebungen zum Ausdruck kommen, sind auf je bestimmte Objekte, Güter, Sachverhalte, Ziele, Zustände, Handlungsmöglichkeiten, Rechte, Statuspositionen u. a. m. bezogen, denen in internationaler Weise Wertschätzung entgegengebracht wird“ (Hillmann 2007, S. 388).
2. Definition
„„subjektives“ Interesse, psychologisch die Ausrichtung von „Aufmerksamkeit, Gedanken und Absichten“ (Rubinstein) einer Person auf einen Gegenstand oder Sachverhalt, dem ein subjektiver Wert zugeschrieben wird. Dynamisches, motivierendes Merkmal, das sich als individuelle „Einstellung zum Wertvollen“ (C.F. Graumann) kennzeichnen läßt“ (Fuchs-Heinritz, Lautmann, Rammstedt & Wienold 1994, S 311).
3. Definition
„Aufmerksamkeit, geistige Anteilnahme, Neigung, Vorliebe. 1. in der Psychologie bezeichnet I. allgemein die Tendenz, auf bestimmte Dinge besonders zu achten (selektive Wahrnehmung), ihnen eine gesteigerte Aufmerksamkeit zu widmen, große, emotionale Anteilnahme zu entwickeln und die mit ihnen bestehenden Zusammenhänge zu beobachten. Das I. wird durch → Einstellung und Erwartungen gesteuert, besteht also schon gedanklich, bevor es sich äußert; 2. mit I. werden in der Soziologie solche → Intentionen bezeichnet, die Personen oder → Gruppen entwickeln, um aus deren Realisierung Vorteile zu ziehen; 3. in einem eher makrosoziologischen Sinne bezeichnet I. das in einer → Sozialkategorie oder einem → Kollektiv gemeinsam geteilte und vorhandene Insgesamt an Vorstellungen zur konkreten Lebenssituation und –gestaltung, die auf der Basis gemeinsamer Bedürfnisstrukturen determiniert sind“(Reinhold, Lamnek & Recker 1992, S 277).
4. Definition
„Interesse (von lat. teilnehmen), innere Teilnahme, inhaltliche Gerichtetheit des Geistes- und Willenslebens, in der neueren Seelenkunde bisweilen (im Anschluß an L. Klages) auch Triebfedern genannt“(Hehlmann 1967, S 260).
5. Definition
„Interesse (interesse dabei sein, teilnehmen). Anteilnahme, lebhaftes inneres Gerichtetsein auf ein Objekt. Das Objekt kann aber auch gegen den Willen des Subjekts, oder diesem unbewußt, das I. auf sich ziehen“(v. Sury 1967, S 116).
Verwendete Literatur:
Hillmann, K. (2007). Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.
Fuchs-Heinritz, W., Lautmann, R., Rammstedt, O. & Wienold, H. (1994). Lexikon zur Soziologie. Opladen: Westdeutscher Verlag GmbH.
Reinhold, G., Lamnek, S. & Recker, H. (1992). Soziologie-Lexikon. München/Wien: Oldenbourg Verlag.
Hehlmann, W. (1967). Wörterbuch der Pädagogik. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.
v. Sury, K.(1967). Wörterbuch der Psychologie und ihrer Grenzgebiete. Basel/Stuttgart: Schwabe & Co Verlag.
