Motorik

Unter Motorik versteht man die Gesamtheit der Willkürbewegungen und der kontrollierten Bewegungen (Kognition), sie ist aber auch ein Begriff zur Kennzeichnung elementarer Bewegungsleistungen im Vergleich zu motorischen Fertigkeiten (motor skills), die eher auf komplexere Bewegungsmuster Bezug nehmen (Psychomotorik). Die Motorik umfasst somit die gesamten Körperbewegungen des Menschen, also das Geh-, Steh- und Sitzverhalten.

In Untersuchungen hat sich übrigens gezeigt, dass die trainierten Reaktionen von verschiedenen, komplexen Arm- und Beinbewegungen wie beim Radfahren, Tennisspielen oder Eislaufen vom Gehirn als Gesamtpaket abgerufen werden und nicht als einzelne Teilhandlungen verarbeitet werden. Bei einem Versuch lernten ProbandInnen eine Liste von Farbwörtern und mussten mit Finger- und sprachlichen Gedächtnisaufgaben darauf reagieren. Während für eine Gruppe der Farbwörter beide Aufgaben gleichzeitig eingesetzt wurden, wurden für die andere Gruppe beide Aufgaben nur getrennt voneinander geübt. In dem anschließenden Test, in dem beide Gedächtnisaufgaben gleichzeitig geprüft wurden, konnten ProbandInnen die beiden Aufgaben für simultan geübte Farbwörter schnell und effizient ausführen, während sie getrennt geübte Farbwörter eher langsam und ineffizient ausgeführten. Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass ein Lernen in kleinen Schritten eher nicht effizient ist, denn das Gehirn sucht eine effiziente Vorgehensweise und arbeitet lieber mehrere Aktivitäten in einem Schritt ab. Das bedeutet für SportlerInnen, dass sie möglichst viele komplexe Situationen schon im Vorfeld trainieren sollten, damit sie vom Gehirn in späteren Situationen rasch effizient abgerufen werden können. Komplexe Bewegungsabläufe sollten daher möglichst früh als Gesamtpaket geübt werden, wobei einzelne Teilprozesse nicht zu spät zusammengefügt werden dürfen.

Eine wichtige Bedeutung hat etwa die richtige Körperhaltung: Kopf hoch, Brust heraus, Blick über die Horizontlinie. Wer so aufrecht geht, atmet freier und fühlt sich auch so, denn dieser Gang strahlt Selbstvertrauen und Zuversicht aus. Mit einem selbstbewusstem Schritt und offenem Blick sorgt etwa ein Redner für die nötige Aufmerksamkeit, während ein schlechter Redner den Zuhörern wenig Chancen gibt, sich auf den Inhalt zu konzentrieren, wenn er während des Vortrags herumzappelt, nervös in den Unterlagen nestelt oder von einem auf das andere Bein tritt, so dass der Oberkörper im Takt von rechts nach links wippt.

Siehe dazu im Detail: Nonverbale Kommunikation.

Motorische Entwicklung bei Huftieren beschleunigt

Bekanntlich müssen Huftiere sofort nach ihrer Geburt mit ihren Herden ziehen und kommen daher mit nahezu komplett ausgereifter Wahrnehmung und Motorik auf die Welt. Nun untersuchten Ernst et al. (2018) die Gehirnentwicklung bei Föten des Europäischen Wildschweins vom 35 Tage alten Embryonalstadium bis 30 Tage nach der Geburt. Ausgewachsene Wildschweine haben ein hochgradig gefurchtes Gehirn, wobei das grundlegende Muster bereits im 60 Tage alten Embryo erkennbar ist, also etwa nach der Hälfte der 114-tägigen Tragezeit, und bis zur Geburt ist das Furchungsmuster weitgehend ausgereift. Bereits 30 Tage vor der Geburt lassen sich in der Hirnrinde Neuronen erkennen, die auch im erwachsenen Gehirn noch zu finden sind, wobei diese Neuronen auch den Botenstoff GABA produzieren und in ihrer Wirkung hemmend sind. Bei Nagetieren und Fleischfressern lassen sich diese Neuronentypen der adulten Hirnrinde erst etwa zwei Wochen nach der Geburt beobachten. Diese Neuronentypen sind ihrem Erscheinungsbild nach bei Huftieren, Nagern und Carnivoren sehr ähnlich, doch der zeitliche Verlauf der Reifung ist bei Huftieren in die Fetalperiode verlagert.

Literatur

Ernst, L., Darschnik, S., Roos, J., González-Gómez, M., Beemelmans, C., Engelhardt, M., Meyer, G. & Wahle, P. (2018). Fast prenatal development of the NPY neuron system in the neocortex of the European wild boar, Sus scrofa. Brain Structure and Function, doi:10.1007/s00429-018-1725-y.
Strobach, Tilo, Schubert, Torsten, Pashler, Harold & Rickard, Timothy (2013). The specificity of learned parallelism in dual-memory retrieval. Memory & Cognition, 41, 1-18.



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