Charisma

Ronald Riggio hat den ein Social Skill Inventory entwickelt, um mit neunzig Fragen das Charisma von Menschen zu erfassen. Drei Hauptkomponenten werden von dem Instrument erfasst: Expressivität, Kontrolle und Sensitivität, jede mit einer emotionalen und einer sozialen Facette. Soziale Expressivität beschreibt die Fähigkeit, sicher und eloquent öffentlich aufzutreten, zu sprechen und andere mühelos in Gespräche zu verwickeln, emotionale Expressivität ist das Talent, Gefühle unvermittelt und authentisch auszudrücken und an andere weiterzugeben, wobei charismatische Menschen das besonders gut mit positiven Gefühlen können. Ein wichtige Rolle spielt dabei auch die Synchronizität, also die Anpassung in Geste und Gesichtsausdruck an das Gegenüber, was sympathisch macht.  Soziale Kontrolle bedeutet, sich schnell auf sehr unterschiedliche Menschen und Situationen einstellen zu können und sein Verhalten anzupassen, während emotionale Kontrolle die Fähigkeit erfasst, die eigenen Gefühle und Gefühlsausdrücke gut zu kontrollieren. Sensitivität schließlich ermöglicht es charismatischen Menschen, schnell sehr tiefe emotionale Verbindungen zu anderen aufzunehmen, wobei die soziale Komponente dafür sorgt, dass sie die Stimmung und Atmosphäre in Gruppen schnell erfassen und sich taktvoll auf sie einstellen, während die emotionale sie wohlwollend und einfühlsam auf Einzelne zugehen und vermittelt ihnen das Gefühl lässt, in diesem Moment der einzig Wichtige zu sein. Diese sechs Fähigkeiten sind Riggio zufolge die Grundpfeiler des Charismas, wobei sie nicht nur vorhanden sein müssen, sondern auch in ihrer Ausprägung genau ausbalanciert sein.

Zum Begriff: Der Ausdruck Charisma findet sich ursprünglich vor allem in der jüdisch-christlichen Tradition und bezeichnet dort die von Gott dem Menschen geschenkten Güter, wobei durch das Wort das Wohlwollen als Motivation der Gabe betont wird. In der Soziologie benutzte Max Weber den Begriff „Charisma“, um eine der von ihm unterschiedenen drei Formen der Herrschaft zu bezeichnen – neben „traditionaler“ und „rationaler“ Herrschaft (charismatische Herrschaft). Im Anschluss an Weber bezeichnet Charisma eine soziale Beziehung von Herrschaft, welche die Sozialstruktur grundlegend verändert, eine außeralltägliche „revolutionäre Macht“, und zwar so, wie sie von den charismatisch Beherrschten, den Anhängern („Jüngern“), gewertet wird.

Literatur
Riggio, Ronald E. (1986).  Assessment of basic social skills. Journal of Personality and Social Psychology, 51, 649-660.
Riggio, R.E. (2011). The Social Skills Inventory (SSI): Measuring nonverbal and social skills. In V. Manusov (Ed.). The sourcebook of nonverbal measures: Going beyond words. (pp. XX-XX). Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum Associates.
http://de.wikipedia.org/wiki/Charisma (11-02-21)




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