Immersion

Die nach Ansicht von Experten bei weitem effektivste Methode des Spracherwerbs ist die Immersionsmethode, wobei Immersion das Eintauchen in eine Sprache meint. Bei dieser Methode ist die neue Sprache die Arbeits- und Umgangssprache, wobei nach dem Prinzip “Eine Person – eine Sprache” ein Lehrender nur Deutsch spricht, der andere z.B. nur Spanisch. Alles, was der fremdsprachliche Lehrer sagt, verstärkt er allein durch Mimik, Gestik oder Zeigen aber niemals durch Übersetzung – er redete mit Händen und Füßen. Dem Kind erschließt sich damit die Sprache eigenständig Stück für Stück aus dem Zusammenhang der Situation, was die natürlichste Art bildet, wie Kinder Sprachen lernen, gleichgültig, ob als erste oder zweite Sprache. Immersion verfährt daher kindgerechter als jede andere Methode, denn sie mach von Anfang an Spaß, motiviert und kommt in er Regel ohne Zwang und ohne Leistungsdruck aus. Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass sich mit der Immersion ein beträchtlich höheres Niveau in einer Fremdsprache erreichen lässt als mit traditionellem Unterricht. Dabei entwickeln sich Muttersprache und Sachinhalte zumindest genauso gut oder besser als bei einsprachigen Kindern.

1.Definition
Immersion (von lat. immersio)wird als das Eintauchen in eine fremde Sprache bezeichnet. Oftmals wird auch der Begriff „Sprachbad“ verwendet. (vgl. Stebler, Maag Merki, 2010, S.21) Immersion als ein didaktisches Konzept betrachtet, geht davon aus, dass „Fremdsprachen im Klassenzimmer am besten gelernt werden, wenn man nicht so sehr auf die Sprache – ihre Form und Struktur –abhebt, sondern eher auf die Inhalte, mit Hilfe derer die Sprache vermittelt wird“ (Wolff, 2006, S.143, zit. nach Stebler, Maag Merki, 2010, S.21).

2. Definition
„Immersion, die; -, -en [spätlat. immersio = Eintauchung, zu lat. immergere (2. Part. immersum)
= ein-, untertauchen]: 1. (Physik) Einbetten eines Objekts in eine Flüssigkeit mit besonderen lichtbrechenden Eigenschaften (zur Untersuchung von Kristallformen u. in der Mikroskopie).
2. (Astron.) Eintritt eines Himmelskörpers in den Schatten eines anderen. 3.(Geol.) Inundation.
4. (Med.) bei bestimmten Hautkrankheiten u. Verbrennungen angewandtes stunden- bis tagelanges Vollbad“ (Enzyklopädie Brockhaus,1995, Band 27, S. 1680).

3. Definition
Wenn von Unterricht und Immersion die Rede ist, bedeutet dies, dass die Sprache das Medium der Instruktion ist. Immersiver Unterricht wird sehr stark in Kanada praktiziert, wo ein Stundenanteil von 50% (partial immersion) bis zu 100% (total immersion) angewendet wird. Früher ermöglichte man vor allem Kindern aus höheren sozioökonomischen Familien diese besondere Form des Unterrichts (vgl. Wode, 1995, zit. nach Kubanek-German, 2003, S. 34).

4. Definition
Eine weitere Begriffsbestimmung lautet: „Der Terminus IM [Immersion, W.Z.] bezeichnet die Methode, eine Fremdsprache als Unterrichtssprache zur Vermittlung von Fachinhalten zu verwenden“ (Wode, 1995, S. 12, zit. nach Zydatiß, 2000, S. 27).

5. Definition
Wenn eine Fremdsprache als Unterrichtssprache im Fachunterricht angewendet wird, spricht man von einer Immersion. Immersionsprogramme werden schon seit etwa vierzig Jahren in Deutschland angeboten. Oftmals werden zwei oder mehrere Unterrichtsfächer in einer fremden Sprache gelehrt. Auch in Kindergärten, Vorschulen- und Grundschulen finden solche Immersionsprogramme Anwendung (vgl. Kniffa, Siebert-Ott, 2009, S. 30).

Früher Spracherwerb

Früher war man der Ansicht, dass ein guter früher Fremdsprachenunterricht Vorteile mit sich bringt, was etwa dazu führte, den Englischunterricht in immer niedrigere Schulstufen zu verlegen. So hatten Schüler in Österreich in den 1970er-Jahren ab der Mittelschule Englisch, in den 1980ern ab der dritten Volksschulklasse und seit den 1990ern ab der ersten Volksschule. Wichtiger hingegen ist es, die Erstsprache, also die, in der man erstmals schreiben und lesen lernt, gut zu beherrschen, um eine solide Grundlage für die Zweitsprache zu bilden. Beim Zweitspracherwerb hat das Alter bei Lernbeginn wenig Einfluss, denn Studien zeigen, dass SchülerInnen, die erst mit 13 Jahren Englischunterricht hatten, im Alter von 18 Jahren auf dem gleichen Niveau waren wie Schüler, die in der Volksschule fünf Jahre Englisch hatten (Pfenninger & Singleton, 2017).

Literatur

F.A. Brockhaus (1995). Brockhaus Enzyklopädie. Deutsches Wörterbuch GLUC-REG. (GP-IZ, Band 19) Mannheim: F.A. Brockhaus GmbH Verlag
Kubanek-German, A. (2003). Kindgemäßer Fremdsprachenunterricht. Band 2 Didaktik der Gegenwart. Münster: Waxmann Verlag GmbH.
Pfenninger, S. E. & Singleton, D. (2017). Beyond Age Effects: Variables Trumping the Age Factor in Instructional L2 Learning. Bristol: Multilingual Matters.
Siebert, G., Siebert-Ott, G. (2009). Deutsch als Zweitsprache: Lehren und Lernen. Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh GmbH & Co. KG
Stebler, R., Maag Merki, K. (2010).Zweisprachig lernen: Prozesse und Wirkungen eines immersiven Ausbildungsganges an Gymnasien. Münster: Waxmann Verlag GmbH.
WWW: http://books.google.com/books?id=FlHKSA0cLqIC&pg=PA48&dq=
immersion%2Bdidaktik&hl=de&ei=FmXITNC3JtHLswb47IGKDg&sa=X&oi=
book_result&ct=result&resnum=4&ved=0CDcQ6AEwAw#v=onepage&q=immersion&f=false (10-10-27)
Zydatiß, W. (2000). Bilingualer Unterricht in der Grundschule: Entwurf eines Spracherwerbskonzept für zweisprachige Immersionsprogramme. Ismaning: Max Hueber Verlag
WWW: http://books.google.at/books?id=0IuRzg71q40C&pg=PA26&dq=p%C3%A4dagogische+
immersion&hl=de&ei=c9bLTMCoHoTOswafpfSWCA&sa=X&oi=book_result&ct=
result&resnum=4&ved=0CDwQ6AEwAw#v=onepage&q=immersion&f=false (10-10-29)
http://diepresse.com/home/Wissenschaft/5094542/ (16-09-30)



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