kognitiver Konflikt

Ganz allgemein betrachtet bezeichnet eine kognitiver Konflikt jenen Prozess, der in Gang kommt, wenn ein Organismus bei der Reizsuche auf Informationen trifft, die er nicht kognitiv verarbeiten kann, da sie einander widersprechen, sodass dadurch das Aktivationsniveau erhöht wird. Diese erhöhte Aktivität hat das Ziel, das Aktivationsniveau auf die ursprüngliche angenehme Höhe zu reduzieren, und mobilisiert dazu die Möglichkeiten der kogniven Verarbeitung dieses Widerspruchs. Gelingt die Verarbeitung der neuen Information, so ist der Konflikt gelöst, d. h., die kognitiven Strukturen sind differenzierter und umfassender geworden. Mit anderen Worten, es wurde gelernt. Gelingt aber die Verarbeitung der Information nicht, so steigt das Aktivationsniveau bis zu einem Grenzwert. Danach versucht der Organismus den konflikterzeugenden Umweltreiz zu vermeiden. Die für ein effektives Lernen notwendige Aktivität des Denkens wird durch die Begegnung mit einem kognitiven Konflikt bzw. die Auseinandersetzung mit einer kognitiven Dissonanz wesentlich gefördert

Ein kognitiver Konflikt ist umso stärker, je mehr Verhaltenstendenzen miteinander konkurrieren, je mehr sich die Verhaltenstendenzen dem Zustand gleicher Stärke nähern, und je stärker die einzelnen Verhaltenstendenzen sind.

Der Begriff des kognitiven Konflikts in der Entwicklungspsychologie geht insbesondere auf Jean Piaget zurück und bezeichnet  Perturbationen (Störungen) oder Ungleichgewichtszustände, die etwa dadurch entstehen können, dass sich in der kognitiven Entwicklung Widersprüche zwischen vorhandenen kognitiven Beständen, die aus formal-operatorischen Kognitionsprozessen gewonnene Erkenntnisse, Einstellungen oder Vorstellungen stammen, und neuen Erfahrungen im realen Leben (peristatischen Umweltfaktoren) ergeben. In einer salutogenetisch normalen Entwicklung werden solche Konfliktfaktoren über verschiedene äquilibrierende Prozesse wie der Assimilation, Akkommodation und Diskrimination aufgehoben.

 





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