Helicopter-Parenting

Helicopter-Parenting bezeichnet einen durch Overprotection gekennzeichneten Erziehungsstil, bei dem überfürsorgliche Eltern sich ständig in der Nähe ihrer Kinder aufhalten, um diese zu überwachen und zu behüten. Der Ausdruck bezeichnet bildhaft einen von Überbehütung und exzessiver Einmischung in die Angelegenheiten des Kindes bzw. des Heranwachsenden geprägten Erziehungsstil, der in der westlichen Welt besonders in Mittelschichtfamilien verbreitet ist. Helikopter-Eltern behüten ihre Kinder beinahe fanatisch und versuchen, alle Probleme von ihnen fernzuhalten und ihre Zukunft in die richtige Bahn zu lenken bzw. stellen dafür ihre eigenen Bedürfnisse zurück. Eine Studie hat ergeben, dass sich Helikopter-Eltern besonders glücklich fühlen, wenn sie sich besonders intensiv um ihre Kinder kümmern, denn je engagierter Eltern ihr Kind behüten, desto eher leiten sie ihre Zufriedenheit und den Sinn des Lebens von der Tatsache ab, Kinder zu haben, womit ein genereller Zusammenhang zwischen Kindzentrierung und Zufriedenheit im Leben nachgewiesen wurde (Ashton-James, Kushlev & Dunn, 2013). Die Ursachen für diese Form der Überbehütung werden in einem Mangel an Anerkennung vermutet, den Eltern in ihrem Leben erfahren haben, bzw. im Zusammenhang mit einem Gefühl der Orientierungslosigkeit betrachtet. Solche vermeintlichen und tatsächlichen Defizite versuchen solche Eltern durch Fokussierung auf das Leben ihrer Kinder zu kompensieren, wobei es nach der Überzeugung der Eltern um das Lebensglück der Kinder geht. Dabei werden eigene Vorstellungen der Eltern von Glückssuche und Lebensplanung bewusst oder unbewusst in den Vordergrund gestellt. Hinzu kommt, dass nicht nur die Kompetenz der Kinder, ihr Leben eigenständig zu regeln, gering geschätzt wird, sondern auch die Kompetenz von familienexternen Instanzen wie Kindergarten und Schule häufig kritisch hinterfragt wird.

Helicopter-Parenting verhindert oft nützliche Erfahrungen von Kindern, denn aus der Sicht der Eltern wird vor allem in der Pubertät ihres Kindes die Erziehung als stressig, konfliktreich und unruhig erlebt. Für Eltern ist es in dieser Zeit schwierig, wie viel Disziplin und Überwachung in dieser Zeit angemessen ist. Gerade in dieser Phase der Entwicklung sollten Eltern ihren Kindern eine warme und befriedigende Beziehung bieten, den nur eine solche kann dazu beitragen, dass die Risiken, die Heranwachsende nehmen, nicht ihrer Gesundheit schaden. Helicopter-Parenting verhindert in diesem Lebensabschnitt wesentliche Lernprozesse eines Kindes, denn das Eingehen von Risiken ist nicht von Natur aus schlecht, denn Kinder brauchen auch Chancen, um aus ihren Fehlern lernen zu können.

Perry et al. (2018) haben in einer Studie gezeigt, dass Kinder, die bereits in sehr jungen Jahren von ihren Eltern permanent überwacht werden, langfristig Schaden nehmen. Schon Eltern von Zweijährigen sollten nach Ansicht der Autorinnen ihren Kindern einen gewissen Grad an Unabhängigkeit erlauben, wenn es darum geht, altersgerechte Probleme zu lösen, etwa wie man mit einem neuen Spielzeug spielt oder wie man nach dem Spielen aufräumt. Es ist wichtig, dass Kinder die Möglichkeit erhalten, den Umgang mit neuen Herausforderungen und auch Frustrationen zu erlernen, wobei die Eltern durchaus helfen können, wenn die Herausforderungen für ein zweijähriges Kind zu schwierig oder zu komplex werden. So können Eltern mit ihrem Kind Strategien diskutieren, wie man diese Probleme lösen könnte, denn wenn Eltern zu kontrollierend sind und intervenieren, bevor ein Kind überhaupt die Möglichkeit hat zu versuchen, Probleme und Schwierigkeiten zu bewältigen, kann es sein, dass das Kind fundamentale Fertigkeiten der Emotions- und Verhaltensregulation nur ungenügend erlernt. Das kann für zukünftige Schwierigkeiten im schulischen, sozialen, und emotionalen Bereich negative Folgen haben. Die Studie zeigte, dass Zweijährige mit überkontrollierenden Müttern drei Jahre später im Durchschnitt mehr Schwierigkeiten hatten als andere Kinder, in komplexen und herausfordernden Situationen ihre Emotionen und Impulse zu regulieren. Schwierigkeiten mit der Regulation von Emotionen und Verhalten waren nach dieser Untersuchung auch mit Schwierigkeiten im schulischen, sozialen und emotionalen Bereich im Alter von zehn Jahren verbunden, also acht Jahre nach der Messung des Elternverhaltens. Beim Schuleintritt werden viele komplexe neue Anforderungen an Emotions- und Verhaltensregulation, d. h., es gibt viele neue Normen und Regeln zu beachten und Frustrationen zu bewältigen. Längerfristig ist zu vermuten, dass Jugendliche im Kontext von überkontrollierendem Elternverhalten auch später nicht gut auf den Übergang in ein selbstständiges Erwachsenenleben vorbereitet sind.




Literatur

Ashton-James, Claire E., Kushlev, Kostadin & Dunn, Elizabeth W. (2013). Parents Reap What They Sow: Child-Centrism and Parental Well-Being. Social Psychological and Personality Science November, 5, 635-642.
Perry, Nicole B., Shanahan, Lilly, Dollar, Jessica M. & Keane, Susan P. (2018). Childhood Self-Regulation as a Mechanism Through Which Early Overcontrolling Parenting Is Associated With Adjustment in Preadolescence. Developmental Psychology, doi:10.1037/dev0000536.
http://lexikon.stangl.eu/3833/overprotection/ (14-03-09)
https://derstandard.at/2000082531036/Warum-Helikopter-Eltern-ihren-Kindern-schaden (18-07-03)



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