Positive Teststrategie

Positive Teststrategie bezeichnet das Phänomen einer einseitigen Suche nach bestätigender Information, denn Menschen als Informationssucher suchen die Umwelt nach bekannten und unbekannten Hinweisen ab, wobei die Informationssuche in der Regel zielgerichtet läuft, d. h. es wird eine Hypothese konstruier und dann nach Hinweisen gesucht, die die Hypothese unterstützen. Objektiv wissenschaftlich wäre es, gleichermaßen nach bestätigenden und widerlegenden Hinweisen zu suchen. Durch diese einseitige Informationssuche wird der Mensch tendenziell zu einer Bestätigung seiner Vermutung kommen, was teilweise auch das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung erklärt.
Snyder & Swann (1978) führten ein Experiment durch, bei dem die Versuchspersonen die Aufgabe hatten, ein Interview mit einer Person vorzubereiten, um deren Persönlichkeit zu testen. Einer Hälfte der Probanden wurde mitgeteilt, diese Person sei vermutlich extravertiert, der anderen, diese Person sei vermutlich introvertiert. Der Versuchsleiter gab Fragen vor, aus denen einige ausgewählt werden mussten, und es zeigte sich, dass jene, die sich auf die Befragung einer angeblich extravertierten Person vorbereiteten, relativ häufig Fragen wählen, die sinnvollerweise nur Extravertierten gestellt werden. Gleiches galt für die Gruppe, die angeblich Introvertierte befragen sollten. Die einseitige Auswahl von Fragen ist offensichtlich die Folge einer vorgefassten Meinung, denn wären die Interviews tatsächlich durchgeführt worden, hätten die Befragten wahrscheinlich zugestimmt, ohne die Sinnhaftigkeit der jeweiligen Frage in Bezug auf die eigene Person zu bezweifeln, was bei Techniken wie dem Cold Reading ausgenutzt wird.

Auf der Suche nach Sinn und Zustimmung begehen Menschen offensichtlich systematische Fehler beim Denken, Urteilen und Erinnern. Diese bewusste oder auch in manchen Fällen unbewusste Nutzung dieses Phänomens ist Hauptursache für das Funktionieren manch dubioser Beratungspraktiken (Heilern, Wahrsagern, Mentalisten, Esoterikern, Lebensberatern) und somit für das blinde Vertrauen, das ihnen entgegengebracht wird. Komplementär ist hier meist auch auch der Wunsch, von anderen Menschen Erklärungen und Bestätigung zu erhalten, wobei auch die bloße Zuwendung schon als Bestätigung erlebt wird.

Literatur
Snyder, M. & Swann, W.B. (1978). Hypothesis-testing processes in social interaction. Journal of Personality and Social Psychology, 36, 1202–1212.
http://de.wikipedia.org/wiki/Positive_Teststrategie (09-11-02)




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