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katastrophisches Gehirn

Der eher populärwissenschaftliche Begriff das katastrophische Gehirn beschreibt jenen Automatismus des menschlichen Gehirns, sich bevorzugt auf Gefahren, Probleme und Schwierigkeiten zu konzentrieren, d. h., dass Menschen bei ihren Tätigkeiten im Berufsleben oder auch privat permanent auf Problemsuche sind. Aus evolutionärer Sicht diente dieser Automatismus dem Überleben der Menschen und ist es heute nur noch in seltenen Fällen sinnvoll, etwa wenn man im Straßenverkehr schnell reagieren muss.

Nach Martin Seligman besitzt der Mensch evolutionär bedingt deshalb ein katastrophisches Gehirn, das immer auf das Schlimmste gefasst ist, da der Mensch als Art vermutlich nur deshalb überlebt hat, weil er sich vorwiegend auf das konzentriert hat, was schief laufen kann, und nicht auf das, was gut geht. Um dieser obsoleten Vorherrschaft der negativen Gefühle über das Leben zu begegnen, betonen die positiven Psychologen und die Evolutionspsychologen die heute wichtigere Funktion der angenehmen Gefühle. Freude, Lachen, Lust, Liebe, Zufriedenheit und so weiter stellten auch schon früher einen maßgeblichen evolutionären Vorteil dar, denn sie ermöglichten Kooperation, Arbeitsteilung und das allmähliche Entstehen komplexer Kulturen. Nicht mehr der Aggressivste, Misstrauischste, Ängstlichste überlebte und gedieh, sondern der Neugierige, zur Freundschaft Fähige, zu Humor und Bindung Begabte, Experimentierfreudige. So suchen Frauen bei der Partnerwahl nicht mehr nur die ökonomische Potenz, sondern sie fühlen sich zu Männern hingezogen, die witzig sind und sie zum Lachen bringen.

Auch Daniel Kahneman sieht im Glücksniveau eines Landes einen wichtigen Produktivitätsfaktor, denn nicht der Erfolg einer Volkswirtschaft macht ihre Mitglieder glücklich, sondern glückliche Menschen sind bessere Arbeiter, Angestellte, Unternehmer. Negative Emotionen wie Wut, Ekel, Hass oder Angst verengen das Spektrum der Denk- und Handlungsalternativen und blenden alles aus, was nicht unmittelbar einer Problemlösung dient.

Negatives Denken ist nach Ansicht mancher Experten auch ein Phänomen unserer Zeit und basiert auf genau diesem Automatismus des menschlichen Gehirns. Das menschliche Gehirn merkt sich bevorzugt Probleme, achtet besonders auf Gefahren, man erinnert sich am Ende des Tages eher an das nicht Erledigte als an das Erledigte, an genau jenes Telefonat, das gekränkt hat und nicht an die vielen gelungenen. Man benötigt viel geistige Energie, um dieser Form des Denkens bewusst gegenzusteuern, die aber besonders abends fehlt, wenn man müde vom Tag ist.



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