Premack-Prinzip

Das Premack-Prinzip der Lernpsychologie besagt, dass Verhaltensweisen mit hoher Auftretenshäufigkeit als Verstärker für Verhaltensweisen mit niedriger Auftretenshäufigkeit verwendet werden können. „Die Gelegenheit zu wahrscheinlicherem Verhalten kann weniger wahrscheinliches Verhalten verstärken“ (David Premack, 1962).

Verhalten, das Menschen gerne und häufig tun, hat demnach eine verstärkende Wirkung auf Verhalten, das man weniger gern und häufig tut. wenn etwa ein Kind einen Nachmittag zur freien Verfügung hat, also frei vor die Wahl zwischen „Fernsehen“, „Hausaufgaben machen“ und „Zimmer aufräumen“ stellen, wird es mutmaßlich die meiste Zeit mit Fernsehen verbringen, etwas Hausaufgaben machen und das Zimmer unaufgeräumt lassen. Nun kann man das Verhalten mit der jeweils höheren Auftretenswahrscheinlichkeit als Verstärker benutzen: Das Kind wird mehr Zeit mit Hausaufgaben verbringen, wenn es erst danach fernsehen darf, und es wird mehr Zeit mit Aufräumen verbringen, wenn es erst danach Hausaufgaben machen darf. Das Premack-Prinzip erhöht also letztlich die Anwendbarkeit der Prinzipien des operanten Konditionierens im Alltag. So ist z.B. das Verhalten „Auf den Spielplatz gehen“ (hohe Präferenz zum Zeitpunkt X) als Verstärker geeignet für „Hausaufgaben machen“ (niedrige Präferenz zum Zeitpunkt X). Ein Lehrer, der zu seiner Klasse sagt: „Tobt euch meinetwegen zuerst einmal aus, danach konzentrieren wir uns auf Mathematik“ handelt gegen dieses Prinzip, denn mit Austoben hätte er einen wirksamen Verstärker für das Lösen der Mathematikaufgaben gehabt. Als Verstärker werden Aktivitäten genutzt, die Kinder oder Schüler ohnehin ausführen würden. Das Premack-Prinzip eröffnet dem Lehrer nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, um Aktivitäten zur Stärkung wünschenswerter Verhaltensweisen im Klassenzimmer zu benutzen. Dies wird jedoch häufig nicht erkannt.

In Ergänzung zum Premack-Prinzip konnte in Tierversuchen mit Ratten nachgewiesen werden, dass auch ein Verhalten, das eine niedrigere Auftretenswahrscheinlichkeit besitzt, als Verstärker dienen kann: Wenn etwa eine Ratte, die eine Stunde in einem Käfig sitzt, ohne äußere Zwänge 50 Minuten damit verbringt, an einem Wasserspender zu lecken und zehn Minuten damit, in einem Laufrad zu rennen, dann kann man nun nach dem Premack-Prinzip ohne Probleme das längere Rennen im Laufrad durch das Lecken verstärken. Es geht jedoch auch anders herum. Wenn die Ratte zwei Minuten lecken muss, um danach eine Minute im Laufrad zu rennen, wird dies nicht als Verstärker wirken, da die Ratte nach diesem Verstärkerplan leicht auf ihre Basis-Verhaltenshäufigkeit von 10 Minuten Rennen in der Stunde kommt. Wenn die Ratte aber fünfzehn Minuten lecken muss, um eine Minute rennen zu dürfen, wirkt dieses Verhalten als Verstärkung für das Lecken. Somit kann auch ein Verhalten mit einer niedrigeren Auftretenshäufigkeit als Verstärker dienen.

Literatur
Premack, D. (1962). Reversibility of Reinforcement Relation. Science, 136, 255-257.
Stangl, W. (2009). Operante und instrumentelle Konditionierung.
WWW: http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/LERNEN/KonditionierungOperant.shtml (09-11-11)
Stangl, W. (2009). Anwendung der operanten und instrumentellen Konditionierung: Tokensysteme (token economy, Münzökonomie).
WWW: http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/LERNEN/KonditionierungToken.shtml (09-11-10)


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