Pädophilie – Päderastie

Pädophilie und Päderastie sind auf Kinder ausgerichtete sexuelle Neigungen und existieren als solche im Spannungsfeld sexuellen Missbrauchs. Sofern diese Beziehungen dauerhaft sind und die Betroffenen darunter leiden oder wenn die Sexualkontakte mit Kindern real ausgelebt werden (Pädosexualität), wird Pädophilie als psychische Störung der Sexualpräferenz (Paraphilie) angesehen. Der Begriff Pädosexualität wird zwar meist synonym zum Begriff Pädophilie benutzt, doch wird er auch gezielt verwendet, um zwischen sexueller Präferenz (Pädophilie) und sexuellem Verhalten abzugrenzen. Für die Pädophilie gibt es zwei Erklärungsansätze in der Wissenschaft: der eine geht davon aus, dass die Pädophilie biologisch im fünften, spätestens im sechsten Lebensjahr gesetzt ist, der andere vermutet, dass es erlerntes Verhalten ist, also ein möglicherweise umkehrbarer Prozess. Manche Pädophile schon im frühen Alter Verhaltensauffälligkeiten, wobei die sexuellen Handlungsversuche im Kindesalter noch sehr undifferenziert sind, sodass es kein Kriterium gibt, an dem man Pädophilie festmachen kann. Wenn ein Kind im Alter von acht oder zehn Jahren beginnt, andere Kinder zu fesseln oder sexuell bedrängt, dann kann sich in diesem Alter die Neigung noch in verschiedene Richtungen entwickeln. Meist entwickelt sich in der Pubertät diese Orientierung weiter. Eine biologische Grundausformung wird durch Konditionierung in der Phantasie oder in der Realität verstärkt.

Pädophile Täter weisen oft eine eingeschränkte sexuelle Lerngeschichte auf und es besteht ein Autoritätsverhältnis gegenüber dem Opfer. Kommt es zum sexuellen Kontakt, folgen häufig zwei Phänomene: Das Kind sagt aufgrund des Abhängigkeitsverhälnisses ,Ja‘ zu den Übergriffen. Der Täter seinerseits ist daher überzeugt, dass das Kind den sexuellen Kontakt wollte. Das Kind wiederum entwickelt so eine Art Stolz, an der Welt der Erwachsenen teilhaben zu dürfen, wobei mediale Vorerfahrungen eine wichtige Rolle spielen. Daher rührt dann das Phänomen, dass Täter und Opfer davon sprechen, nichts Unrechtes zu tun, da es angeblich freiwillig zu sexuellen Kontakten gekommen sei. Dem ist meist nicht so, denn das Opfer entscheidet nicht frei, da es eben gesetzlich betrachtet noch ein Kind ist, da Unreife und Abhängigkeit die vermeintlich freiwillige Entscheidung in jedem Fall beeinträchtigen. Solche psychologische Schutzmechanismen kommen bei pädophilen Beziehungen häufig vor. Wenn Kinder in Einzelfällen daher sagen, dass sie „es“ auch gewollt hätten, darf daraus nicht der Schluss auf ein Einverständnis gezogen werden, vielmehr ist eine solche Aussage manchmal eine wichtige Strategie, um die Situation überhaupt zu ertragen. Betroffene Kinder versuchen damit, ihre eigene Machtlosigkeit und das sie verletzende Verhalten des Täters umzudeuten (Herman 1994, S. 142). Solche Abwehrmechanismen helfen dem Kind insbesondere bei innerfamiliärem Missbrauch, z.B. das Vertrauen in die Eltern zu bewahren und eine Erklärung für sein Schicksal zu finden, die seine Eltern von jeder Schuld und Verantwortung freispricht (vgl. Bange 1997).

Literatur
Bange, Dirk (1997). Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen. Informationsdienst der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 1/2, 14-21.
WWW: http://www.sexualaufklaerung.de/bilder/fo12_97.pdf (03-06-07)
Herman, J. L. (1994). Die Narben der Gewalt. München: Kindler.




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