Klassenklima

Das Klassenklima ist die subjektiv wahrgenommene Konfiguration wesentlicher Elemente des erzieherischen Verhältnisses zwischen LehrerInnen und SchülerInnen, des Verhältnisses der SchülerInnen untereinander sowie kollektiver Einstellungen und Verhaltenbereitschaften von LehrerInnen und SchülerInnen innerhalb der jeweiligen Lernumwelt (vgl. Eder, 1996, S. 26). Das Klima in einer Schulklasse hat erhebliche Auswirkungen darauf, wie wohl sich SchülerInnen und LehrerInnen fühlen, denn ein gutes Klassenklima zeigt sich vor allem an der Art und Weise, wie die SchülerInnen innerhalb der Klasse miteinander umgehen, insbesondere bei der Lösung von Konfliktsituationen. Die SchülerInnen einer Klasse gehen auch relativ gerne zur Schule, wobei die LehrerInnen ein gutes Vertrauensverhältnis zur Klasse haben, sich um sie kümmern und bereit sind, bei Konflikten mit den SchülerInnen zu sprechen. Dabei unterstützen außerschulische Aktivitäten das bessere Kennenlernen und den Zusammenhalt. So sind etwa gemeinsame Theater- oder Konzertbesuche, die nicht immer mit den in der Schule behandelten Themen zu tun haben müssen, hilfreich. Letztlich ist ein gutes Klassenklima eine wesentliche Grundlage für ein gutes Schulklima.


In einer Untersuchung von Dikker et al. (2017) wurde mit Hilfe einer neuartigen methodischen Herangehensweise untersucht, inwiefern sich gegenseitige Sympathien sowie das Interesse am Unterricht in den Hirnströmen von Schülern widerspiegeln. Ein ganzes Schuljahr lang erfasste man während des Unterrichts mit Hilfe mobiler Elektronenzephalographie die Gehirnaktivität von zwölf Schülern und ihren Lehrern, und erhob zusätzlich, wie sehr die Schüler ihr Mitschüler und ihren Lehrer mochten und wie gut ihnen die Gruppenaktivitäten gefielen. Es zeigte sich eine positive Korrelation zwischen der Unterrichtsbewertung eines Schülers und dessen Hirnsynchronizität mit seinen Mitschülern als Gruppe, d. h., je stärker die Gehirnströme eines Schülers mit denen in der Klasse insgesamt übereinstimmten, desto wahrscheinlicher gab er eine positive Bewertung für den Unterricht ab und je größer die Synchronizität zwischen einzelnen Schülern und ihren Mitschülern war, umso größer war auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Lehrstil des Lehrers positiv beurteilten.
Aus der Hirn-zu-Hirn-Synchronizität ließ sich auch ablesen, wie sehr die Schüler einander mochten, d. h., dass Schüler, die einander näherstanden, während des Unterrichts eine stärkere Synchronizität aufwiesen. Das war jedoch nur dann der Fall, wenn sie direkt vor dem Unterricht persönlich miteinander zu tun hatten. Dieses Ergebnis lässt vermuten, dass eine persönliche Interaktion direkt vor einer gemeinsamen Erfahrung von Bedeutung ist, und zwar selbst dann, wenn in der Situation selbst kein direkter Kontakt besteht.

Literatur

Dikker, S., Wan, L., Davidesco, I., Kaggen, L., Oostrik, M., McClintock, J., Rowland, J., Michalareas, G., Van Bavel, J. J., Ding, M. & Poeppel, D. (2017). Brain-to-brain synchrony tracks real-world dynamic group interactions in the classroom [Abstract]. Current Biology, 27, 1375-1380. Doi: 10.1016/j.cub.2017.04.002.
https://www.mpg.de/11259195/hirn-zu-hirn-synchronizitaet-gruppenbildung-schueler (17-05-11)




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