Essstörung

Jedes Lebewesen braucht zur Sicherung des eigenen Überlebens eine regelmäßige Ernährung, wobei beim Menschen der Nahrungsaufnahme jedoch noch weitere Bedeutungen hinzufallen. Essen kann etwa als Spiegel der inneren psychischen Verfassung angesehen werden, wobei eine Veränderung des Essverhaltens manchmal so groß sein kann, dass sie kein Symptom einer anderen Krankheit mehr darstellt, sondern selbst zur Krankheit wird. Wenn Menschen auf psychische Belastungen mit verändertem Essverhalten reagieren, ist das noch wenig problematisch, doch wenn das veränderte Essverhalten nicht mehr vorübergehend ist, sondern fester und sogar kontrollierender Faktor des Lebens wird, hat sich eine Essstörung entwickelt. Häufig treten Essstörungen zusammen mit anderen psychischen Störungen auf.

1. Definition
„Als E. bezeichnet man bestimmte, psychisch bedingte und gesundheitlich belastende Störungen bezüglich der Art und Menge der Nahrungsaufnahme (Ernährungspsychologie). Dazu gehören u.a. die mengenmäßig übertriebene, zur übermäßigen Bildung von Fettgewebe führende Ernährung (Adipositas), die Bevorzugung einer gesundheitsschädlichen Ernährung (Alkohl; fettreiche, vitaminarme Ernährung), die mengenmäßige Unterernährung (Anorexie) sowie das anfallsweise Auftreten von gierigem, übermäßigen Essen bis zum Erbrechen (Bulimie)“ (Dieterich & Rietz 1996, S. 126).

2. Definition
„Selbst verordnetes Hungern (Anorexie) oder Kopplung von Fressanfällen mit nachfolgenden, selbst ausgelösten ‚Reinigungen‘ (zum Beispiel Erbrechen; Bulimie)“ (Smith, Nolen-Hoeksema, Fredrickson & Loftus 2007, S. 694).

3. Definition
„Von der Norm abweichende Auffälligkeiten des Eßverhaltens, die zu Veränderungen des Körpergewichtes führen. Hierzu zählen im weitern Sinne die mit erheblichen Gewichtsverlusten oder Gewichtsschwankungen einhergehenden Störungen (a) Anorexia nervosa, (b) Bulimia nervosa […], (c) Pica und (d) Rumination […]. Zu den mit erheblicher Gewichtszunahme verbundenen E. zählen: (e) Adipositas […], (f) Bulimie […] und (g) Polyphagie“ (Fröhlich 1994, S. 156).

4. Definition
„Wie eng E. und seelisches Befinden verknüpft sind, zeigen die mannigfachen Eßstörungen (Bulimie; Magersucht) und der bei bestimmten Persönlichkeitstypen beobachtbare Zusammenhang von Frustration und Essen als Ersatzbefriedigung; andere Charaktertypen reagieren auf Angst und Streß mit Nahrungsverweigerung“ (Leszczynski & Schumann 1995, S. 92).

5. Definition
„Eßstörungen, nach DSM-IV gekennzeichnet durch schwere Störungen des Eßverhaltens. Er wird hauptsächlich zwischen Anorexia Nervosa und Bulimia Nervosa unterschieden. Einfache Adiopositas (Fettleibigkeit) ist in der ICD-10 als med. Krankheitsfaktor aufgeführt, erscheint aber nicht im DSM IV, da bisher kein Nachweis vorliegt, daß sie mit einem ps. o. Verhaltenssyndrom einhergeht“ (vgl. Häcker & Stampf 1998, S. 347).

Verwendete Literatur

Dietrich, R. & Rietz, I. (1996). Psychologisches Grundwissen für Schule und Beruf. Donauwörth: Auer Verlag.
Smith, E. E., Nolen-Hoeksema, S., Fredrickson, B. L. & Loftus, G. R. (2007). Atkinsons und Hilgards Einführung in die Psychologie. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag.
Fröhlich, W. D. (1994). Wörterbuch zur Psychologie. München: dtv.
Leszczynski, C. & Schumann, W. (1995). Lexikon der Psychologie. Gütersloh: Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH.
Häcker, H. & Stapf, K. H. (1998). Dorsch Psychologisches Wörterbuch. Bern: Verlag Hans Huber.

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