Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Hier finden Sie die Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten.

confirmation bias

Der Begriff BestätigungsfehlerBestätigungs-Irrtum, Bestätigungstendenz bzw. confirmation bias bezeichnet in der Kognitionspsychologie die Neigung von Menschen, Informationen so auszuwählen, zu suchen und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen bestätigen. Dabei werden  Informationen ausgeblendet, die eigene Erwartungen widerlegen könnten, sodass man einer Selbsttäuschung oder einem Selbstbetrug erliegt. Dieser Confirmation Bias bewirkt etwa bei Entscheidungen, dass man nur nach jenen Gründen sucht, die die eigene Entscheidung bestätigen. Der confirmation bias ist ein wesentlicher Aspekt der selektiven Wahrnehmung.

Ursache für diese Bestätigungstendenz ist auch das menschliche Gehirn, das die Tendenz hat, neue Informationen immer so zu interpretieren, dass sie bestehende Vorannahmen unterstützen. Die Gründe für einen Bestätigungsfehler können an verschiedenen Stellen eines Entscheidungs- ode Urteilsprozesses entstehen. Entweder bestehen bereits starke Vorannahmen vor der Informationssuche, die man sich erst bewusst machen müsste, eine verzerrte Informationssuche, d. h., eine bewusste Suche nach Informationen, die die Vorannahmen potenziell widerlegen könnten, werden einfach ausgeblendet, eine äußerst subjektive Interpretation der Informationen ohne kritische Analyse der eigenen Interpretationen, und eine generell geringe Bereitschaft von Menschen, einmal aktualisierte Vorannahmen zu verwerfen.

Beispiele für den Bestätigungs-Irrtum

Hat man etwa viel Geld in ein Projekt gesteckt oder viel Arbeit investiert, und es tauchen verschiedene sowohl positive als auch negative Gerüchte über dieses Projekt auf, wird man sich eher auf die positiven Bemerkungen konzentrieren, um sich selber zu bestätigen, dass man die richtige Entscheidung getroffen hat. Diese bleiben dann auch nachhaltiger im Gedächtnis.

Dieser Effekt erklärt auch das von manchen als übernatürliches Phänomen erklärte Gefühl, dass man sich von hinten beobachtet fühlt. Fühlt man sich nämlich von hinten beobachtet und dreht sich dann um, dann behält man jene Fälle im Gedächtnis, in denen man tatsächlich jemanden entdeckt, dessen Blick auf einen gerichtet ist und fühlt sich dadurch in seiner Vermutung bestätigt. Alle anderen Fälle, in denen niemand anwesend ist oder in denen niemand den Blick auf einen gerichtet hat, vergisst man sofort wieder. Hinzu kommt die Tatsache, dass wenn jemand einen Menschen sieht, der sich in der eigenen Blickrichtung umdreht, man diesen natürlich anschaut.

Warum Menschen an Verschwörungstheorien und Götter glauben

Michael Shermer, Psychologe und Gründer der Skeptics Society sagte in einem Interview mit Daniela Wakonigg anlässlich der Säkularen Woche der Menschenrechte in Berlin 2018 über den Unterschied von Wissenschaft und Glauben, dass Menschen an Dinge aus emotionalen Gründen glauben, aus Gründen, die nicht auf Vernunft oder Beweisen basieren. Dass Menschen an Verschwörungstheorien glauben oder an Götter liegt vor allem am Bestätigungsfehler, jener einer kognitive Verzerrung, in der man die Art, wie man die Welt betrachtet, so formt, dass sie zu dem passt, was man bereits glaubt. „Der Bestätigungsfehler ist die Mutter aller kognitiven Verzerrungen, in denen man nach Beweisen für das sucht, von dem man überzeugt ist – und diese Beweise auch findet. Das ist sozusagen die erste Schicht. Darüber liegt als weitere Schicht eine Art allgemeiner Denkprozess, der versucht, die Welt insgesamt zu verstehen, ihr Sinn zu geben. Denn die Welt ist größtenteils ziemlich chaotisch. Es gibt viele Variablen, die ein Ereignis beeinflussen. Beliebigkeit und Zufall sind Faktoren, die wir meistens nicht wahrnehmen. Unsere Gehirne sind nicht richtig verkabelt, um große Muster zu erkennen. Sie sind eher dazu geeignet, kleine Muster zu erkennen, die etwas verstehbar machen. Besonders was Wirtschaft, Politik und Gesellschaft betrifft, sind Verschwörungstheorien attraktiv, weil sie einfach sind und nur einige wenige Faktoren beinhalten: Da ist irgendjemand, der im Geheimen die Strippen zieht und dafür sorgt, dass Kriege ausbrechen, dass die Wirtschaft sich in eine bestimmte Richtung entwickelt und all sowas. Aber die Wahrheit ist: So ist es nicht. Es ist viel chaotischer und komplexer. Aber wir sind einfach nicht so verdrahtet, dass wir das erkennen können.“

Literatur

Nickerson, R. S. (1998). Confirmation bias: A ubiquitous phenomenon in many guises. Review of General Psychology, 2, 175–220. Doi:10.1037/1089-2680.2.2.175.
https://hpd.de/artikel/warum-menschen-merkwuerdige-dinge-glauben-16193 (18-11-17)



Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:

Weitere Seiten zum Thema



You must be logged in to post a comment.



Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2018