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Candaulismus

sexualitaetist die Bezeichnung der Sexualpräferenz, bei der eine voyeuristisch veranlagte Person sexuelle Erregung bei der Vorstellung oder beim Zuschauen empfindet, wie ihr Partner sich vor einer anderen Person entblößt oder mit einer anderen Person Geschlechtsverkehr hat. Candaulismus bezeichnet somit die Lust am Zuschauen oder einen erlaubten Voyeurismus, wobei der Betroffene keine aktive Rolle spielt, sondern nur zusieht. Meist sind es Männer, die ihre Partnerin mit anderen Männern oder Frauen teilen möchten. Der Unterschied zum Voyeurismus liegt darin, dass ein Voyeur heimlich andere Menschen beobachtet, während beim Candaulismus das Zuschauen offen stattfindet, wobei der voyeuristische Aspekt dabei allerdings zentrale ist. Hinzu kommt der Aspekt der Unterwerfung, wenn der Betroffene zuschaut, wie der eigene Partner mit anderen Personen einen Orgasmus erlebt, empfindet er selber Lust und Erregung durch die Machtlosigkeit und die Passivität.

Die Bezeichnung Candaulismus wurde von Richard von Krafft-Ebing vom lydischen König Kandaules - eigentlich der Titel von Sadyattes I - hergeleitet, der seinem Freund Gyges seine unbekleidete Frau Nyssia zeigte, ohne dass sie davon wusste. Die beleidigte Königin habe daraufhin Gyges angewiesen, entweder Suizid zu begehen, oder Sadyattes zu ermorden und sich an seine Stelle zu setzen. Die Geschichte ist ein schon von Herodot erwähnter alter Sagenstoff aus dem antiken Kleinasien und beschreibt die Entthronung der angestammten lydischen Königsdynastie unter König Sadyattes I. durch Gyges, den Begründer der Mermnaden.

Literatur

Richard von Krafft-Ebing (1886). Psychopathia sexualis. Eine klinisch-forensische Studie. Stuttgart: Enke.


Wörterbuch der Sexualität

Definitionen zur Sexualitšt

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