Lachen

    Jährlich wird am ersten Sonntag im Mai der Weltlachtag begangen,
    wobei die Idee aus der Yoga-Lachbewegung stammt.

    Das Lachen ist eine sehr alte Form der nonverbalen Kommunikation, denn Primaten und sogar Ratten lachen, denn Lachen hat ursprünglich vermutlich die Bedeutung eines Belohnungssignals, das die Bereitschaft von Eltern oder Geschwistertieren steigert, mit dem Nachwuchs zu spielen und damit auf spätere Aufgaben vorzubereiten.

    Michael Titze, der der sich intensiv mit dem Lachen beschäftigt hat, gibt eine “Anleitung zum Lachen”: „Weiten Sie die Nasenlöcher. Verengen Sie die Augen. Ziehen Sie die Mundwinkel nach oben. Beschleunigen Sie den Atemrhythmus. Pumpen Sie die Luft in kurzen Stößen in die Lunge, bis die Stimmbänder schwingen und ein Stakkato wiehernder oder gackernder Laute entsteht. Versetzen Sie nun auch noch das Zwerchfell in Schwingung. Achten Sie darauf, dass es Leber, Galle, Milz sowie den Magen-Darmbereich gründlich durchknetet. Wenn Sie jetzt noch dafür sorgen, dass der Augenmuskel das Gehirn veranlasst, Glückshormone auszuschütten, ist es geschafft: Sie sind glücklich vernebelt, alles in Ihnen zieht, zerrt, stößt und schwingt, Sie lachen aus vollem Halse, kriegen sich nicht mehr ein.“

    Manche Experten vermuten, dass das menschliche Lachen deutlich vor der Sprache entstand, wobei vermutlich Primaten eine erste Version davon entwickelt haben, denn wenn sie in Gemeinschaft herumtoben, sich jagen und balgen, dann tun sie das mit geöffnetem Mund, ohne die Zähne zu zeigen. Dieses Spielgesicht soll signalisieren, dass das, was gerade getan wird, nicht böse gemeint ist, wobei das dazugehörige Glucksen und Hecheln dem menschlichen Lächeln und Lachen entspricht.

    Menschen haben verschiedene Formen des Lachens entwickelt, hinter denen oft sehr komplexe Absichten stehen können, denn Lachen ist in der sozialen Interaktion ein sehr deutlich sichtbares Signal. Wenn man etwa freudig angelächelt wird, fühlt man sich aufgenommen, wenn man hingegen Opfer eines höhnischen Lachens wird, fühlt man sich z. B. aus einer Gruppe ausgeschlossen. Richtiges Lachen lässt sich bekanntlich nicht dem Willen unterwerfen, was also beim Lächeln, Kichern oder Grinsen vielleicht noch bis zu einem gewissen Grad möglich ist, ist befreit zu lachen nicht mehr willentlich kontrollierbar.

    Nicht alle Arten des Lachens sind freundlich gemeint. So entsteht beim herzlichen Lachen eher ein Wohlgefühl, während etwa Angstgrinsen Unterwürfigkeit ausdrückt. Beim negativem Lachen, wenn Menschen ausgegrenzt, verhöhnt oder verspottet werden, geht es hingegen um Dominanz. Dabei werden bei den verschiedenen Formen des Lachens auch unterschiedliche Gehirnregionen aktiviert. Bei einem fröhlichen oder höhnischen Lachen werden jene Bereiche aktiviert, die eine Rolle dabei spielen, wenn man die Absichten eines anderen Menschen einschätzen will, wobei dann je nach vermuteter Intention des Lachenden jeweils unterschiedliche Verbindungen zu anderen Gehirnbereichen aktiviert werden. Das gemeinsame Lachen von zwei oder mehr Menschen ermöglicht es auch HörerInnen aus verschiedenen Kulturkreisen und Sprachen, die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe schnell zu bewerten.

    Wie Vouloumanos & Bryant (2019) zeigten, reagieren schon Säuglinge empfindlich auf akustische Informationen beim gemeinsame Lachen zweier Menschen, und sie können Lachen zwischen Freunden und zwischen Fremden unterscheiden. Diese Fähigkeit, akustische Merkmale beim gemeinsamen Lachen von Menschen, das soziale Beziehungen zwischen Individuen aufdeckt, schnell zu bewerten, erscheint somit bereits sehr früh in der Kindheit des Menschen und könnte das Produkt eines adaptiven Zugehörigkeitserkennungssystems sein, das Sprachmitteilungen analysiert. Offenbar lernen Kinder schon im Alter von wenigen Monaten, subtile akustische Signale richtig zu deuten.

    Literatur

    Stangl, W. (2001). Lächeln & Lachen. [werner stangl]s arbeitsblätter.
    WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/Lachen-Laecheln.shtml (01-04-30).
    Vouloumanos, Athena & Bryant, Gregory A. (2019). Five-month-old infants detect affiliation in colaughter. Scientific Reports, 9, doi:10.1038/s41598-019-38954-4.
    Frankfurter Rundschau vom 30. April 2021

     


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