Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Hier finden Sie die Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten.

Alkoholabhängigkeit


Alkoholabhängigkeit bzw. Alkoholismus bezeichnet in der Psychologie den gewohnheitsmäßigen Konsum von Alkohol,  der zu körperlichen und psychischen Schädigungen führt. Alkoholismus ist begleitet von einem starken, übermächtigen Wunsch oder Zwang, Alkohol zu konsumieren, der meist erst dann dem Betroffenen bewusst wird, wenn er versucht wird, den Alkoholkonsum zu kontrollieren, einzuschränken oder zu beenden.

Alkoholismus basiert auf einer Verbindung von körperlichen, sozialen, seelischen und genetischen Ursachen. Alkohol wirkt einerseits beruhigend, andererseits vergiftend, sodass Alkoholiker ihre lebensnotwendigen Bedürfnisse vernachlässigen. Sie essen häufig zu wenig oder trinken zu wenig Wasser, dadurch leiden sie an Mangelerscheinungen und machen ihr Immunsystem angreifbar. Am schädlichsten sind die Folgen für die inneren Organe, dazu zählen Magengeschwüre, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und Leberzirrhose (führt zu Vernarbung (Fibrose) und dem Absterben der Leberzellen), deren Folge der Versagen der Leberfunktionen und Bluthochdruck ist (Symptome sind Durchfall, Leibschmerzen, Gelbsucht). Selbst bei frühzeitiger Behandlung ist eine vollständige Wiederherstellung der Leber unmöglich. Alkohol greift auch das Nervensystem und das Gehirn an. Das kurzzeitige gewünschte Ausklinken des Hirns durch einen kleinen Rausch führt durch den Missbrauch zu Bewusstseinslücken, Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Zittern der Körperteile.

In Zellkulturexperimenten wurde zwar nachgewiesen, dass Alkohol als Zellgift Nervenzellen schnell zum Absterben bringt, doch ist die Situation des Alkoholkonsums beim Menschen etwas komplexer. Es kommt im Gehirn alkoholkranker Menschen allmählich zu einem Verlust von Nervenzellen – bis zu 75 Prozent aller langzeitig, alkoholkranken Menschen entwickeln eine Demenz -, und auch die Nervenzellen von Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben, sind empfindlicher und sterben leichter. Auch beim Binge-Drinking, also bei der Konsumation von großen Mengen Alkohol in kurzer Zeit, geht man davon aus, dass dies beim Menschen zu einem akuten Absterben von Nervenzellen im Gehirn führt. Bei regelmäßigem, aber moderatem Alkoholkonsum, hängt es eher vom Zustand des Gehirns ab, wobei Gehirne älterer Menschen oder die von Menschen mit einer bereits bestehenden Gehirnerkrankung wie einer Alzheimer-Demenz empfindlicher auf Alkoholkonsum reagieren.

In einer Studie über kurzzeitige Abstinenz wurde bestätigt, dass auch ein einmonatiger Alkoholverzicht einen großen Unterschied ausmachen kann, denn bei Menschen, die normalerweise mäßig bis viel trinken, hat man folgende gesundheitlichen Veränderungen beobachtet:

  • Die Probanden nahmen im Schnitt zwei Kilogramm ab,
  • der Blutdruck sank nach einem Monat um fünf Prozent,
  • das Diabetes-Risiko verbesserte sich um dreißig Prozent,
  • das Immunsystem wurde gestärkt,
  • die Leber konnte sich nachhaltig erholen.

Unklar sind aber die langfristigen Effekte dieser kurzen Abstinenz sind, besonders wenn man nach der Alkoholpause gleich viel trinkt wie vorher.

NeurowissenschaftlerInnen sind nun am Mausmodell den Ursachen für Alkoholsucht auf die Spur gekommen, wobei man nun eine genetische Grundveranlagung im Blickfeld hat. In Testreihen wurde Mäusen Alkohol angeboten, der besonders bitter schmeckte, wobei sich drei Gruppen an Trinkern herausbildeten: Tiere, die wenig konsumierten, solche, die viel zu sich nahmen, sowie Mäuse mit deutlich triebhaftem Verhalten. Im Gegensatz zu den ersten beiden Gruppen zeigten sich die Probanden der dritten Kategorie unsensibel gegenüber dem unangenehmen bitteren Geschmack. Mittels bildgebendem Verfahren untersuchte man den präfrontalen Cortex und die periaquäduktale graue Substanz, zuständig für die Selbstkontrolle und die Schmerzwahrnehmung. Es zeigten sich deutliche neuronale Kommunikationsmuster bei den triebhaften Trinkern, denn man konnte durch Ein- oder Ausschalten des zuvor beobachteten neuronalen Kreislaufs den Alkoholkonsum der Versuchstiere entweder steigern oder verringern. Damit hat man nun einen Schaltkreis im Gehirn von Mäusen entdeckt, der mit einer Neigung zu zwanghaften Trinkstörungen verknüpft ist. Dieses Muster kann daher als ein Biomarker für die Vorhersage eines zukünftigen zwanghaften Alkoholkonsums von Versuchstiere dienen. Ob sich die Ergebnisse bei den Mäusen auf Menschen übertragen lassen ist nicht unwahrscheinlich, denn in ähnlichen Fällen hatte sich bereits gezeigt, dass neuronale Prinzipien über Artgrenzen hinweg sehr ähnlich sind.

Siehe auch das Fetale Alkoholsyndrom.


Grobe Richtwerte für die Wirkung von Blutalkohol in Promille

0,2 bis 0,3 Promille: Die meisten Menschen wirken noch nicht betrunken, jedoch hat der Alkohol bereits Effekte. Er entspannt, macht redseliger und kontaktfreudiger.

0,3 bis 0,5 Promille: Bereits jetzt ist die Sehleistung etwas vermindert. Menschen agieren waghalsiger als sonst.

0,5 bis 0,8 Promille: Neben dem Sehen beeinträchtigt der Alkohol nun auch das Hören. Geschwindigkeiten werden nicht mehr richtig eingeschätzt. Die Reaktionsfähigkeit sinkt, ebenso die Aufmerksamkeit. Weil der Alkohol die Gefühle verstärkt, kann es zu Stimmungsschwankungen kommen.

0,8 bis 1 Promille: Die motorischen Fähigkeiten sind eingeschränkt, Bewegungen werden unkoordinierter, Betroffene verlieren eher die Balance. Das Sichtfeld ist eingeschränkt zu einem Tunnelblick. Gleichzeitig denken Menschen jetzt, sie hätten alles noch gut im Griff, was diesen Zustand noch riskanter werden lässt.

1 bis 1,2 Promille: Dass ein Rausch eingesetzt hat, ist nicht mehr zu übersehen. Betroffene sprechen undeutlich, haben Probleme beim Gehen, sind teilweise sehr emotional, werden aggressiv – oder schläfrig.

1,4 bis 2 Promille: Sehr wahrscheinlich sehen Betroffene die Welt nur noch verschwommen oder manches doppelt. Das Unfallrisiko ist deutlich erhöht, weil die Koordination nicht mehr glückt. Außerdem nehmen derart Betrunkene nicht mehr richtig wahr, wenn sie sich verletzen. Blackouts sind möglich.

2 bis 3 Promille: Die meisten Menschen verlieren das Bewusstsein. Falls nicht, kommen sie dennoch nicht mehr allein zurecht, sondern brauchen Hilfe beim Stehen oder Gehen. Der Körper versucht, den Alkohol loszuwerden – auch durch Erbrechen. Wer derart betrunken allein ist und ohnmächtig wird, kann an seinem Erbrochenen ersticken.

Ab 3 Promille ist das Level einer extrem gefährlichen Alkoholvergiftung erreicht. Die Atmung ist geschwächt und kann völlig stocken. Betroffene können ins Koma fallen und sogar sterben.


Literatur

https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/SUCHT/Alkohol.shtml (10-02-02)
https://www.scientificamerican.com/article/brain-circuit-involved-in-compulsive-drinking-identified-in-mice/ (19-11-22)
https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/was-bei-alkohol-konsum-im-koerper-passiert-a-1297235.html (19-12-27)


Weitere Seiten zum Thema

Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:



You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu



© Werner Stangl Linz 2020