Erfahrung ist ein ausgezeichneter Lehrer, aber dessen Honorare sind hoch.
Corrie ten Boom
Erfahrung ist der beste Lehrmeister. Nur das Schulgeld ist teurer.
Thomas Carlyle
Erfahrungslernen oder Experience Learning ist ein pädagogischer Ansatz, der das Lernen durch Erfahrung betont. Es ist ein Prozess, bei dem Lernende Wissen konstruieren, Fähigkeiten entwickeln und Werte aus direkten Erfahrungen aufbauen. Dieser Ansatz ermutigt Lernende, sich an Aktivitäten zu beteiligen, über ihre Erfahrungen nachzudenken und das Gelernte in neuen Situationen anzuwenden. Der Kreislauf des Erfahrungslernens, entwickelt von David Kolb, ist ein vierstufiger Prozess, der Folgendes umfasst:
- Konkrete Erfahrung: Diese Phase beinhaltet die Teilnahme an einer neuen Erfahrung oder Aktivität.
- Reflektierende Beobachtung: Diese Phase beinhaltet die Reflexion über die Erfahrung und das Verständnis derselben.
- Abstrakte Konzeptualisierung: Diese Phase beinhaltet die Bildung abstrakter Konzepte und Verallgemeinerungen auf der Grundlage der Reflexion.
- Aktives Experimentieren: Diese Phase beinhaltet die Anwendung der neuen Konzepte und Verallgemeinerungen in neuen Situationen.
Erfahrungslernen bietet mehrere Vorteile, darunter eine verbesserte Wissensspeicherung, denn Lernende erinnern sich eher an Informationen, wenn sie sie durch Erfahrung gelernt haben. Hinzu kommen verbesserte Fähigkeiten zum kritischen Denken, denn Erfahrungslernen ermutigt Lernende, kritisch üb.er ihre Erfahrungen nachzudenken und ihre eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen. Lernende sind dabei auch eher motiviert und engagiert, wenn sie aktiv am Lernprozess beteiligt sind. Erfahrungslernen bietet Lernenden darüber hinaus Möglichkeiten, praktische Fähigkeiten zu entwickeln, die sie in realen Situationen anwenden können
Erfahrungslernen bzw. erfahrungsbasiertes Lernen als Form situierten Lernens beschreibt ein didaktisches Modell, das auf der Annahme basiert, dass erst eine unmittelbare, praktische Auseinandersetzung mit einem Lerngegenstand einem Individuum effektives, sinnstiftendes Lernen ermöglicht. Lernen setzt in diesem Modell eine konkrete Erfahrung mit Echtcharakter außerhalb künstlich geschaffener Lernumgebungen wie in Bildungseinrichtungen voraus, sodass der Lernende als Handelnder im Mittelpunkt steht.
Die Bedeutung des Erfahrungslernens gilt im Besonderen auch für die Schule, denn überall da, wo Kinder neue Bereiche sachlicher oder sozialer Wirklichkeiten erleben, müssen sie Erfahrungen sammeln, wie man mit diesen umgeht und was diese Erfahrungen in ihrem Lebenszusammenhang bedeuten. Schule ist daher auch ein zentraler Ort für Erfahrungslernen, sodass die Schule in Bereichen, in denen sie nicht auf selbstverständlichen Erfahrungen der Kinder aufbauen kann, Wege eröffnen muss, die notwendigen Erfahrungen neu zu machen. Da Kinder einerseits nicht in allen Bereichen des Lebens Erfahrungen machen können und andererseits in manchen Bereichen bereits Erfahrungen vorliegen, muss die Schule ein besonderes Augenmerk darauf legen, neues Wissen mit dem vorhandenen Vorrat an Erfahrungen zu verknüpfen. Dabei geht es nicht nur um Anwendung des neu erworbenen Wissens, sondern um die Frage, welchen „Sinn“ dieses neue Wissen für das individuelle Kind macht, also um eine Einbettung in jene Sinnzusammenhänge, die für ein Kind bedeutsam sind und die mit seinen individuellen Lebenserfahrungen eng verknüpft sind. Die traditionelle Schule läuft häufig Gefahr, den Sinn, den Erwachsene einer Sache zuschreiben, auch für den Sinn zu halten, den Kinder damit verbinden, d. h., Schule ist relativ ungeübt darin, den individuellen Sinn von Kindern zu erfassen und in ihre Arbeit mit einzubeziehen, also Wissen vor dem individuellen Erfahrungshintergrund von Kindern zu begreifen.
Erfahrungslernen ist ein leistungsstarker pädagogischer Ansatz, der zur Verbesserung von Lernen und Entwicklung eingesetzt werden kann. Indem wir Lernenden Möglichkeiten bieten, durch Erfahrung zu lernen, können wir ihnen helfen, das Wissen, die Fähigkeiten und die Werte zu entwickeln, die sie für ein erfolgreiches Leben benötigen.
Literatur
Kolb, D. A. (1984). Experiential learning: Experience as the source of learning and development. Englewood Cliffs, NJ: Prentice-Hall.
http://liga-kind.de/fk-111-schaefer/ (15-05-21)
https://de.wikipedia.org/wiki/Erfahrungsbasiertes_Lernen (15-05-21)