trans­iente globale Amnesie

Als trans­iente globale Amnesie bezeichnet man eine vorübergehende Gedächtnisstörung, bei der das Gedächtnis fast aus dem Nichts abschaltet, sodass neue Informationen  nicht mehr abgespeichert werden. Die verwirrten Menschen – häufig zwischen dem 50 und 70 Lebensjahr – können ihre Gedanken nur noch 30 bis 180 Sekunden lang behalten und stellen sich Fragen wie „Was mache ich hier? Was ist los? Wo bin ich? Dieser Zustand hält durchschnittlich drei bis sechs Stunden an, manchmal auch bis 24 Stunden, und danach funktioniert das Gedächtnis wieder normal ohne bleibende Schäden. Das Langzeitgedächtnis bleibt hingegen weitgehend intakt, d. h., Betroffene wissen also noch, wer sie sind, aber eben nicht, wo sie sich derzeit befinden und wie sie dort hingekommen sind. Charakteristisch für eine trans­iente globale Amnesie sind daher wiederkehrende Fragen zur Umgebung oder zur Situation. Auch das prozedurale Gedächtnis, also das Abrufen erlernter Fähigkeiten wie Autofahren oder Telefonieren, ist nicht beeinträchtigt. Auch die aktuelle Aufmerksamkeit ist dabei nicht gestört, denn die Betroffenen sind wach und kontaktfähig, und medizinische Untersuchungen zeigen einen weitgehend unauffälligen Befund.

Die Ursache dieser Gedächtnisstörung ist weitgehend unklar, wobei es bei den meisten Betroffenen ein auslösendes Ereignis gibt, das der Amnesie in der Regel wenige Minuten bis Stunden vorausgeht. Bei etwa siebzig Prozent der Fälle können im Vorfeld psychische Belastungen wie Wut, Freude, Schock oder Trauer oder auch eine hohe körperliche Anstrengung wie Geschlechtsverkehr erhoben werden. Man vermutet, dass der Hippocampus unmittelbar an der Entstehung beteiligt ist, denn dieser Bereich des Gehirns ist für das Speichern neuer Informationen zuständig, wobei ein erhöhter Cortisolspiegel, wie er bei Stressreaktio­nen vorkommt, zu einer schlechten Durchblutung führt und so den Hippocampus beeinträchtigt. Bei einer MRT des Gehirns können sich 24 bis 48 Stunden nach Einsetzen der ersten Symptome manchmal punktförmige Signalaufhellungen im Hippocampus zeigen. Eine daher mögliche Erklärung für diese Erscheinungen ist, dass seelischer und körperlicher Stress eine Reaktion in Gang setzt, die Botenstoffe freisetzt, was zu einer Hemmung der Energieversorgung des Hippocampus führt. Die früher als Ursache vermutete Durchblutungsstörung wie bei einem Schlaganfall kann heute weitestgehend ausgeschlossen werden, denn Betroffene zeigen kein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle.

Quellen
http://www.rp-online.de/leben/gesundheit/medizin/sprechstunde/was-tun-gegen-kurzzeitgedaechtnis-stoerungen-aid-1.5320775 (15-08-19)
http://lexikon.stangl.eu/1090/amnesie/ (14-02-11)




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