inzidentelles Lernen

Lernprozesse finden nur zu einem kleinen Teil in Bildungseinrichtungen statt, denn Menschen lernen am Arbeitsplatz, zu Hause und in anderen Communities, d.h., im Austausch mit Familie, Freunden, Nachbarn und sonstigen Menschen, zu denen eine soziale Beziehung besteht, beim gemeinschaftlichen Sport, im Verein und beim organisierten zivilgesellschaftlichem Engagement.

1. Definition

Beim inzidentellen Lernen handelt es sich um einen Vorgang, bei dem Informationen nebenbei (unabsichtlich) aufgenommen werden. Das bedeutet, wir lernen viele Inhalte, ohne dass eine Lernabsicht vorliegt. Der Anteil der unabsichtlichen Lernprozesse ist mindestens so groß wie der Anteil jener Lernprozesse, bei denen es eine Lernabsicht gibt (vgl. Fröhlich, 1993, S. 259).

Zum Verständnis ein Beispiel:

„das beiläufige Mitlernen von Begleitumständen, die mit der gewünschten Tätigkeit oder dem Verhaltensziel in keiner direkten Beziehung stehen“ (Fröhlich, 1993, S. 259).

2. Definition

Das wesentlichste Merkmal des inzidentellen Lernens, ist, dass es sich dabei um beiläufiges Lernen handelt. In der Lernphase erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmern Lernmaterial und werden nicht informiert, dass sie später einem Wissenstest unterzogen werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden plötzlich geprüft. Sie sollen angeben an welche Items sie sich noch erinnern (Gedächtnisexperiment) oder welche Regeln ihnen bekannt sind (Lernexperiment) (vgl. Mazur, 2006, S. 526f).

3. Definition

Viele Lernvorgänge in unserem Leben haben keine Bedeutung, da wir sehr viel nebenbei und unabsichtlich lernen (inzidentelles Lernen). Deshalb meinen viele, dass inzidentelle Lernvorgänge viel öfters passieren als jene Vorgänge, bei denen es eine Lernvorgabe gibt (intentionales Lernen). Obwohl diese Annahme sehr treffend scheint, liefern empirische Studien folgendes Ergebnis: Informationen werden unabhängig davon, ob wir uns absichtlich oder unabsichtlich mit neue Inhalten auseinandersetzen, in unserem Gedächtnissystem verarbeitet (vgl. Hasselhorn & Gold, 2009, S. 51).

4. Definition

„Beim b. (=inzidentellen) L. besteht im Ggs. Zum zielgerichteten (= intentionalen) Lernen keine Lernabsicht der Versuchsperson. Ein b. L. liegt dann vor, wenn keine Instruktion gegeben wurde, das später geprüfte Material zu lernen“ (Merz, 1980, S. 1242f).

5. Definition

Inzidentelles Lernen hat die Bedeutung ohne Absicht zu lernen. Inzidentelles Lernen spielt eine sehr bedeutsame Rolle in unserem Leben, da wir die meiste Zeit inzidentell lernen (unabsichtlich lernen). Forschungen ergeben, dass die Lernabsicht keine Auswirkungen auf den Lernerfolg hat (vgl. Pawlik, 2005, S. 152).

 Literatur

Fröhlich, W. (1993). Inzidentelles Lernen. dtv –Wörterbuch zur Psychologie. Nördlingen:Deutscher Taschenbuch Verlag.

Hasselhorn, M & Gold, A. (2009). Pädagogische Psychologie. Erfolgreiches Lernen und Lehren. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer.

Mazur, James E. (2006). Lernen und Verhalten. ERSCHEINUNGSORT: Pearson Studium.

Ohne Autor (1980). Inzidentelles Lernen. Lexikon der Psychologie – H-Psychodiagnostik, zweiter Band. Herder Freiburg – Basel – Wien: Verlag Herder KG Freiburg.

Pawlik, Kurt. (2006). Handbuch Psychologie. Wissenschaft. Anwendung. Berufsfelder. Heidelberg: Springer Medizin Verlag.





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