kritische Phase

Als kritische Phase bezeichnet man in der Psychologie jenen optimalen Zeitraum oder Zeitpunkt, zu dem ein Organismus bestimmten Reizen oder Erfahrungen ausgesetzt werden muss, damit ein angemessener Entwicklungsprozess in Gang gesetzt wird. Dabei handelt es sich in der Regel um die Annahme, wichtige Lernprozesse wären daran gebunden, dass sie innerhalb bestimmter Phasen in der Gehirnentwicklung stattfinden, weil sie nach Abschluss dieser Phasen entweder gar nicht mehr oder nur noch unter großen Mühen nachgeholt werden können.

Das Konzept der kritischen Phase ist innerhalb der Psychologie allerdings äußerst umstritten, und viele ExpertInnen bezeichnen solche Phasen eher als Neuromythos. Tatsächlich gibt es keine Untersuchungen, die die Existenz von kritischen Phasen in dem Sinne belegen, dass bestimmte Lernprozesse nach Abschluss dieser Phasen gar nicht mehr oder nur noch unter großen Mühen nachgeholt werden können. Bestenfalls lassen sich in Bezug auf die Entwicklung grundlegender motorischer und sprachlicher Fähigkeiten sensible Phasen nachweisen, in denen manche Lernprozesse wie etwa das Identifizieren von Sprachlauten besonders begünstigt werden. Hingegen gibt es keine Belege dafür, dass es grundsätzlich nicht möglich ist, zum Beispiel eine Fremdsprache auch im Erwachsenenalter noch akzentfrei sprechen zu lernen, denn selbst wenn dies vielen Menschen nicht gelingt, so bleibt doch offen, ob diese nicht mit entsprechender Motivation diese Leistung nicht trotzdem erbringen könnten.

Literatur
http://www.educ.ethz.ch/forschung-und-literatur/lehr-lern-forschung-neurowissenschaften/neuromythen/gehirn-kritische-phasen.html (16-05-21)
Brewer, J. (2003). Der Mythos der ersten drei Jahre. Beltz.
Blakemore, S. J. & Frith, U. (2006). Wie wir lernen. Was die Hirnforschung darüber weiß. DVA.

 





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