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Musikpsychologie

Die Musikpsychologie untersucht die Besonderheiten der musikalischen Wahrnehmung, die musikalische Entwicklung von Laien und Experten und emotionale und sozialpsychologische Effekte beim Musikhören. Ein weiterer wesentlicher Forschungsbereich liegt in der Untersuchung der musikalischen Entwicklung und des musikalischem Lernens, wobei jeder Mensch sein Leben lang Musik hört und viele auch einmal ein Instrument lernen. Die Musikpsychologie ist aber auch ein Teilgebiet der Systematischen Musikwissenschaft und versucht die Erforschung universeller Gesetzmäßigkeiten beim Musizieren und Musikhören mit den Methoden der Psychologie zu untersuchen. Zentrale Themen sind dabei etwa die Wahrnehmung von Musik, die musikalische Sozialisation und das Musikverstehen. Die Musikpsychologie greift dabei neben der Psychologie aber auch auf Aspekte der Akustik, der Pädagogik oder der Kommunikationswissenschaft zurück. Letztlich versucht Musikpsychologie vor allem psychische Vorgänge bei der musikalischen Produktion, Interpretation und Rezeption zu untersuchen, also die Beziehung zwischen Mensch, Musik und Umwelt sowie die emotionale Wirkung der Musik. Bekanntlich hat sich die Psychologie als eine eigenständige Wissenschaft schon sehr früh mit der Rezeption und mit dem ästhetischen Genuss von Musik, dem musikalischen Schaffensprozess, der Entwicklung musikalischer Fertigkeiten und allgemein der gesellschaftlichen und kulturellen Relevanz des Phänomens Musik beschäftigt. Wilhelm Wundt etwa hat die Musikpsychologie als ein ursprüngliches Teilgebiet der Philosophie durch die Eröffnung eines Laboratoriums in Leipzig für experimentell Untersuchungen zugänglich gemacht.

Als angewandte Musikpsychologie leistet die Disziplin einen Beitrag zur Betreuung von Musikern, was Aspekte wie Umgang mit Stress und Lampenfieber, mentales Training, Konzentrationspraxis, Auftrittscoaching und Bühnenperformance beinhaltet. Ein weiterer wesentlicher Bereich der Musikpsychologie betrifft die Rezeption von Musik, also den Umgang von Laien mit der Musik.

Die Hauptschwerpunkte der aktuellen Forschung der Musikpsychologie sind u. a.

  • Wahrnehmung von Musik
  • psychologische und physiologische Wirkung von Musik
  • Beeinflussung durch Musik
  • therapeutische Wirkung von Musik
  • emotionale Wirkung von Musik
  • Präferenzen beim Hören von Klängen und Musik
  • Interpretation  von Musik aus verschiedenen Blickwinkeln

Beispiel für eine Untersuchung aus der Musikpsychologie

Von Georgi, R., Reuter, C. & Damm, R. (2017) haben in einer online-Befragung zum Thema der subjektiven Wirkung von Musik in Hotellerie- und Gastronomiebetrieben versucht, die subjektive Bedeutung von Musik zu erfassen. Es zeigt sich, dass Menschen Gaststätten, Kneipen und Bars aufgrund deren spezifischer Musik aufsuchen, um das gemeinsame Miteinander, den Genuss und eine positive Aktivierung mittels Musik zu verstärken und zu modulieren. Die Ergebnisse zeigen vor dem Hintergrund neuerer Ansätze zur bewussten Emotionsmodulation mittels Musik, dass Individualität, Konsum und Musikpräferenz eine enge Beziehung eingehen. In einer typologischen Zusammenfassung wurden vier Personengruppen mit einem abgrenzbarem Verhalten und Erleben entdeckt.

Der Kontrolltyp sucht gezielt Lokalitäten nach der dort spielenden Musik aus (Situationskontrolle) und die Vorhersagbarkeit steht somit an vorderster Stelle des Gaststättenbesuchs. Hierbei bevorzugt er eher Evergreens (Bekanntheitsgrad) sowie live- Musik (Musikerleben) nicht jedoch aktuelle Popmusik (Medienverbreitung). Ihm ist es sehr wichtig, dass eine enge synonyme Beziehung zwischen dem Ambiente der jeweiligen Gaststätte und der eigenen Person bestehen sollte, um eine positive Wirkung zu entfalten (PE-Fit).
Der Kontrolltyp ist der Überzeugung, dass Musik sein Konsumverhalten beeinflusst, bleibt länger in Gaststätten, gibt hierbei aber nicht deutlich mehr Geld aus.

Für den Party-Typ steht das miteinander Erleben und Singen deutlich im Vordergrund (soziale Synchronisation), wobei die entsprechende Musik eindeutig durch die Möglichkeit des Mitsingens gekennzeichnet sein sollte (Mitsingpotenzial). Dieses betrifft auch live- Musik (Intimität und Passung), wobei davon auszugehen ist, dass es sich hierbei eher um Bands handeln dürfte, die bekannte oder aktuelle Songs live darbieten, bei denen man ebenfalls mitsingen kann. Hierbei ist es eher unwichtig, ob die Lokalität und die Person eine Passung aufweisen (PE-Fit), bzw. das Ambiente ist nicht von Bedeutung, was sich auch in einer geringeren Bedeutung einer allgemeinen Sauberkeit (Hygiene) der Gaststätte wiederspiegelt. Der Party-Typ ist der Überzeugung, dass Musik sein Konsumverhalten ändert und gibt auch tatsächlich mehr Geld für Getränke aus. Jedoch weist er eine verkürzte Aufenthaltsdauer auf.

Der Genusstyp möchte mittels Musik gezielt seine Wahrnehmung positiv beeinflussen (Genussregulation) und bevorzugt hierfür aktuelle Popmusik (Musikpräferenz und Medienverbreitung) und Evergreens (Bekanntheitsgrad) aber auch live-Musik (Musik- erleben). Auch diesem Typ ist die Passung zwischen der Lokalität und der eigenen Person sehr wichtig. Der Genusstyp ist ebenfalls der Überzeugung, dass Musik das Konsumverhalten ändert. Tatsächlich gibt er auch mehr Geld aus, allerdings nicht für Getränke sondern vielmehr für Speisen. Zudem verweilt er länger an der jeweiligen Lokalität.

Für den Aktivationstyp wird Musik zur eigen positiven Aktivierung und zur Stimmungsregulation in Gaststätten verwendet (Aktivierung), wobei im Gegensatz zum Party-Typ das gemeinsame Singen und Erleben nicht primär im Vordergrund steht, sondern vielmehr die selbstbezogene Regulation des Erlebens. Hierbei stehen Evergreens (Bekanntheitsgrad) im Vordergrund, die vor allem aus dem Bereich der Popularmusik, Rock und Volksmusik entstammen (Präferenz). Klassik oder Alternative Rock wird hingegen deutlich abgelehnt. Zusätzlich ist der Aktivationstyp nicht auf neue Erfahrungen ausgerichtet (Offenheit) was auch seine generelle Ablehnung von live-Musik erklärt. Vielmehr möchte er „das Altbewährte“, so dass eine gezielte Stimmungsregulation auch jederzeit möglich ist.
Der Aktivationstyp gibt in Gaststätten dann tatsächlich auch mehr Geld für Speisen und Getränke aus, bleibt jedoch nicht länger und glaubt auch nicht an eine konsum- beeinflussende Wirkung von Musik.

Es zeigte sich auch, dass für den Kontroll-, Genuss- und Aktivationstyp eine Transparenz der Musik einer Gaststätte von entscheidender Bedeutung ist, wie dies etwa durch Ankündigung oder Bekanntmachung dem Gast zugänglich gemacht werden kann. Hierbei ist es wichtig, dass nicht nur Gaststätte und Person ein Passung aufweisen können, sondern auch die Musik zum Ambiente der jeweiligen Lokalität passt. Im Vordergrund steht nicht etwa klassische Musik, sondern vielmehr Evergreens und aktuelle Popularmusik. Um diese Musik tatsächlich positive einsetzen zu können, empfiehlt es sich auf eine professionelle und gewissenhafte Gestaltung entsprechender Playlisten zurückzugreifen. Auf eine Variation der Lokalität in Form der gespielten Musik oder des Ambientes (Raumausstattung) sollte dringend verzichtet werden. Konstanz scheint hier möglicherweise eine wichtige Variable für eine hohe Gastbindung darzustellen. Spannend ist zudem, dass den meisten Gästen die Urheber-Verwertungs-Problematik bekannt ist und durchaus auch ein differenziertes Bewusstsein hierfür zu bestehen scheint. Für den Party-Typ sollte der Gastwirt durchaus eine Kosten-Nutzen-Überlegung vornehmen. Dieser Typ ist zwar an aktueller Popmusik und Volksmusik interessiert und weist eine deutliche Orientierung bezüglich der sozialen Wirkung von Musik auf, besitzt jedoch neben einer kurzen Aufenthaltsdauer kaum Interesse am Ambiente, der Passung oder gar Hygiene. Hier ist durchaus zu überlegen, ob sich eine Ausrichtung an diesem Typen langfristig lohnt, da dieses aufgrund von Aspekten des Ambientes der Einrichtung und einer ständige Änderung der Musik, im Sinne aktueller Chartbreaker, eher zu einer geringeren Frequentierung der Gaststätte durch die verbleibenden drei Typen führen dürfte. Trotz der Unterschiede zwischen diesen vier Gasttypen wirkt Musik nicht nur auf das subjektive Empfinden und das Konsumverhalten, sondern ist grundsätzlich von entscheidender Bedeutung, ob es „ein guter Abend“ wird, und zwar sowohl für den Gast als auch für den Gastwirt.


Das musikalische Broca-Zentrum

Es gibt nach neuesten Forschungen (Cheung et al., 2018) ein musikalisches Pendant des für die Sprachverarbeitung verantwortlichen Broca-Areals auf der rechten Gehirnseite, das aktiv wird, wenn einmal gelernte Strukturregeln von Musik verletzt werden. Neben der emotionalen und kommunikativen Funktion hat Musik bekanntlich sehr viel mit Sprache gemeinsam, denn auch diese basiert auf einem System, in dem sich Einzelelemente wie Töne zu immer komplexeren hierarchisch strukturierten Sequenzen zusammensetzen. Man lud Musiker zum Musikhören ein, wobei die verwendeten Kompositionen speziell für diese Zwecke entwickelt worden waren. Entscheidend an diesen Stücken war, dass darunter Sequenzen waren, die einer vorgegebenen musikalischen Grammatik folgten, andere aber ohne diese Vorgaben konstruiert worden waren. Die Musiker sollten die verwendeten Strukturregeln erkennen und lernen, und anschließend anhand dieser neuen musikalischen Grammatik entscheiden, ob es sich bei einem Stück um grammatikalisch richtige oder falsche Abfolgen handelte. Tatsächlich war dieses Musikareal bei grammatikalisch falschen Sequenzen aktiver als bei richtigen, wobei das die Probanden die Verletzung der Strukturregeln der Musik umso besser erkennen konnten, je stärker bei ihnen die funktionellen Verknüpfungen zwischen dieser Region und dem Arbeitsgedächtnis ausgeprägt waren. Das Arbeitsgedächtnis war dabei vor allem dann aktiver, wenn die grammatikalischen Strukturen der Komposition länger und komplizierter wurden.

Literatur

Cheung, Vincent K. M., Meyer, Lars, Friederici, Angela D. & Koelsch, Stefan (2018). The right inferior frontal gyrus processes nested non-local dependencies in music. Scientific Reports, 8, doi:10.1038/s41598-018-22144-9.
von Georgi, R., Reuter, C. & Damm, R. (2017). Bedingungs- und Wirkungsfaktoren von Musik in Hotellerie- und Gastronomiebetrieben. Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik: Justus-Liebig-Universität Gießen.
https://ufind.univie.ac.at/de/course.html?lv=160062&semester=2015W (17-11-21)
https://de.wikipedia.org/wiki/Musikpsychologie (17-11-21)
http://www.annettecramer.de/musikpsychologie.html (17-11-21)



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