Aphasie

Aphasie ist die Bezeichnung für zentralnervös bedingte, erworbene Sprachstörungen, bei denen in verschiedener Weise das Sprachverständnis oder der Sprachausdruck, die Wortfindung oder auch die Gestensprache beeinträchtigt sein können. Vielfach wird in Anlehnung an den Schädigungsort klassifiziert, etwa bei der Broca- oder Wernicke-Aphasie. Eine Broca-Aphasie führt dazu, dass Betroffene ihr Umfeld sehr gut verstehen, jedoch nicht in der Lage sind, mehr als einzelne stockende Worte zu artikulieren, während bei einer Wernicke-Aphasie schon das Sprachverständnis gestört ist, was bei den Betroffenen zu einem Redefluss ohne Inhalt und Zusammenhang führt, denn Gehörtes kann von ihnen nicht verarbeitet werden. Man unterscheidet auch eine anamnestische Aphasie als leichteste Form eines Sprachverlustes, die durch einerDysfunktion der zerebralen Schläfenregion entsteht, und eine globale Aphasie, die eine massive Beeinträchtigung aller am Sprachprozess beteiligten Gehirnregionen mit schwersten Ausprägungen bezeichnet.

Ursache einer Aphasie ist meist eine Verstopfung eines großen Blutgefäßes im Gehirn, das zu einer Unterversorgung einzelner Hirnregionen und im Anschluss zum Absterben von Zellen führt. Auch Blutungen nach einem Unfall oder ein Aneurysmariss können Gründe für eine Aphasie sein. Wie bei einem Hirntumor kommt es auch bei einer Blutung aufgrund einer Verengung der Raumverhältnisse im Gehirn zu Schädigungen und zum Absterben einzelner Zellareale durch eine massive und langfristige Quetschung. Seltener sind Entzündungen die Ursache einer Aphasie.

Aphasien treten übrigens bei Frauen am häufigsten auf, wenn vordere Teile des Gehirns verletzt sind, während sie bei Männern häufiger bei Läsionen der hinteren Bereiche gefunden werden. Aphasiker sind durchaus in der Lage zu denken, aber es verändert sich u.a. die Fähigkeit zu kommunizieren, denn Menschen, die an dieser Krankheit leiden, nehmen nonverbale Signale viel stärker wahr als gesunde Menschen, d. h., sie verstehen nicht, was gesagt wird, sondern wie es gesagt wird.

Bei der Diagnose können bildgebende Verfahren zeigen, ob und inwieweit eine Läsion im zentralen Nervensystem vorliegt und welche Ursache diese hat. In einem Gespräch werden ergänzend zur klinischen Untersuchung auch Sprachtests herangezogen, durch die einzelne Aspekte der Störung wie Nachsprechen, Benennen oder Verstehen überprüft und Abgrenzungen zu anderen neurologischen Erkrankungen getroffen werden können. Eine ausgebildete Aphasie kann nicht mehr geheilt werden, wobei aber eine Blutungsstillung oder die Aufdehnung verschlossener Gehirngefäße eine weitere Verschlechterung verhindern können.

Aphasie bedeutet wörtlich genommen Sprachlosigkeit oder Sprachverlust, was aber auf die meisten Aphasiker nicht zutrifft, vielmehr wäre dann meist eher von Dysphasie zu sprechen, also einer zentralnervös bedingten, verminderten Sprechfähigkeit.


1. Definition
„Zentral (=im Gehirn) bedingte Sprachstörung, Hirnwerkzeugstörung“ (Tewes & Wildgrube 1992, S. 25).

2. Definition
Im 19. Jahrhundert fanden Paul Broca und Carl Wernickel etwa zeitgleich heraus, dass Läsionen in der linken Hemisphäre des Gehirns zu Sprachstörungen führen, bei welchen der Fluss der Spontansprache großteils erhalten bleibt, die wesentlichen Teile der Äußerungen von Erkrankten jedoch weitgehend unverständlich sind. Weiters zeigten die von dieser Störung betroffenen Personen massive Defizite beim Sprachgebrauch. Solche charakteristische Sprachstörungen infolge von Hirnläsionen werden als Aphasie bezeichnet (vgl. Pawlik, S. 214).

3. Definition
„Aphasie (griech. Aphasia „Nicht-Sprechen“)
Sprachlosigkeit, bei Skeptikern der Verzicht, etwas über Dinge auszusagen, von denen wir nichts sicheres Wissen (-> Epoche). In der Medizin die Unfähigkeit für das, was ausgedrückt werden soll, die Worte zu finden (amnestische A.) oder die Unfähigkeit den Sinn gehörter oder gelesener Worte zu verstehen (sensorische A., Worttaubheit, Wortblindheit)“ (Schmidt 2006, S. 27).

4. Definition
„Aphasie ist der Oberbegriff für zentrale Störungen der bereits erworbenen Sprache. Es handelt sich dabei um Störungen der Symbolfunktion, die sowohl expressive und rezeptive Sprachfunktionen gleichzeitig als auch unabhängig voneinander beeinträchtigen können. In der Regel ist nicht nur die Lautsprache, sondern auch die Schriftsprache betroffen (Alexie, Agraphie)“ (Knura & Neumann 1980, S. 31).

5. Definition
„Aphasie nennt man eine spezielle Störung der Sprachfähigkeit, die bei bestimmten herdförmigen Gehirnerkrankungen auftritt“ (Ritter 2006, S. 436).


Literatur

Knura, G. & Neumann, B. (1980). Pädagogik der Sprachbehinderten. Berlin: Carl Marhold Verlagsbuchhandlung.
Pawlik, K. (2006). Handbuch Psychologie. Wissenschaft – Anwendung – Berufsfelder. Berlin: Springer Verlag.
Ritter, J. (o.J.). Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 1: A – C. Basel/Stuttgart: Schwabe & Co Verlag.
Schmidt, H. (2006). Philosophisches Wörterbuch. 17. Auflage. Band 13. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.
Tewes, U. & Wildgrube, K. (1992). Psychologie-Lexikon. München/Wien: R. Oldenbourg Verlag.



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