Verhaltenstherapie

Verhaltenstherapie ist jene Form von Psychotherapie, die psychologisches Wissen, insbesondere Erkenntnisse ihrer Lerntheorien, auf die Behandlung von Menschen mit psychischen Störungen anwendet. Verhalten ist demnach sowohl erlernbar als auch wieder verlernbar. Allerdings geht die Verhaltenstherapie über die Grenzen der Lerntheorie hinaus, indem sie weitere Funktionalitäten des Verhaltens und Erlebens wie Kognitionen, Motive, Emotionen oder den sozialen Kontext für die Regulation des Verhaltens in der Psychotherapie mitberücksichtigt. In der verhaltenstherapeutisch orientierten Psychotherapie wird in der Regel auf der Grundlage von gezielten Verhaltensanalysen hypothesengeleitet überprüft, welche Faktoren des Erlebens und Verhaltens der betroffenen Person eine psychische Störung aufrechterhalten. Danach erfolgt die Planung von gezielten Maßnahmen, um den Zustand des Patienten positiv zu verändern, wobei diese Behandlungsmaßnahmen meist Übungen bilden und die aktive Mitarbeit des Klienten bei den Therapiemaßnahmen erfordern. Alle Formen der Verhaltenstherapie wie Langzeittherapie, Kurzzeittherapie, Einzeltherapie oder Gruppenbehandlung beinhalten eine laufende Überprüfung des praktischen Vorgehens (Evaluation), wobei theoretische Erkenntnisse mit einbezogen werden. Zum einen sichert dies die Bewertung des Therapieverlaufes, zum anderen kann dadurch der Therapieplan an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden.

Zur Geschichte:

Historisch betrachtet hatten im Laufe der Entwicklung der Verhaltenstherapie die Arbeiten von I.P. Pawlow und J.B. Watson den bedeutendsten Einfluß. Ihre Art, gestörtes Verhalten anzugehen und die insgesamt wachsende Bedeutung der Lerntheorie innerhalb der Psychologie schufen ein günstiges Klima für die Entwicklung der Verhaltenstherapie. Der eigentliche Beginn der verhaltenstherapeutischen Orientierung datiert auf die fünfziger Jahre. In Südafrika experimentiert der Psychiater Joseph Wolpe mit Tieren und stellt fest, dass Angst neurotische Reaktionen verursacht. Dabei gründet er seine Schlußfolgerungen auf die Pawlowschen Prinzipien der Konditionierung und das Stimulus-Response Modell.

Siehe dazu im Detail Verhaltenstherapie – Was ist das?


1. Definition
Die Verhaltenstherapie ist eine therapeutische Richtung, die das auf experimentellem Wege gefundene Gesetz des Lernens anzuwenden versucht. Sie geht davon aus, dass „pathologische“ Störungen auf die gleiche Art gelernt werden wie „normales“ Verhalten. Die Therapie stellt ein „therapeutisches Lernen“ dar. Das häufig ein Verlernen oder Umlernen darstellt (vgl. Edelmann, 1978, S. 90).

2. Definition
„Im weitesten Sinne wird in der Verhaltenstherapie normabweichendes Verhalten, welchen das Individuum selbst und/oder eine soziale Umwelt als störend empfindet, durch vorgeplante Lernvorgänge verändert“ (Pielmaier, 1979, S. 14).

3. Definition
In der deutschen Literatur versteht man unter der Verhaltenstherapie ebenfalls die kontrollierte lernpsychologische Beeinflussung von Problemverhalten, verwendet den Begriff aber vorzugsweise für therapeutische Behandlungen in der sozialen Umwelt (Familie, Schule, Heime, Kindergarten) unter der Einbeziehung der Bezugsperson des Klienten (vgl. Bauer, 1979, S. 19).

4. Definition
Es existieren eine ganze Reihe verhaltenstherapeutische Verfahren, die alle auf gewisse Erfolge verweisen können. Dabei kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, dass die einzelnen Verfahren für verschiedene Formen gestörten Verhaltens verschieden gut geeignet sind. Günstiger wäre es jedoch, stattdessen den Möglichkeiten und Problemen einer „diagnosen-spezifischen“ und „fallspezifischen“ Behandlung mehr Aufmerksamkeit zu widmen (vgl. Blöschl, 1974, S. 54).

5. Definition
Anwendung experimentell begründeter Lernprinzipien mit dem Ziel, unangepaßtes Verhalten zu verändern. Unangepaßtes Verhalten werden abgeschwächt und ausgemerzt, angepasste Verhaltensweisen aufgebaut und verstärkt (vgl. Dorsch, 1994, S. 647).

Verwendete Literatur
Bauer, M. (1979). Verhaltensmodifikation durch Modelllernen. Stuttgart: Kohlhammer.
Blöschl, L. (1974). Grundlagen und Methoden der Verhaltenstherapie. Wien: Huber.
Dorsch, F. (1994). Psychologisches Wörterbuch. Wien: Huber.
Edelmann, W. (1993). Lernpsychologie. Weilheim: Psychologie-Verl.-Union.
Pielmaier, H. (1979). Verhaltenstherapie bei delinquenten Jugendlichen. Stuttgart: Enke.




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  1. 2 Responses to “Verhaltenstherapie”

  2. Schöner Übersicht zum Thema Verhaltenstherapie. Der Artikel war sehr interessant für mich.
    LG

    By r. meyer on Jun 24, 2010

  3. Ich habe kein psychologisches Hintergrundwissen, aber fand den Artikel übersichtlich und verständlich. Die Verhaltenstherapie scheint ein sehr interessanter Teilbereich der Psychologie zu sein.

    By nfon on Nov 18, 2010

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