Schwindel

Schwindel ist ein häufiges Phänomen und keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr ein Symptom, das verschiedenste Ursachen haben kann. Bei Schwindel handelt es sich um eine Scheinbewegung, d. h., es entsteht das Gefühl, dass sich die Umgebung beziehungsweise der eigene Körper dreht oder der Boden schwankt. Allerdings beruhen diese Bewegungen aber auf einer gestörten Wahrnehmung der Umgebung.
Das für das Gleichgewicht zuständige Organ befindet sich im Innenohr und besteht unter anderem aus drei flüssigkeitsgefüllten Bogengängen, die um 90 Grad versetzt zueinander stehen und in denen sich spezielle Sinneszellen befinden, die bei jeder Bewegung aktiviert werden und Informationen an das Gehirn liefern. Im Gehirn findet dann ein Abgleich mit Informationen der Augen, der Stellung von Gelenken und der Muskulatur statt, und es wird daraus die Position des Körpers im Raum berechnet. Passen diese Informationen nicht zueinander, entsteht Schwindel.
Die häufigste Schwindelform ist der Lagerungsschwindel, wobei etwa 10 bis 20 Prozent aller Menschen mindestens einmal in ihrem Leben eine solche Schwindelattacke haben. Der Lagerungsschwindel entsteht meist im hinteren Bogengang des Gleichgewichtsorgans, in dem  sich Kalziumkristalle (Otolithen) verirren, wenn beim Aufrichten vom Liegen ins Sitzen oder Stehen sich die Kristalle mit der Schwerkraft in der Flüssigkeit des Bogengangs bewegen und die Sinneshärchen reizen, sodass Drehschwindelattacken ausgelöst werden. In den meisten Fällen bildet sich der Lagerungsschwindel rasch von selbst zurück, wobei, wenn das nicht der Fall ist, Körper- und Kopflagerungsübungen helfen, die Otolithen aus den Bogengängen des Gleichgewichtsorgans wieder zu entfernen.
Der zentrale Schwindel wird durch Störungen im Gehirn selbst verursacht, etwa als Folge von Durchblutungsstörungen im Rahmen eines Schlaganfalls oder durch Tumore. Ein peripherer Schwindel liegt vor, wenn das Gleichgewichtsorgan wie beim Lagerungsschwindel) oder der Gleichgewichtsnerv geschädigt ist. Dabei muss unterschieden werden, ob nur ein Gleichgewichtsorgan geschädigt ist oder beide.
Ein beidseitiger Ausfall der Gleichgewichtsorgane kann zum Beispiel durch Nebenwirkungen von Medikamenten oder durch eine Hirnhautentzündung ausgelöst werden. Die typischen Symptome sind dann Schwindelattacken und Bilderwackeln, die vor allem bei körperlicher Bewegung auftreten.
Beim Morbus Menière, einer Erkrankung des Innenohrs, wird die Funktion des Gleichgewichtsorgans ebenfalls erheblich beeinträchtigt, wobei Schwindel und Übelkeit sehr plötzlich und meist in Verbindung mit Schwerhörigkeit, Ohrgeräuschen und Druck auf den Ohren auftreten.
Ein einseitiger Ausfall des Gleichgewichtsorgans ist in der Regel die Folge einer Entzündung des Gleichgewichtsnervs, wobei diese Entzündungen durch Herpesviren (Neuritis vestibularis) verursacht werden können. Auch bei dieser  tritt die Schwindelsymptomatik plötzlich auf, wobei der Schwindel sowohl als Dreh- als auch als Kippschwindel empfunden werden kann. Die davon Betroffenen neigen zu Stürzen und haben meist sichtbare Augenbewegungsstörungen (Nystagmus). Typischerweise nehmen die Beschwerden in den ersten Stunden rasch zu, bleiben einige Tage und bilden sich schließlich innerhalb von Tagen bis Wochen zurück. Die Besserung ist darauf zurückzuführen, dass das Gehirn lernt, den Ausfall eines Gleichgewichtsorgans zu kompensieren.
Schwindelbeschwerden können auch im Rahmen einer schlecht eingestellten Zuckerkrankheit (Polyneuropathie) auftreten, wobei die peripheren Nerven zunehmend geschädigt werden und sogar zugrunde gehen. Handelt es sich bei den geschädigten Nerven um motorische Nerven, so beeinträchtigt dies die Beweglichkeit der entsprechenden Muskelpartien. Handelt es sich um sensible Nerven, kommt es zu Missempfindungen, Taubheitsgefühlen und Gleichgewichtsstörungen.
Die Diagnosemöglichkeiten von Schwindel in Schwindelambulanzen sind vielfältig wie die möglichen Ursachen der Beschwerden, wobei eine genaue Beschreibung des Schwindelgefühls für die Behandlung wichtig ist, denn diese kann bereits Auskunft über die möglichen Ursachen geben. Im Rahmen der bildgebenden Diagnostik stehen mit der Computertomografie und der Magnetresonanztomografie zwei sehr zuverlässige Methoden zur Verfügung, um nötigenfalls strukturelle Veränderung als Ursache der Beschwerden zu erkennen oder auszuschließen.

Siehe auch Angstschwindel, psychosomatischer Schwindel, Vertigo.

Weitere Quellen
http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Schwindel-Die-Ursachen-sind-vielfaeltig,schwindel114.html(16-08-08)





Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:

You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2017