Ohnmacht

Eine Ohnmacht bzw. eine Synkope ist eine plötzlich einsetzende, kurz andauernde Bewusstlosigkeit, die mit einem Verlust der Haltungskontrolle einhergeht und ohne besondere Behandlung spontan wieder aufhört. Sie ist durch eine vorübergehende Minderdurchblutung des Gehirns charakterisiert. Eine Ohnmacht bzw. Synkope ist eine kurzfristige Bewusstlosigkeit, d. h., der betroffene Mensch ist im wahrsten Sinne des Wortes ohne Macht über seine Sinne. Manchmal bezeichnet man einen Ohnmachtsanfall auch als Kreislaufkollaps. Eine Ohnmacht kann wenige Sekunden bis rund fünfzehn Minuten dauern. Geht eine Ohnmacht darüber hinaus, handelt es sich bei dieser länger andauerndne Bewusstlosigkeit um ein Koma. Typische Vorboten einer Ohnmacht sind Schweißausbrüche, Schwindel, Sehstörungen, also Flimmern vor den Augen oder Schwarzwerden. Eine Ohnmacht kann unter Umständen verwechselt werden mit einer Bewusstseinsstörung neurologischer (Krampfanfall) oder psychogener Art sowie Stoffwechselentgleisungen (Unterzuckerung). Zu den anfallsartigen vorübergehende Bewusstseinsstörungen, die nicht durch eine zeitweise Minderdurchblutung des Gehirns hervorgerufen werden, gehören unter den neurologischen Ursachen epileptische Anfälle, Hirnblutungen oder akute Gefäßverschlüsse im Zentralnervensystem (Schlaganfall). Bei den psychischen Ursachen zählen hierzu Hyperventilation zum Beispiel im Rahmen von Panikattacken oder Konversionssymptome. Stoffwechselentgleisungen sind Unterzuckerungen oder Entgleisungen der Salzkonzentrationen im Blut sowie Vergiftungen. Auch einfache Stürze oder eine Kataplexie, die gar nicht mit einem Bewusstseinsverlust einhergehen, können als Synkopen fehlinterpretiert werden. Die verschiedenen Ursachen machen daher eine breite Diagnostik nötig und auch die Therapie richtet sich nach der Ursache.

Zu einer Ohnmacht kommt es in der Regel meist auf Grund einer vorübergehenden Durchblutungsstörung im Gehirn, d. h., es fehlt dann genügend Sauerstoff im Gehirn, ohne aber im Nachhinein sagen zu können, was diese Durchblutungsstörung ausgelöst hat. Man unterscheidet zwischen harmlosen und lebensbedrohlichen Ursachen, wobei die harmlosen Ursachen die häufigsten sind, etwa die orthostatische Synkope, die typischerweise entsteht, wenn ein Mensch zu schnell aus der sitzenden oder liegenden Position aufsteht, d. h., den Menschen wird schwarz vor Augen. Hier sinkt das Blut aus dem Kopf in die Beine ab, wobei der Auslöser dafür eine zu geringe Spannung in den Beingefäßen sowie zu niedriger Blutdruck sind. Auch Medikamente wie Antidepressiva oder blutdrucksenkende Mittel wie Betablocker können für eine Ohnmacht verantwortlich sein, da sie die Herzfrequenz manchmal zu stark reduzieren. In stark emotionalen Situation kann es zu einer vasovagalen Synkope kommen, wobei hier über das Gehirn im vegetativen Nervensystem ein Reflex ausgelöst wird, der über den Vagusnerv dafür sorgt, dass Blutgefäße plötzlich weitgestellt werden und die Herzfrequenz vermindert wird. Dabei sackt das Blut aus dem Gehirn nach unten, sodass es ist nicht mehr ausreichend durchblutet wird und der Betroffene verliert das Bewusstsein. Die kardiale Synkope ist besonders gefährlich, denn meist sind es plötzlich auftretende Herzrhythmusstörungen, die den Blutkreislauf beeinträchtigen, was bedeutet, das Herz bleibt ohne Vorwarnung stehen oder schlägt so schnell, dass das Blut nicht mehr zum Gehirn fließt. Dabei fällt der Mensch schlagartig um und nur dann, wenn das Herz von selbst wieder in den Rhythmus kommt, wacht der Mensch wieder auf. Sonst erleidet der Mensch den plötzlichen Herztod.

Wenn man bei einer Ohnmacht dabei ist, prüft man zunächst, ob der Betroffene tatsächlich bewusstlos ist. Klopfen Sie ihm dazu auf die Wangen und schütteln ihn an den Schultern. Ist er nur kurz ohnmächtig, wird er bals die Augen öffnen und antworten. Reagiert er nicht und man verspürt keine Atmung, ist von einem Herz-Kreislauf-Zusammenbruch auszugehen. Dann muss ganz schnell der Kreislauf wieder hergestellt werden. In diesem Fall sollte man den Notruf anrufen und sofort zur Wiederbelebung mit einer Herzdruckmassage beginnen: Dazu drückt man mit den Händen und bei gestreckten Armen etwa hundert Mal pro Minute kräftig auf die Mitte des Brustkorbs, fünf bis sechs Zentimeter tief ins Brustbein hinein.

Bei niedrigem Blutdruck hilft regelmäßige Bewegung, um die Venenmuskulatur und den Kreislauf zu stärken. Beim morgendlichen Aufstehen sollte man sich erst ganz langsam aufrichten, die Füße auf den Boden stellen, die Muskulatur anspannen, um die Muskelpumpe zu trainieren. Auch genügend Flüssigkeit, also mindestens zwei Liter pro Tag trinken, treibt den Blutdruck nach oben. Wenn man merkt, dass eine Ohnmacht naht, sollte man sich schnell hinlegen und die Beine hochlagern, denn so fließt das Blut aus den Beinen zum Herzen und Gehirn zurück und verbessert so den Blutdruck. Dabei bleibt man mindestens 10 bis 15 Minuten liegen, denn so lange dauert es, bis sich der ohnmachtsauslösende Reflex zurückbildet. Gibt es keine Liegemöglichkeit, hilft es, die Muskeln stark anzuspannen, dazu die Beine überkreuzen und gleichzeitig die Finger beider Hände miteinander verhakeln. dann kräftig die Arme auseinander ziehen und das Gesäß kräftig anspannen.

Quelle
Zusammenfassung eines Gespräches der Fachärzte Ulrich Fölsch (Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin) und Dietrich Andresen (Direktor der Klinik für Innere Medizin-Kardiologie, Vivantes-Klinikum Am Urban, Berlin) mit BILD.de vom 8. September 2013.




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