Epilepsie

Die Epilepsie – auch Fallsucht oder Krampfleiden – bezeichnet ein Krankheitsbild mit mindestens einem spontan auftretenden Krampfanfall, der nicht durch eine vorausgehende erkennbare Ursache etwa eine akute Entzündung, einen Stromschlag oder eine Vergiftung hervorgerufen wurde. Auch plötzlich einsetzende Verhaltensweisen, die in der jeweiligen Situation unangemessen sind, können Anzeichen für Epilepsien sein, d. h., manche Betroffene verdrehen die Augen, Rollen mit der Zunge, verharren in einer ungewöhnlichen Körperhaltung oder führen stereotype Bewegungsabläufe aus.

Wichtig: Für einen Beobachter eines Anfalls genügt es in der Regel, den Betroffenene während eines Anfalls vor Verletzungen zu schützen, etwa indem man ihn sanft festhält und seinen Kopf weich bettet. Ein epileptischer Anfall ist normalerweise nach rund drei Minuten wieder vorbei, doch bei einer Dauer von mehr als fünf Minuten sollte man einen Notarzt rufen, denn es kann sich um einen Status epilepticus handeln, der lebensbedrohlich sein kann, wenn er nicht behandelt wird. Auch wenn mehrere Anfälle kurz hintereinander auftreten oder der Betroffene länger als zwanzig Minuten nicht ganz bei sich ist, sollte man ärztliche Hilfe holen, denn diese können den Status epilepticus unterbrechen und so Folgeschäden vermeiden. Grundregel: Einen Betroffenen nie allein lassen, sondern solange in seiner Nähe bleiben, bis diese wieder klar und orientiert ist.

Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Missbildungen im Gehirn, genetischen Veränderungen, Gehirnverletzungen bis zu Tumoren, aber auch Schlaganfälle oder Hirnhautentzündungen können eine Ursache für die Ausbildung einer Epilepsien sein. Allerdings bezeichnet ein einzelner Krampfanfall nicht direkt eine Erkrankung, denn auch akuter Schlafmangel, Stoffwechselstörungen oder Alkoholentzug können zu epilepsieähnlichen Krampfanfällen führen, d. h., dass solche Gelegenheitsanfälle noch auf keine epileptische Erkrankung hindeuten. Von einer krankheitswertigen Epilepsie spricht man erst dann, wenn Anfälle wiederholt und nicht von außen provoziert auftreten. In der Regel erfolgt eine Behandlung dann, wenn mehr als zwei belastende Anfälle pro Jahr auftreten. Bleibt eine Epilepsie unerkannt und unbehandelt, können stärkere Anfälle mit Stürzen, Zuckungen und Krämpfen hinzukommen, die beim Autofahren oder beim Bedienen von Maschinen lebensgefährlich sein können. Zunächst unterscheidet man zwischen angeborenen und erworbenen Epilepsien, wobei bei den angeborenen Epilepsien die genetische Veranlagung die zentrale Rolle spielt, während erworbenen Epilepsien häufig Erkrankungen wie Hirntumore, Schädel-Hirn-Traumata, Gehirnschädigungen durch Virusinfektionen oder Stoffwechselerkrankungen vorausgehen. Für eine genaue Diagnose, ob es sich tatsächlich um einen epileptischen Anfall handelt, sind präzise Angaben zu den Symptomen erforderlich. Deuten diese Anzeichen auf einen epileptischen Anfall hin, wird man eine eine Elektroenzephalografie durchführen, wobei auch meist geprüft wird, wie das Gehirn auf bestimmte Reize wie Licht oder Hyperventilation reagiert. Um andere Krankheiten auszuschließen oder die Erkrankung weiter einzugrenzen, erfolgen in der Regel auch Blutuntersuchungen, EKG-Tests oder Magnetresonanztomographien.

Eine Epilepsie kann das Leben der Betroffenen schwer beeinträchtigen, denn die Erkrankung ist unberechenbar und schränkt  Menschen im Alltag extrem ein, stigmatisiert und führt oft auch früher zum Tod, denn Menschen, die an Epilepsie leiden, haben eine um das Dreifache erhöhte Sterberate als der Durchschnitt der Bevölkerung. Durch die typischen, plötzlich und unkontrolliert auftretenden Anfälle ist die Gefahr, sich zu verletzten, bei ihnen erheblich erhöht, viele Betroffene dürfen daher kein Auto fahren und können ihren Beruf nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr ausüben.

Spezifisches Merkmal der Epilepsie sind eine erhöhte Neigung zu epileptischen Anfällen, die sich in ihrer Dauer und Intensität deutlich unterscheiden können, und zwar von nahezu unbemerkten bis hin zu stundenlangen Anfällen, die sich als Muskelzucken oder gar in Form von Bewusstseinsverlusten mit heftigen Krampfanfällen äußern können. Epileptische Anfälle sind in ihrer Ausprägung daher äußerst vielfältig und haben unterschiedliche Erscheinungsformen, wobei neben den Grand Mal Anfällen, die mit Bewusstseinsverlust, Sturz und krampfenden Extremitäten einhergehen, noch verschiedene andere Ausprägungen dieser neurologischen Erkrankung existieren. Meist wird der gesamte Körper von dem Anfall erfasst, die Betroffenen gehen zuckend und mit versteiften Gliedern zu Boden, ihre Augen sind weit aufgerissen, was für den Beobachter zwar sehr dramatisch aussieht, aber fast immer von selbst wieder vorbeigeht. So dauert ein fokaler Anfall zwischen 40 Sekunden und einer Minute, ein Grand Mal bis zu zwei Minuten, wobei die Betroffenen danch meist benommen sind und etwa zwanzig Minuten benötigen, um wieder ganz zu sich zu kommen. Typisch ist es, dass sie an den Anfall selbst keinerlei Erinnerungen haben, und nur in extrem seltenen Fällen kommt es zu einem andauernden Anfall – Status epilepticus -, einem Notfall, der sofort behandelt werden muss.

Ganz anders ist das Geschehen bei der als Absence bekannten Anfallsform, die von Außenstehenden oftmals gar nicht erkannt wird, die zu den kleinen Anfällen – Petit mal Anfälle – zählt. Absencen sind dabei durch Bewusstseinspausen mit abruptem Anfang und Ende charakterisiert, in denen die oder der Betreffende nicht ansprechbar ist, sich aber sonst ruhig und unauffällig verhält. Dabei kommt es zu einem plötzlichen Abbruch von Denken und physischen Funktionen. Tritt eine Absence etwa beim Sprechen oder Essen auf, kommt diese Tätigkeit kurzfristig zum Stillstand, wobei eine Absence im Allgemeinen zwischen 5‐20 Sekunden dauert. Ist der epileptische Anfall vorüber, kehrt das Gehirn wieder zu seiner ursprünglichen Funktionsweise zurück. Ein anderes Krankheitsbild geht mit psychischen Symptomen wie einem plötzlichen Glücksgefühl, einem Wutausbruch, Angst, Ärger oder auch einem Déjà vu Erlebnis  einher. Möglich sind auch Anfälle, die nur vom Betreffenden selbst bemerkt werden, wobei diese als Aura erlebt werden und mit einem aufsteigendem Gefühl aus dem Bauchraum einhergehen, sowie von Geruchs‐, Geschmacks‐ und akustischen Missempfindungen begleitet werden.

Die Grundprinzipien der Entstehung, des Verlaufs und des Abklingens eines fokalen Anfalls sind relativ einfach und invariant, und zwar unabhängig von Hirnregion und Spezies. Epileptische Anfälle sind physiologisch betrachtet eine der primitivsten Formen von Aktivität, die ein Gehirn produzieren kann, d. h., Epilepsien sind letztlich nichts Außergewöhnliches oder gar Mystisches. Auf neurologischer Ebene ist ein solcher epileptischer Krampfanfall eine Folge anfallsartiger synchroner Entladungen von Neuronengruppen im Gehirn, die zu plötzlichen unwillkürlichen stereotypen Verhaltens- oder Befindensstörungen führen.

Zum Auftreten epileptischer Anfälle tragen zum einen eine Übererregbarkeit von Nervenzellen, zum anderen eine abnorme gleichzeitige elektrische Aktivität von größeren Nervenzellverbänden bei. So nimmt man an, dass ein Ungleichgewicht von Erregung und Hemmung in diesen neuronalen Netzen Krampfanfälle entstehen lässt. Die Hypothese, dass zuviele nervöse Aktivitäten im  Gleichtakt zu einer Überreaktion der Nervenzellen führen, wird derzeit (Fukunaga et al., 2014) intensiv erforscht. Derzeit weiß man weder wie oder wo diese Rhythmen entstehen, noch was genau diese bewirken. Fehler in diesem System haben jedoch gravierende Folgen, denn bei Epilepsie synchronisieren sich Hirnareale ohne ersichtlichen Grund, sodass es zu den typischen Krampfanfällen kommt. Epileptische Anfälle sind demnach die Folge eines Ungleichgewichts zwischen dem erregenden Botenstoff Glutamat und dem wichtigsten hemmenden Nerven-Botenstoff Gamma-Aminobuttersäure (GABA) besteht. Dieses Ungeichgewicht kann sich sowohl auf Neuronen einzelner Hirnrindenareale als auch auf die Hirnrinde als Ganzes auswirken.

Dafür, dass es dann tatsächlich zum Anfall kommt, gibt es mitunter bestimmte Auslöser – Trigger -, die sich von Fall zu Fall unterscheiden können, wobei etwa Schlafmangel und Stress einen Anfall begünstigen können. Die meisten epileptischen Anfälle enden nach wenigen Minuten von selbst und die Betroffenen erholen sich auch ohne therapeutische Maßnahmen. Nach Ansicht von Experten gibt es nur eine limitierte Anzahl an Möglichkeiten, durch die das Gehirn in einen Anfall hinein und aus einem Anfall wieder heraus kommen kann. Anfallsaktivität kann auch in jedem gesunden Gehirn ohne Epilepsie ausgelöst werden, etwa durch einen Elektroschock oder eine Schädelverletzung, d. h., Anfälle existieren in einer latenten Form als Muster in allen menschlichen Gehirnen, sind also in jedem gesunden Gehirn kodiert und folgen im Ablauf vermutlich genetisch definierten Regeln, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Anfalls unter normalen Umständen gering.

Fotosensible Epilepsie

1997 mussten in Japan Menschen mit epileptischen Anfällen ins Krankenhaus eingeliefert werden, nachdem sie eine Folge der Serie „Pokemon“ gesehen hatten, 2012 wurde ein Video für die Olympischen Spiele von der offiziellen Website entfernt, da es epileptische Anfälle bei Zuschauern auslöste. Es leiden nach Schätzungen etwa zwischen 0,3 bis 3 Prozent der Bevölkerung an fotosensibler Epilepsie, wobei besonders Jugendliche und unter diesen vor allem Mädchen betroffen sind, allerdings verschwinden diese Anfälle im Erwachsenenalter meist wieder. Seit dieser Zeit weiß man also, dass bestimmte flackernde Bilder in natürlicher Umgebung etwa beim Fernsehen oder Computerspielen Wirkungen auf Menschen mit fotosensibler Epilepsie haben, doch in einem Drittel der Fälle sind es auch unbewegte Bilder, die einen Anfall auslösen können. Hermes et al. (2017) haben entdeckt, dass Gamma-Wellen (Muster in der Gehirnaktivität im Frequenzbereich von über 30 Hertz) etwa dann auftreten, wenn empfindsame Menschen ein Bild mit breiten schwarzen und weißen Balken anschauen, wie sie etwa bei optischen Täuschungen zu finden sind, beim Blick auf Naturszenen oder weich gezeichnete Objekte treten diese Effekte hingegen nicht auftreten. Auch lassen sich Gamma-Wellen offenbar reduzieren, wenn die Kontraste gemildert werden, die Breite der Balken reduziert wird, das Muster vom Gitter zum Karo übergeht. Für Betroffene gilt es daher solche visuellen Muster zu vermeiden, da diese einen Kreislauf in Gang setzen, der übrigens auch bei gesunden Menschen Unbehagen, Migräne oder Anfälle auslösen kann.

Epilepsie und Ekstase

Bei Menschen mit eng umgrenzten epileptischen, ekstatischen Anfällen, die sich nachweislich auf die vordere Inselrinde auswirken, verstärkt sich das bewusste Erleben während der ekstatischen Auren. Diese Momente stellen dann nichts anderes als eine außergewöhnliche Intensivierung des Bewusstseins seiner selbst dar, eine in höchstem Maße unmittelbaren Empfindung seiner selbst. Während eines Anfalls sind Ich- und Körperpräsenz intensiver, wobei sich ekstatische Glücksgefühle mit spirituellem Anklang ausbreiten. Zudem gerät aber das Zeitgefühl durcheinander, denn die Betroffenen berichten von Déjà-vus und schwer zu beschreibenden Anomalien der Empfindung von Raum und Zeit. Solche Erlebnisse dauern einige Sekunden bis Minuten, führen dann zur Auflösung des Zeit- und Raumgefühls und münden schließlich in Bewusstlosigkeit. Eine solche ekstatisch-epileptische Episode geht mit ungewöhnlich starker Gehirnaktivität der vorderen Inselrinde einher, die zunächst ein intensiveres Selbst- und Körperbewusstsein hervorruft, bis ab einem bestimmten Grad der neuronalen Aktivierung schließlich die Wahrnehmung von Ich und Zeit zusammenbricht (Wittmann, 2014).

Im alten Irland wurde Epilepsie übrigens auch als Saint Paul’s disease – Krankheit des heiligen Paulus – bezeichnet, wobei dem Damaskus-Erlebnis von Paulus, bei dem ihm laut Bibel Christus erschienen ist (Apostelgeschichte 9, 3–9), ein epileptischer Anfall zugrunde liegen soll.

Verbreitung der Epilepsie

Mehr als 50 Millionen Menschen weltweit haben eine Epilepsie, ein Drittel davon sind Kinder. Die häufigsten Epilepsieformen bei Kindern sind idiopathische fokale Epilepsien, die ohne erkennbare Ursache auftreten und nur bestimmte Gehirnregionen betreffen. Etwa 10 Prozent aller Menschen weisen jedoch eine erhöhte Krampfbereitschaft auf, die sich teilweise im EEG nachweisen lässt, wobei 4–5 % aller Menschen einmal oder einige Male in ihrem Leben unter besonderen Umständen einen epileptischen Anfal erleiden, der sich in der Regel aber nicht wiederholt. Eine aktive krankheitswertige Epilepsie haben etwa 0,5–1 % der Bevölkerung. Epilepsie wirkt häufig stigmatisierend, da Anfälle ohne Warnung und mit angsteinflößenden und unangenehmen Symptomen einhergehen. Die Mechanismen, die zu Anfällen führen, sind noch nicht restlos aufgeklärt und die Heilungschancen haben sich in den letzten fünfzig Jahren nicht wesentlich verbessert. Wichtig ist, dass derartige Anfälle umfassend von einem Neurologen abgeklärt werden, insbesondere, wenn sie häufiger auftreten. Ob eine Therapie notwendig ist und wie lange diese fortgeführt werden muss, ist eine individuelle Entscheidung, die gemeinsam mit dem Arzt getroffen wird. Durch eine medikamentöse Behandlung mit Antiepileptika, Medikamenten die vor epileptischen Anfällen schützen, werden etwa drei Viertel aller von Epilepsie Betroffenen anfallsfrei.

Nach einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung schätzt man, dass bei bis zu 25 Prozent der Patienten mit Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen fälschlicherweise Epilepsie diagnostiziert wird. Der Grund dafür sei in der Regel eine falsche Interpretation der Hirnströme. Müller & Reuner  (2014) bestätigen die Einschätzung der Fachgesellschaft und verweisen auf Studien, die noch höhere Fehlerquoten ausmachen. Demnach könnten in bestimmten Zuweisungszentren sogar 30 bis 35 Prozent der Epilepsie-Diagnosen falsch sein. Eine Ursache der vielen Fehldiagnosen liegen in den mangelhaften Kenntnissen der Elektroenzephalographie-Veränderungen und der ungenügenden Erfahrung mit EEG-Auswertungen.

Die Fortschritte in der Genomanalyse haben eine genauere Suche nach den gene­tischen Ursachen von epileptischen Erkrankungen ermöglicht, wobei neuere Studien zum Schluss kommen, dass spezielle Mutationen für den Rezeptor des Neuro­transmitters NMDA im Gehirn Epilepsien auslösen können. So spielen Funktionsstörungen von Ionenkanälen generell eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Epilepsien. Man untersuchte Menschen mit idiopathischer fokaler Epilepsie, wobei sich bei 7,5 Prozent der Erkrankten Veränderungen des Gens GRIN2A nachweisen ließen. Diese Veränderungen führen zu Störungen der Funktion eines wichtigen Ionenkanals im Gehirn, der die elektrische Erregbarkeit von Nervenzellen beeinflusst und somit vermehrte elektrische Entladungen im Gehirn und damit das Auftreten epileptischer Anfälle erklären könnte (vgl. Lemke et al., 2013). In einer neueren Studie untersuchte man die Erbinformationen von 356 Kindern, die an Epilepsien erkrankt waren, und vergliche deren Erbinformationen mit denen der Eltern, wobei man dabei de-novo-Mutationen als Ursache für die Epilepsien ausmachte.

Medikamente können die Erkrankung nicht heilen, sie können jedoch dazu beitragen, die Häufigkeit von epileptischen Anfällen zu reduzieren, wobei diese Medikamente häufig starke Nebenwirkungen haben. Daher werden immer häufiger auch spezielle Diäten, cranielle Stimulationsverfahren und Operationen zur Therapie eingesetzt.

Bessere Lokalisation bei neurochirurgischer Behandlung

Bekanntlich ist bei Epilepsie schon die Diagnose oft schwierig, da epileptische Anfälle von den Betroffenen oft nicht bemerkt oder als solche erkannt werden. Bei einer Operation muss dabei die Region des Gehirns, in der die Anfälle entstehen, punktgenau bestimmt werden, damit Neurochirurgen das betreffende Gehirngewebe entfernen können, ohne wichtige Funktionen wie die Sprache, das Gedächtnis oder die Motorik der Betroffenen zu schädigen. Allerdings sind bei Menschen mit Epilepsie die normalen Funktionsbereiche individuell sehr verschieden angelegt und die als typisch geltenden Regionen des Gehirns haben sich bei ihnen oft verschoben. Bei manchen Betroffenen gelingt mit dem Oberflächen-EEG allein keine ausreichende Lokalisation der Anfallsursprungszone, sodass in einer Gehirnoperation intrakranielle Tiefenelektroden oder subdurale Elektroden implantiert werden müssen, die eine direkte und somit wesentlich genauere Messung der EEG-Signale von der Hirnoberfläche bzw. aus dem Gehirngewebe ermöglichen. Mit diesen Elektroden als elektronische Biomarker können die epileptischen Entladungen während eines Anfalls genauer registriert werden, und mithilfe kleiner Stromimpulse können auch wichtige Hirnfunktionen wie Motorik und Sprache exakt lokalisiert werden, sodass der neurochirurgische Eingriff präzise verortet werden kann. Da dabei zumeist über hundert intrakranielle Elektrodenkontakte implantiert werden müssen, sind die abgeleiteten EEG-Signale allerdings si komplex, dass für die Analyse mathematischen Modelle (Granger-Kausalität) angewendet werden müssen, um genau festzustellen, an welchen Elektroden der Anfall beginnt und wohin er sich fortsetzt, damit Ursache und Wirkung in zeitlicher Abfolge erkannt werden können. Mit einem solchen statistischen Modell können bessere Hypothesen darüber gebildet werden, wo die Anfälle entstehen, und somit die Erfolgschancen bei der Operation erhöht werden.

Epilepsie bei Hunden

Übrigens leiden auch etwa fünf Prozent aller Hunde an Epilepsie, wobei in Internet-Foren rund um den Hund über den Zusammenhang zwischen Impfungen und Krankheitsfällen spekuliert wird. Allerdings sind die Krankheitsfälle meist genetisch bedingt, denn Studien haben ergeben, dass sich die Krankheitshäufigkeit bei der Gesamthundepopulation seit Jahren nicht geändert hat, doch es gibt Rassen, bei denen Epilepsie besonders häufig auftritt wie Deutscher Schäferhund, Beagle, Golden Retriever, Berner Sennenhund, Boxer, Border Collie und Australian Sheperd. Auch bei Hunden ist Epilepsie meist unheilbar, doch mit Medikamenten können die Anfälle abgeschwächt und unterdrückt werden: Phenobarbital, Kaliumbromid und Imepitoin sind die aktuellen Mittel gegen Epilepsie bei Hunden, wobei betroffene Hunde individuell vom Tierarzt eingestellt werden müssen, was drei bis sechs Monate dauern kann. Dabei sind regelmäßige Blutuntersuchungen notwendig, um zu überprüfen, ob der Gehalt des verwendeten Medikamentes im Blut ausreichend ist. 20 bis 40 Prozent der epileptischen Hunde sind allerdings therapieresistent. Es gibt zwar einzelne Berichte, dass Hunde auf homöopathische Mittel ansprechen, doch dies beruht auf dem Placebo-Effekt. Hunde, die auf die medikamentöse Therapie ansprechen, haben die gleiche Lebenserwartung wie gesunde Hunde.

Quellen & Literatur

http://de.wikipedia.org/wiki/Epilepsie (12-02-21)
Fukunaga, I., Herb, J., Kollo, M., Boyden, E.S., & Schaefer A.T. (2014). Independent control of gamma and theta activity by distinct interneuron networks in the olfactory bulb. Nature Neuroscience, 17, 1208-1216.
Hermes, D., Kasteleijn-Nolst Trenité, D. G. A. & Winawer, J. (2017). Gamma oscillations and photosensitive epilepsy. Current Biology, 27,  336–338.
Lemke, J. R., et al. (2013). Mutations in GRIN2A cause idiopathic focal epilepsy with rolandic spikes. Nature Genetics, Online: doi: 10.1038/ng.2728.
Müller, D. & Reuner, U. (2014). Epilepsie-Fehldiagnosen: Probleme der EEG-Auswertung und Anfallsdifferenzialdiagnostik. Aktuelle Neurololgie, 41, 386–391.
Wittmann, M. (2014). Wie entsteht unser Gefühl für die Zeit?
WWW: http://www.spektrum.de/news/wie-entsteht-unser-gefuehl-fuer-die-zeit/1309744 (14-09-29)
http://www.merkur.de/leben/tiere/gewitter-im-gehirn-epilepsie-beim-hund-zr-5010524.html (15-05-22)
Die Presse vom 29. Oktober 2016.





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