Phobie

 

Phobien sind eine Form der Angstneurose, wobei sich die Angst auf etwas Konkretes bezieht, z.B. auf Bedrohungserlebnisse, bestimmte Objekte oder Situationen. Ein allen Phobien gemeinsames Element ist der Kontrollverlust, denn die Handlungsebene der Betroffenen gehorcht nicht mehr ihrem Verstand, die Wahrnehmung der Realität entzieht sich ebenso der Ratio wie die Handlungsebene.

Nicht alle Phobien haben erkennbare Ursachen, d. h., offensichtliche Erklärungen für Phobien sind nicht immer möglich, denn manchmal trägt jemand lange Konflikte mit sich herum, die dann im Sinne einer Verschiebung ihren Ausdruck finden, indem sie auf ein Objekt externalisiert werden, und diesem Objekt wird ab diesem Zeitpunkt diese Angst zugeschrieben. Dadurch hat man die Kontrolle und kann sich die Angst wortwörtlich vom Leibe halten, wobei im Zusammenhang mit Phobien zwei Arten von Angst zu unterscheiden sind: alte Ängste und aktuelle Ängste. Oft legen überängstliche Eltern den Grundstein dafür, sodass ein Kind ein Angstmodell von seinen Eltern lernt, denn ein Kind, das immerzu hört ‚Pass auf, sei vorsichtig‘ oder ‚Du darfst das nicht, denn es könnte etwas passieren‘, lernt mit der Zeit, auch tatsächlich in vielen Situationen Angst zu entwickeln, auch wenn es eher harmlose Situationen sind. Aktuelle Ängste treten auch später im Leben auf, wobei die Ursache belastende Lebensabschnitte oder traumatische Erlebnisse sein können.

Für die Entstehung von Phobien gibt es daher oft keine eindeutige Erklärung, denn die Auslöser können äußerst vielfältig sein. Einerseits kann ein traumatisches Erlebnis, das direkt mit dem Objekt der Angst zusammenhing, die Phobie auslösen, doch häufiger ist eine Verschiebung, bei der die Angst vor etwas Bestimmtem auf ein anderes Objekt projiziert wird. Ein Kind hat etwa Angst davor, von der Mutter verlassen zu werden und entwickelt eine Furcht vor der Dunkelheit, da diese mit dieser Trennung verbunden wird. Auch als Erwachsener kann man sich dann noch immer vor der Dunkelheit fürchten, denn die oder der Betroffene hat die ursprüngliche Angst tief im Unterbewusstsein vergraben.

Wie neuere Studien zeigen, ändern Angstzustände sogar die räumliche Wahrnehmung. Menschen haben in der Regel einen gut entwickelten Sinn dafür, etwa wie schnell Objekte auf sie zukommen. Je mehr Angst im Spiel ist, umso mehr verschätzen sich Menschen mit der Distanz und Geschwindigkeit, wie schnell oder langsam etwas auf sie zukommt. Das ist evolutionsgeschichtlich natürlich sinnvoll ist, denn z. B. bei Tieren, die gefährlich sein könnten, ist es besser eine halbe Sekunde zu früh zu flüchten als eine halbe Sekunde zu spät. Daher gibt es bei Phobien beinahe immer eine deutliche Wahrnehmungsverzerrung, die aus der Sicht der Betroffenen durchaus Sinn macht. Bekanntlich nehmen Menschen nur einen Bruchteil der Sinneseindrücke aus der Umwelt bewusst wahr, denn das Gehirn filtert evolutionsbedingt vor allem jene Reize heraus, die für das Überleben wichtig sind, vor allem Reize, die Gefahr signalisieren. Dieses System gilt in besonderem Maße für Menschen mit Phobien, sei es mit einer Angst vor engen Räumen, vor dem Autofahren oder vor Tieren wie großen Hunden oder Spinnen. Sie reagieren heftiger auf phobierelevante Reize als Menschen ohne diese Ängste, denn Menschen mit Spinnenphobie berichten häufig, dass sie die Tiere größer, beeindruckender und bedrohlicher wahrnehmen. In einer Studie wurde gezeigt, dass Menschen mit Phobien ihre Umgebung tatsächlich anders sehen als andere Menschen, wobei die Angaben der Phobiker weder Übertreibungen noch Einbildung sind, denn alles deutet darauf hin, dass individuelle Unterschiede zwischen den Menschen deren Wahnehmung beeinflussen, wie sie die Umwelt wahrnehmen, wobei vermutlich letztlich die erlernte emotionale Bedeutung der Angstauslöser für die Betroffenen entscheiden ist.

Siehe dazu Phobien… damit man weiß, wovor man sich überhaupt fürchten kann 😉

Siehe dazu auch den Artikel zur Angsterkrankung.

Literatur & Quellen

https://www2.uni-mannheim.de/1/presse_uni_medien/pressemitteilungen/2014/Januar/Wir%20sehen,%20was%20wir%20f%C3%BCrchten/ (14-09-09)



Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:


  1. One Response to “Phobie”

  2. küüüüüüüüüüüüüüüürzer!!!!

    By kai on Jan 11, 2013

You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2017