Heilpädagogik

Heilpädagogik ist seit der Einführung des Begriffs im 19. Jahrhundert durch Georgens und Deinhardt verbunden mit dem Anliegen der gemeinsamen Bildung trotz vorliegender Beeinträchtigungen, und setzt die Wertschätzung menschlicher Vielfalt voraus, ungeachtet von Behinderungen, sozialen und kulturellen Benachteiligungen sowie von Norm abweichenden Begabungsstrukturen. Die Aufgabe der Heilpädagogik ist es somit, Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten bzw. Verhaltensstörungen oder mit geistigen, körperlichen und sprachlichen Beeinträchtigungen sowie deren Umfeld durch den Einsatz entsprechender pädagogisch-therapeutischer Angebote zu helfen. Die Betreuten sollen dadurch lernen, Beziehungen aufzunehmen und eigenverantwortlich zu handeln, Aufgaben zu übernehmen und daraus Sinn und Wert erfahren. Heilpädagogisches Handeln ist demnach immer dann notwendig, wenn die natürliche Erziehung zu versagen droht oder bereits versagt hat, greift also dann ein, wenn bestimmte Fähigkeiten eines Kindes nicht altersgerecht entwickelt sind.

Diese Fähigkeiten umfassen dabei den motorischen, sozialen, emotionalen und kognitiven Bereich, sodass ein zentraler Grundgedanke der Heilpädagogik dabei die Ganzheitlichkeit ist, was bedeutet, dass nicht allein die Behinderung oder die erschwerte Bedingungen und deren Behebung im Mittelpunkt der Arbeit von Heilpädagoginnen stehen, denn aus dem heilpädagogischen Blickwinkel ist der ganze Mensch mit seinen Fähigkeiten, Problemen und Ressourcen, sowie seinem sozialen Umfeld bei der Bearbeitung und Lösung von Problemen zu betrachten und mit einzubeziehen. Heilpädagogen diagnostizieren zunächst eventuell vorliegende Probleme und Störungen, aber auch Ressourcen und Fähigkeiten der zu betreuenden Menschen, und erstellen individuelle Behandlungspläne.

Heilpädagogik zielt häufig auf die Initiierung von Bildungsprozessen in heterogenen Gruppen im Rahmen von Bildungsinstitutionen wie auf eine möglichst vollständige gesellschaftliche Teilhabe der betroffenen Menschen und Gruppen. Forschungen, die der Partizipation von Menschen mit Behinderungen, Lernstörungen und Benachteiligungen an allen gesellschaftlichen Lebensbereichen dienen, stellen daher eine wichtige Zielsetzung wissenschaftlichen Heilpädagogik dar. Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Grundlagenforschung zur inklusiven Pädagogik sowie der beruflichen und gesellschaftlichen Partizipation angesichts von Behinderungen, Lernbeeinträchtigungen und sozialen Benachteiligungen. Studiengänge zur Heilpädagogik sind meist eine Weiterbildung in einem pädagogisch-therapeutischen Arbeitsbereich mit wissenschaftlichem Charakter, wobei Heilpädagogik auch berufsbegleitend angeboten wird, um die Theorie direkt in der Praxis zu erproben. Themen im Studium sind Leitmotive und –prinzipien in der Arbeitswelt, Wohnbetreuung, Freizeitgestaltung und die gesellschaftlichen Stellung hilfsbedürftiger Menschen.

Der Begriff Heilpädagogik wurde in schulischen Kontexten in Deutschland vom Begriff Sonderpädagogik abgelöst und wurde überwiegend für außerschulische Handlungsfelder verwendet, wobei in Österreich und der Schweiz hat sich der Begriff zur Bezeichnung einer Pädagogik bei erschwerten Entwicklungsprozessen beibehalten wurde.

Quellen und Literatur
Bundesagentur für Arbeit: Heilpädagoge/Heilpädagogin
http://de.wikipedia.org/wiki/Heilp%C3%A4dagogik (11-12-12)





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