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Arbeitssucht


Der Terminus “Arbeitssucht” findet sich nicht in den einschlägigen Manualen (z. B. ICD-10 und DSM-VI), sodass Symptome und Konsequenzen, die aus Arbeitssucht resultieren, nicht als solche erkannt und behandelt werden. Unter Arbeitssucht ist eine Symptomatik zu verstehen, die primär durch folgende Kriterien kenngezeichnet ist:

  • Verfall an das Arbeitsverhalten (die Zentrierung des gesamten Vorstellungs- und Denkraumes auf die Arbeit)
  • Kontrollverlust (die Unfähigkeit, Umfang und Dauer des Arbeitsverhaltens zu bestimmen)
  • Abstinenzunfähigkeit (es wird subjektiv als unmöglich erlebt, kürzere oder längere Zeit nicht zu arbeiten)
  • Auftreten von Entzugserscheinungen bei gewolltem oder erzwungenem Nicht-Arbeiten (bis hin zu vegetativen Symptomen)
  • Toleranzentwicklung (zur Erreichung angestrebter Gefühlslagen/Bewusst-seinszustände muss immer mehr gearbeitet werden)Auftreten psychosozialer und/oder psychoreaktiver Störungen.

Engagierte und hochmotivierte Arbeitnehmer, die gerne eine Extraschicht einlegen, gelten zunächst als Gewinn für Unternehmen, doch ein übermäßiges Arbeitsengagement hat auf Dauer auch Nachteile, und zwar nicht nur für die Betroffenen und ihre Familien, sondern auch für das Arbeitsumfeld. Viele gehen davon aus, dass sich Arbeitssucht an der Zahl der Arbeitsstunden erkennen lässt, doch nicht alle Menschen, die intensiv und viel arbeiten, sind arbeitssüchtig. Eine hohe Zahl an Überstunden kann auch auf konkrete Ziele ausgerichtet sein, zetwa um die nächste Stufe der Karriereleiter zu erreichen oder das Eigenheim abzubezahlen. Sind diese Ziele erreicht, pendelt sich die Intensität und Zahl der Arbeitsstunden von alleine auf das ursprüngliche Niveau ein, ohne dass Vielarbeiter etwas vermissen. Bei Arbeitssüchtigen ist die Leidenschaft für ihre Arbeit unabhängig von konkreten Zielen, d. h., sie geben immer alles und hängen sich bei allen Projekten und Aufgaben mit Haut und Haar hinein. Das Arbeiten wird zum Selbstzweck und zur hauptsächlichen oder einzigen Quelle von Selbstbestätigung und Sinnhaftigkeit. Mittel- und langfristig führt ein solches Verhalten zu Problemen, die Arbeitsmotivation sinkt, die Zahl der Fehler steigt und das berufliche und private Umfeld leidet. Arbeitssüchtige können schlecht delegieren und sind keine guten Teamplayer. Auf Dauer leidet die Gesundheit unter dem dauerhaften Arbeiten auf Hochtouren: Herz-Kreislauf-Probleme und psychosomatische Krankheiten sind vorprogrammiert. Oft sind sich Vorgesetzte, Personalverantwortliche und potenziell Betroffene unsicher, wo die Grenze zwischen Engagement und Arbeitssucht liegt.

Die Wurzeln der Arbeitssucht liegen häufig in der Kindheit, denn schon in der Schule haben viele Kinder auch bei guten Leistungen das Gefühl, noch mehr leisten zu müssen. In der Folge verstärkt sich der Druck, denn auch wenn man bei der Ausbildung oder Arbeit später objektiv betrachtet gute Leistungen erbringt, ist man nie wirklich mit sich zufrieden und will immer mehr leisten. In der Leistungsgesellschaft sind viele Menschen gefährdet, eine  Fixierung auf Arbeit und Beruf zu entwickeln, sodass deren Leben nur noch aus der Arbeit und wenigen absolut notwendigen Phasen für Schlaf, Essen und Haushalt besteht. Die Gedanken an den Beruf lassen diese Menschen auch in der Freizeit nicht los und sie fühlen sich an Wochenenden, an Feiertagen oder sogar im Urlaub nur selten wohl, denn sie brauchen ständig das Gefühl, etwas leisten zu müssen. Die Folgen sind häufig körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, ein Reizmagen und Schlafprobleme. Der erste Schritt aus der Arbeitssucht ist, sich diese Fixierung einzugestehen, wobei man im sozialen Umfeld Unterstützung benötigt. Um eine innere Distanz zur Arbeit zu schaffen, nehmen an Arbeitssucht erkrankte ArbeitnehmerInnen am besten einen längeren Urlaub, um zu lernen, dass private Angelegenheiten genauso wichtig sind wie berufliche. Zusätzlich sollte eine Freizeitbeschäftigung gesucht werden, diese krankmachende Fixierung zu überwinden, etwa das regelmäßige Training in einem Sportverein, denn so lernen die Arbeitssüchtigen, dass man auch außerhalb des Berufs Erfolge haben kann.

Siehe dazu im Detail Workaholic – die Sucht nach Arbeit.

Literatur

Poppelreuter, S. & Mierke, K. (2018). Psychische Belastungen in der Arbeitswelt 4.0: Entstehung – Vorbeugung – Maßnahmen. Erich Schmidt Verlag.
Rademacher, U. (2017). Arbeitssucht. Workaholismus erkennen und verhindern. Wiesbaden: Springer.


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