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Gerechte-Welt-Glaube


Der Gerechte-Welt-Glaube – just-world phenomenon – beschreibt die Tendenz von Menschen, die glauben, dass die Welt gerecht ist und dass Menschen deshalb bekommen, was sie verdienen, bzw. verdienen, was sie bekommen.

Der Gerechte-Welt-Glaube ist somit ein wichtiger Indikator für das Gerechtigkeitsmotiv, denn dieser Gerechte-Welt-Glaube kann zu Handlungen führen, die auf die Wiederherstellung bzw. Aufrechterhaltung von Gerechtigkeit ausgerichtet sind, aber er beeinflusst auch die Bewertung von Mitmenschen und Erlebnissen, und wirkt sich dadurch auf das soziale Zusammenleben aus, beeinflusst dabei die Beurteilung der eigenen Person und das Vertrauen, das ein Mensch zu sich selber hat. Für den Einzelnen hat er dabei eine positive, stabilisierende und auch gesundheitsfördernde Funktion, während er für soziale Prozesse, insbesondere die Bewertung anderer Menschen, auch negative Konsequenzen haben kann, etwa dann, wenn Menschen sich außer Stande sehen, Gerechtigkeit nicht aktiv durch eigenes Handeln wiederherstellen zu können. Dann greifen Menschen zu Rationalisierungen und Umdeutungen der Realität bzw. zur Ausgrenzung anderer, wenn diese nicht in das eigene Weltbild passen. Menschen passen dann häufig ihre Wahrnehmung an, damit diese mit ihrem Weltbild wieder übereinstimmt.

Sozialpsychologische Experimente zeigen, dass Menschen im Sinne gemeinsamer Vorteile vorausschauend handeln können, indem sie kurzfristige Eigeninteressen zurückstellen. Menschen haben dabei im Unterschied zu anderen Primaten offenbar eine besondere Neigung dazu, sich fair und kooperativ zu verhalten, sodass man Gesellschaften mit relativ egalitären Verhältnissen als ein Erfolgsmodell der menschlichen Evolution betrachten kann. Studien bestätigen auch, dass der innere Zusammenhalt und die wirtschaftliche Produktivität von Gesellschaften zunehmen, wenn sie die soziale Ungleichheit relativ gering halten und Teilhaberechte großzügig einräumen. Allerdings zeigt sich auch, dass egalitäre Verhältnisse meist nur dann Bestand haben, solange ein bestimmter Druck von außen den inneren Zusammenhalt besonders notwendig macht. So geht etwa der Sozialausbau in den westlichen Demokratien im Anschluss an die beiden Weltkriege vor allem auf den Druck durch die Blockkonfrontation zwischen West und Ost zurück, d. h., in Perioden ohne eine permanente äußere Bedrohung haben Gesellschaften die starke Tendenz, eine größere Ungleichheit auszubilden.

Literatur

Dalbert, C. (2009). Belief in a just world. In M. R. Leary & R. H. Hoyle (Eds.), Handbook of Individual Differences in Social Behavior (pp. 288-297). New York: Guilford Publications.
Lerner, M. J. (1998). The two forms of belief in a just world: Some thoughts on why and how people care about justice. In L. Montada & M. J. Lerner (Eds.), Responses to victimizations and Belief in a Just World (pp. 247-269). New York: Plenum.
Pauen, M. (2019). Macht und soziale Intelligenz. Warum moderne Gesellschaften zu scheitern drohen. Frankfurt: S. Fischer.


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