Gedächtnis

Das größte Denkmal ist das Gedächtnis.
Perikles

Das gute Gedächtnis ist wie ein Sack, es behält alles.
Das bessere Gedächtnis ist wie ein Sieb, es behält nur, worauf es ankommt.
Hellmut Walters

Als Gedächtnis bezeichnet man in der Psychologie das dauerhafte Fortbestehen von aufgenommenen Informationen über die Zeit, sodass es möglich ist, die  Informationen später daraus wieder abzurufen. Das Gedächtnis bezeichnet somit eine Fähigkeit des Gehirns, bestimmte Informationen zu speichern, zu ordnen und bei Bedarf wieder abzurufen. Diese Informationen resultieren aus bewussten oder unbewussten Lernprozessen. Chronologisch wird das Gedächtnis in ein Arbeitsgedächtnis (auch Kurzzeit- oder Primärgedächtnis genannt) und ein Langzeitgedächtnis gegliedert. Das Arbeitsgedächtnis stellt dabei einen im Sekundenbereich liegenden Informationsspeicher mit begrenzter Kapazität dar, der für das kurzfristige Halten und Manipulieren von Informationen benötigt wird. Es ist also beispielsweise für das Verstehen eines Satzes, das Kopfrechnen oder das kurzfristige Behalten einer Telefonnummer erforderlich.

Im Unterschied zu anderen Funktionen des Gehirns wie Sehen, Hören, Sprache und Motorik befindet sich im Gehirn kein spezielles Gedächtniszentrum, sondern es ist  eine Leistung von weiten Teilen des Gehirns, wobei die Informationsspeicherung etwa im Kurzzeitgedächtnis durch biochemische Reaktionen an den postsynaptischen Membranen stattfindet, hervorgerufen durch elektrotonische Erregungszustände, durch die die Informationen dargestellt werden. Beim Langzeitgedächtnis kommt es zu einer Speicherung durch die Veränderung der Synapsen, sodass es in der Folge zu einer Verbesserung im Sinne von Erleichterung der Erregungsübertragung kommt (Langzeitpotenzierung).

Aus entwicklungspsychologischer Perspektive betrachtet kann auf das Gedächtnis erst im Alter von drei, vier Jahren ansatzweise zurückgegriffen werden, denn Erfahrungen und Erlebnisse aus den ersten Lebensjahren können noch nicht im Langzeitgedächtnis so abgespeichert werden, dass sie auch wieder aufgerufen werden können – siehe dazu infantile Amnesie.

Siehe dazu Das Gedächtnis.


Kurioses: Vulkanologen haben in einer rund sieben Jahrzehnte langen fotogrammetrischen Datenreihe für den Vulkan Bezymianny auf der Halbinsel Kamtschatka festgestellt, dass zerfallene und neu erwachsene Vulkane eine Art Gedächtnis ihres veränderten Spannungs­felds zeigen. Aufnahmen von Helikopterüberflügen aus Sowjetzeiten sowie Satellitenbilder und neuere Drohnen­aufnahmen wurden mit neuesten Verfahren analysiert und dokumentieren die Wiedergeburt des Vulkans nach dem Kollaps. Unmittelbar darauf erwuchsen mehrere Kegel an zunächst verschiedenen, etwa 400 Meter voneinander entfernten Schloten. Nach rund zwei Jahrzehnten wurde die Aktivität stärker und die Schlote wanderten langsam zusammen. Nach etwa fünfzig Jahren konzentrierte sich die Aktivität auf einen einzelnen Schlot, was das Wachstum eines neuen und steilen Kegels ermöglichte. Damit lässt sich prognostizieren, wann das Vulkangebäude erneut die kritische Höhe erreichen könnte, bei der sich Kollaps unter dem eigenen Gewicht wiederholen könnte.


Literatur

https://www.pro-physik.de/nachrichten/vulkan-mit-gedaechtnis (20-09-19)

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