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Das Phänomen des Groupthink, manchmal auch Group think, bzw. Gruppendenken umschreibt das Phänomen, dass Gruppen mit hohem Zusammenhalt dazu neigen, unerwünschte Informationen abzuwehren und sich so allmählich vor Außenkritik isolieren. Groupthink bezeichnet demnach also das Verhalten von Menschen, sich innerhalb einer Gruppe der Meinung oder dem Urteil der Mehrheit anzuschließen, obwohl man eine andere Meinung hat oder sogar davon überzeugt ist, dass das Urteil der Gruppe falsch ist. Ursachen für dieses Verhalten können Harmoniebedürfnis, Angst, der Wunsch nach Zugehörigkeit und andere verhaltenspsychologische Phänomene sein. Untersuchungen zeigten dabei, dass je größer eine Gruppe war, desto höher war die Konformitätsrate. Weitere Auslöser von Gruppendenken sind auch starke überzeugende Anführer, das die Meinungen der anderen prägt und lenkt, ein hohes Niveau im Teamzusammenhalt und auch intensiver Druck von außen, um Entscheidungen zu treffen und Lösungen zu liefern.

Der Begriff Groupthink wurde 1972 vom Psychologen Irving Janis geprägt, der Entscheidungen der amerikanischen Außenpolitik analysierte, die sich als falsche Entscheidungen entpuppt hatten. Es handelte sich bei diesen Entscheidungen um die gescheitertn Invasion in der kubanischen Schweinebucht unter US-Präsident John F. Kennedy und um die Vorgänge, die dafür gesorgt hatten, dass die US-Regierung vom japanischen Angriff auf Pearl Harbour im Zweiten Weltkrieg völlig überrascht worden war. Janis kam zu dem Schluss, dass diese fehlerhaften Entscheidungen insbesondere durch gruppendynamische Prozesse zustande gekommen waren, denn die an der Entscheidung Beteiligten hätten sich, entgegen ihrer eigentlichen Überzeugung und Meinung, der Gruppenmeinung angeschlossen. Manche falsche und im Nachhinein als abwegig erscheinende Entscheidung von Gruppen erklärte Janis mit einzelnen Gruppenmerkmalen, die eben zu einem Gruppendenken führen. Groupthink als Wortschöpfung in Analogie zum Orwellschen Doublethink hat sich schnell verbreitet, wobei Janis auch Vorschläge macht, wie das dem kritischen Einzelverstand entgegengesetzte, unkritische Gruppendenken überwunden werden kann.

Ein ähnliches Phänomen hat sich schon im Asch-Konformitäts-Experiment gezeigt. Er zeigte deutlich die Auswirkungen des Gruppenzwangs in einem Laborexperiment: Probanden wurden individuell drei unterschiedlich lange Linien und eine Vergleichslinie gezeigt, wobei die Längen der Linien so gewählt war, dass 95 % der Probanden die Vergleichslinie richtig zuordneten. In dem Experiment mussten Probanden angeben, welche von drei Linien die gleiche Länge wie eine Referenzlinie aufwies. Die Abschnitte waren so gewählt, dass es nicht schwer sein sollte, die richtige Lösung zu finden. Doch angeblich neutrale Gruppenmitglieder, die zuvor instruiert worden waren, verkündeten bei zwei Dritteln der Schätzungen eine falsche Lösung. Tatsächlich beeinflusste die offensichtlich falsche Gruppenmeinung die neutralen Probanden derart, dass jeder in mindestens einer von achtzehn Konfliktsituation danebentippte. Im Durchschnitt ließen sich die Personen mehr als ein von drei Mal zu einer falschen Angabe verleiten.

Literatur

Janis, Irving L. (1972). Victims of Groupthink: A Psychological Study of Foreign-Policy Decisions and Fiascoes. Boston: Houghton Mifflin.
Stangl, W. (2011, 21. August). Lernen in Gruppen. [werner stangl]s arbeitsblätter.
https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/Gruppenlernen.shtml
Stangl, W. (2014, 1. März). Konformitätsdruck. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
https:// lexikon.stangl.eu/3947/konformitaetsdruck.
Stangl, W. (2012, 21. September). Daten zu Geschichte, wichtigen Richtungen und Personen der Psychologie. [werner stangl]s arbeitsblätter.
https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/WISSENSCHAFTPSYCHOLOGIE/PsychologiePersonen.shtml



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