Locked-in-Syndrom

Das Locked-in-Syndrom – auch Eingeschlossensein-Syndom, Gefangensein-Syndrom – ist ein seltenes neurologisches Krankheitsbild und bezeichnet einen Zustand, in dem ein Mensch zwar bei Bewusstsein, jedoch körperlich fast vollständig gelähmt und unfähig ist, sich sprachlich oder durch Bewegungen verständlich zu machen. Dabei ist der Hörsinn ist meist völlig intakt, wobei Fragen, die mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden können, durch Augenbewegungen oder Augenzwinkern möglich sind. Eine selektive oder komplette Schädigung der motorischen Nervenbahnen bedingt dieses ungewöhnliche Erscheinungsbild, denn Vigilanz und das Sprachverständnis sind nicht beeinträchtigt.

Unter Verwendung von Brain-Computer-Interfaces ist neuerdings eine Möglichkeit entstanden, den Betroffenen eine Kommunikation mit der Außenwelt zu ermöglichen. Für Menschen mit dem Locked-in-Syndrom, die nach einem Schlaganfall vollständig oder fast vollständig in ihren Körper eingeschlossen sind, stellen Computer-Hirn-Schnittstellen oft die einzige Möglichkeit dar, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten. Dennoch ist die Kommunikation äußerst mühsam, wenn sie auf diesem Weg mehr als 10 Wörter pro Minute von sich geben wollen. In manchen Fällen wird bei Menschen, denen aus bestimmten Gründen Elektroden implantiert worden sind, mittels dieser invasiven Ableitungen versucht, die Aktivität direkt von Arealen, die an der Sprachplanung beteiligt sind, sowie von motorischen Gebieten, die Befehle an den Sprechtrakt senden, abzuleiten.

Seit einiger Zeit steht aber Niels-Peter Birbaumer, einer der prominentesten Gehirnforscher in diesem Bereich, der vor zwei Jahren eben damit weltweit Aufsehen erregt hatte, dass es dank einer Spezial-Kappe mit Sensoren gelungen sei, mit den Gehirnen vollständig gelähmter Menschen zu kommunizieren und Antworten auf Ja-Nein-Fragen zu erhalten, in der Kritik. Informatiker weisen auf eklatante Fehler bei der Datenauswertung hin, wonach die damaligen Daten, anders als von den beteiligten Wissenschaftlern behauptet, keinerlei Evidenz dafür liefern, dass die Kommunikation mit Patienten in einem Completely-Locked-in-Zustand möglich sei. Mit verschiedenen Testverfahren konnten keine statistisch signifikanten Effekte in den Daten gefunden werden.

Ursache für das Locked-in-Syndrom sind meist Läsionen im Gehirn, die nach einer Thrombose entstanden ist, wobei es schwierig ist, einige Formen des Locked-in-Syndroms von einer Querschnittlähmung mit Bewusstseinsverlust zu unterscheiden. In den Gehirnströmen finden sich dabei überwiegen Alpha- und Thetawellen, die auch bei Gesunden bei Entspannung, Schlaf oder Meditation auftauchen. Je weiter Betroffene in ihrem eingeschlossenen Zustand fortgeschritten sind, umso mehr Leere entsteht.

Im Unterschied zum Locked-in-Syndrom kommt es bei einem  Wachkoma aufgrund einer schweren Schädigung des Großhirns zu einem völligen funktionellen Ausfall.

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