Strabismus

bezeichnet das krankhafte Schielen, wobei Strabismus erblich ist. Schielen ist dabei kein Schönheitsfehler, sondern eine Erkrankung, die man möglichst früh behandeln muss, wobei das Allerwichtigste dabei ist, dass die Sehkraft des schielenden Auges unterstützt wird. In Österreich ist die im Mutter-Kind-Pass vorgeschriebene Augenuntersuchung vom Kinderarzt zwischen dem zehnten und 14. Lebensmonat durchzuführen, was allerdings oft nicht ausreicht. Die unterschiedlichen Formen des Schielens werden nämlich durch die Stellung der Augen bestimmt, d. h., es gibt Innenschielen, Außenschielen und Höhenschielen. Besondere Aufmerksamkeit gilt vor allem dem Mikrostrabismus, also der gering ausgeprägten Form des Schielens, die kaum erkennbar ist, aber dennoch das Risiko für eine spätere Schwachsichtigkeit erhöht. Da diese Form mit dem bloßen Augen so gut wie gar nicht gesehen werden kann, kommen die Kinder oft erst sehr spät in Behandlung.

Manchmal wächst sich der Strabismus mit dem Größerwerden von allein aus, doch ist er nach wenigen Lebensjahren immer noch vorhanden, sollte er unbedingt behandelt werden, denn sonst wird das Auge, das am wenigsten geradeaus schauen kann, über die Jahre hin vom Gehirn weitgehend abgeschaltet, da es die Signale von beiden nicht in einen Fokus gebündelt bekommt. Bekanntlich fügt das Gehirn die von beiden Augen empfangenen Bilder erst zu einem dreidimensionalen Gebilde zusammen, doch das können die Augen nur dann, wenn beide gerade stehen. Steht ein Auge schief, verschiebt sich die Perspektive so, dass das Gehirn die empfangenen Informationen nicht mehr zu einer Einheit verbinden kann und man Doppelbilder sieht. Man unterscheidet zwischen einwärts gerichtetem und auswärts gerichtetem Schielen, wobei ein latentes Schielen dabei am häufigsten ist und nur selten behandelt wird. Die Betroffenen schielen in diesem Fall nicht immer, sondern nur, wenn die Augen überlastet sind, wobei das Gehirn die minimale Sehstellung ausgleichen kann und nur etwa jeder zehnte davon Betroffene dann  unter tatsächlichen Sehstörungen leidet. Latentes Schielen und die damit verbunden Symptome kennen die meisten Menschen, wenn man etwa zu lange auf den Bildschirm gestarrt oder Alkohol getrunken hat. Das Gehirn von Betrunkenen kann die Augen nicht mehr koordinieren, sodass Alkoholisierte die Dinge dadurch doppelt sehen.

Das kindliche Gehirn geht beim Schielen mit einem Trick vor, indem es das vom schielenden Auge übermittelte Bild unterdrückt. In der Folge verkümmert aber das nichtbenutzte Auge, obwohl das Auge organisch gesehen gesund ist, wird sehschwach oder erblindet ganz. Daher sollte das Schielen so früh wie möglich behandelt werden, damit keine  Amblyopie, also dauerhafte Schwachsichtigkeit entstehen kann. Strabismus ist daher nicht nur ein Schönheitsfehler, sondern viel gravierender und belastender wirken die mit dem Schielen einhergehenden Sehstörungen bzw. die Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung, deshalb sollte Schielen schon im Kleinkindalter behandelt werden. Die Erfolgschancen einer Behandlung sinken erheblich, wenn ein schielendes Kind aus dem Kleinkindalter heraus ist.

Babys nehmen schon sehr früh ihre Umwelt mit den Augen wahr, zunächst noch undeutlich, da sich die Sehschärfe noch entwickeln muss, sodass es in dieser Zeit immer zu Schielen kommen kann. Schon unmittelbar nach der Geburt erkunden Babys mit ihren Augen die Welt, aber sie müssen alles erst üben, auch das Sehen, und erst im Laufe der ersten Lebenswochen entwickeln sie nach und nach die Fähigkeit, die Bewegung der beiden Augen zu koordinieren und in eine Richtung zu lenken, wodurch sie erst dann richtig sehen können. Etwa vier Monate dauert es ab der Geburt, bis sich bei einem Baby ein bleibendes Schielen einstellen kann, wobei rund sieben Prozent der Kinder in Mitteleuropa an einem behandlungsbedürftigen Strabismus leiden. Zwanzig Prozent ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind schielt, wenn ein Geschwister schielt, fünfzig Prozent, dass ein Kind schielt, wenn beide Elternteile schielen.

Leichtes Schielen löst psychologisch betrachtet bei Menschen den Reflexe des Kindchenschemas aus, denn die Evolution hat für den Nachwuchs, solange er noch hilflos ist, den besonderen Schutzstatus, ihn schon instinktiv zu mögen, weil er ansonsten keine Chance zum Überleben hätte, eingerichtet. Diese Zuneigung lösen bestimmte Körpermerkmale aus, die besonders Kindern zu eigen sind, etwa ein überproportional großer Kopf, unterproportional kleine Ohren und eben auch das Schielen: beide Pupillen möglichst nah an der Nase und die Augen dabei weit geöffnet. Da es besonders unter Kindern weit verbreitet – etwa fünf Prozent aller Kleinkinder schielen sogar sehr deutlich – kommt der Eindruck einer gewissen Hilflosigkeit hinzu.

Eltern sollten in dieser Phase, aber auch in späteren Jahren ihr Kind genau beobachten, denn kommt ihnen dabei der Verdacht, dass das Kind schielt, sollte dies in jedem Fall durch einen Augenarzt abgeklärt werden. Eltern sollten ihr Kind spätestens zwischen dem 30. und 40. Lebensmonat vorsorglich augenärztlich untersuchen lassen, sind aber in der Familie Fehlsichtigkeiten oder Schielen bekannt, sollte die Untersuchung schon am Ende des ersten Lebensjahres erfolgen. Je früher eine Schielschwachsichtigkeit entdeckt und therapiert wird, desto besser sind die Heilungschancen, denn unbehandelt bleibt die Schielschwachsichtigkeit ein Leben lang bestehen, wobei Betroffene  ein höheres Erblindungsrisiko haben und bestimmte Berufe nicht ausüben können.

Die Therapie des Schielens hängt von den Hintergründen des Strabismus ab, denn Schielen tritt häufig ohne erkennbare Ursache auf. Es kann innerhalb der Familie vererbt sein, aber auch von einer problematischen Schwangerschaft oder Geburt kommen. Schielen kann aber auch organische Hintergründe haben, wenn etwa die Linse getrübt ist, oder es als Folge von Infektionskrankheiten auftritt. Oft liegt dem Einwärtsschielen eine nicht korrigierte Fehlsichtigkeit zugrunde, wobei eine Brille helfen kann. Um eine Sehschwäche zu verhindern oder zu beseitigen, komme oftmals eine Okklusionsbehandlung zum Zuge, bei der nach Anweisung des Augenarztes in einem bestimmten Rhythmus das nicht-schielende Auge mit einem Pflaster abgeklebt wird, sodass damit das Gehirn dazu gezwungen wird, das schwache Auge zu nutzen und zu trainieren. Bei großen Schielwinkeln kann zur Verbesserung des beid­äugigen Sehens eine Schieloperation notwendig sein, wobei die Fehlstellung der Augen durch Verkürzen oder Verlagern der äußeren Augenmuskeln verbessert wird. Wenn beide Augen nach innen gewandert sind und nahezu symmetrisch, doppelseitig schielen, kann sich das Gehirn nicht entscheiden, welches es stilllegen soll, und lässt zur Sicherheit beide so weit es geht normal weiterarbeiten.

Übrigens kann Schielen nicht nur in der Kindheit, sondern in jedem Alter auftreten, denn es gibt eine Vielzahl von Schielarten. Alarmzeichen können etwa dichtes Herangehen beim Lesen oder Fernsehen, Verschwommensehen, spontanes Zukneifen der Augen oder Lichtempfindlichkeit sein. Bessert sich bei Erwachsenen das Schielen innerhalb eines Jahres nicht, kann auch eine Augenmuskeloperation notwendig werden, bei der der Schielwinkel korrigiert wird.

Weitere Auslöser für Schielen können auch chemische Substanzen sein, eine Hornhautverkrümmung oder nachlassende Sehstärke.

Absichtliches Schielen ist übrigens für die Augen nicht schädlich, denn wenn jemand absichtlich schielt, wenn er Grimassen schneidet, benutzt er die Augenmuskeln willentlich, sodass sich die Stellung der Augen dadurch nicht ändert.



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