Gruppenzwang umschreibt ein individuelles Verhaltensphänomen, bei dem das eigene Verhalten an das Verhalten einer Gruppe angepasst wird, d. h., das eigene Verhalten wird nach den Vorstellungen anderer ausgerichtet und persönliche Vorstellungen stehen zurück. Man vermutet, dass angepasstes Verhaltenoft durch Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen hervorgerufen wird, d. h., die Betroffenen haben nicht den Mut, eigene Standpunkte zu beziehen bzw. eine eigene Meinung zu haben und diese, wenn nötig, auch zu verteidigen. Bekanntlich können unterschiedliche Meinungen Kontroversen und Streit hervorrufen, was durch Anpassung verhindert werden soll, um von anderen innerhalb der Gruppe anerkannt zu werden. Wer dem Gruppenzwang nachgibt, erhofft sich dadurch eine größere Akzeptanz, weniger Probleme aber auch Schutz durch die Gruppe. Ein solches angepasstes Verhalten ist vermutlich auch evolutionär begründet, da es eine ordnende Funktion innerhalb kleiner Gruppen hat.

Bei Gruppenentscheidungen verfolgen die meisten Menschen zwar egoistische Ziele und sind auch bei Teamarbeit auf ihren eigenen Vorteil bedacht, doch andereseits entsteht aber auch ein Gruppenzwang mit einer diffusen Angst, etwa wegen einer abweichenden Meinung kritisiert oder diskriminiert zu werden, sodass man auch aus Furcht auf seine eigene Position verzichtet und lieber schweigt. Für denjenigen, der in einer Gruppe arbeiten will oder muss, kann es daher sehr hilfreich sein, die Phasen des Entwicklungsprozesses von Gruppen zu kennen.

Motivation in Gruppen

Torka, Mazei & Hüffmeier (2021) haben in einer Metastudie Daten von mehr als 300.000 ProbandInnen untersucht, ob sich Menschen in Teamarbeit mehr motiviert fühlen als wenn sie alleine arbeiten. Bekanntlich besteht die Hypothese, dass Menschen in Teamarbeit weniger motiviert an ihre Aufgaben herangehen, als wenn sie allein tätig sind. Teamarbeit st nicht per se demotivierend oder motivierend, sondern die konkrete Gestaltung von Teamarbeit ist dafür entscheidend, ob Motivationsgewinne, also mehr Anstrengung, oder Motivationsverluste, also weniger Anstrengung, auftreten. Teamarbeit ist etwa motivierend, wenn Mitglieder einen unverzichtbaren Beitrag leisten oder wenn sie sich mit einem moderat stärkeren Teammitglied vergleichen können. Um einen positiven Effekt zu erzielen, reicht es hingegen nicht aus, dass sich die individuellen Beiträge zur Teamarbeit bewerten lassen. Als Randbedingungen fand man sowohl Faktoren, die das Ergebnis je nach Ausprägung positiv oder negativ beeinflussen können, als auch Faktoren, die nur in eine Richtung wirken. Waren beispielsweise die individuellen Beiträge unverzichtbar, so zeigten sich Motivationsgewinne, doch waren sie verzichtbar, traten Motivationsverluste auf. Diese beiden Befunde sind also zwei Seiten derselben Medaille. Bei anderen Randbedingungen gab es hingegen keinen Umkehreffekt, denn soziale Unterstützung wirkt ausschließlich positiv, während individuelle Bewertbarkeit negative Folgen hat, sofern diese fehlt. Man fand auch Unterschiede zwischen objektiv und subjektiv gemessener Motivation, denn Menschen berichten meist gerne davon, wenn sie sich im Team tatsächlich mehr angestrengt haben, während es verschwiegen wird, wenn man sich im Team aber weniger angestrengt hat. Motivationsverluste bei der Teamarbeit scheinen außerdem in Laborstudien größer zu sein als in Feldstudien, was darauf hinweist, dass die Relevanz von Motivationsverlusten für die Praxis überschätzt wird.

Literatur

Torka, A.-K., Mazei, J. & Hüffmeier, J. (2021). Together, everyone achieves more—or, less? An interdisciplinary meta-analysis on effort gains and losses in teams. Psychological Bulletin, 147, 504–534.
https://www.psychologie-aktuell.com/news/aktuelle-news-psychologie/news-lesen/wirtschaftspsychologie-nur-wichtige-individuelle-aufgaben-motivieren-in-der-teamarbeit.html (21-08-06)


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