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Orgasmus

oder auch Klimax ist definiert als eine Serie von Muskelkontraktionen im Genitalbereich, die zu einer sexuellen Entladung/Entspannung führt und von angenehmen Sensationen begleitet ist (Masters & Johnson, 1966). Der Orgasmus ist daher der Höhepunkt des sexuellen Lusterlebens, der beim Geschlechtsverkehr oder der Masturbation eintreten kann. Während des Höhepunkts kommt es im Genitalbereich zu rhythmischen unwillkürlichen Muskelkontraktionen, in denen sich die sexuelle Spannung entlädt. Anschließend erfolgt meist eine Entspannung des Genitalbereichs bzw. des gesamten Körpers. Neben den körperlichen Reaktionen äußert sich der Orgasmus in einem oftmals als angenehm empfundenen individuellen Erlebnis des Rausches und der Überwältigung, wobei sich die Intensität und Erlebnistiefe inter- und intraindividuell unterscheiden kann.

Masters und  Johnson waren die ersten, die das menschliche Liebesspiel in den 1960er-Jahren unter Laborbedingungen untersuchten, und stellten ein Vier-Phasen-Modell der s. Erregung auf: Erregungsphase, Plateauphase, Orgasmusphase und Rückbildungsphase. In den ersten beiden Phasen werden vor allem die Sexualhormone Testosteron und Östrogen vermehrt ausgeschüttet, der Botenstoff Vasopressin lässt Puls und Blutdruck ansteigen. Testosteron hat bei beiden Geschlechtern eine erregende Wirkung, bei der Frau bewirkt die verstärkte Hormonproduktion das Feuchtwerden, eine stärkere Durchblutung des Beckenbodens und ein Aufrichten der Gebärmutter. Der Mann reagiert mit einer gesteigerten Durchblutung des Schwellkörpers, was eine Erektion auslöst. Mit weiterer Erregung verstärkt sich die Muskelspannung, die Genitalien schwellen nochmals an und werden besonders empfänglich für Stimulation. Ebenfalls bekannt ist, dass Männer leichter zum Orgasmus kommen als Frauen, was im Rahmen vieler Studien bestätigt wurde.

Die Neurowissenschaft hat sich übrigens auch mit dem Orgasmus beschäftigt, der vielen Menschen als das höchste der Gefühle gilt. Adam Safron (2016) stellte fest, dass es vermutlich der Rhythmus bei der Sexualität ist, der im Gehirn die entscheidende Rolle spielt. Safron geht davon aus, dass rhythmische sexuelle Stimulation für einen Prozess im Gehirn verantwortlich ist, der als neural entrainment (neuronale Aufladung) bezeichnet wird. Durch diese Aufladung kann es bei intensiver und andauernder sexueller Stimulation dazu kommen, dass die Aufmerksamkeit so fokussiert wird, dass der Mensch in eine Art Trancezustand (sensory absorption) gelangt, der dann entscheidend für das Auslösen des Orgasmus ist. Synchronität ist wichtig für die Weitergaben von Signalen im Gehirn, weil Neuronen dann eher feuern, wenn sie in einem kleinen Zeitfenster mehrmals stimuliert werden. Andernfalls gehen die Signale im Rahmen eines generellen Mechanismus wieder zurück (Habituation), statt sich zu addieren. Daraus schließt Safron, dass rhythmische Aufladung der Hauptmechanismus ist, bei dem orgasmische Schwellenwerte überschritten werden. Das könnte auch erklären, warum rhythmisches Tanzen und Musik schon immer Teil von menschlichem und tierischem Paarungsverhalten waren. Wenn der Rhythmus jedoch unterbrochen wird oder an einer ungünstigen Stelle wechselt, wird auch die neuronale Stimulation unterbrochen und der Orgasmus wird hinausgezögert.


Kurioses: In der Zeitschrift "Wienerin" erschien unter dem Titel "Ein Orgasmus ist besser für dein Gehirn als ein Sudoku" folgendes Forschungsresultat: "Barry Komisaruk hat in einer Studie herausgefunden, welchen Einfluss die Stimulation der Klitoris und der Vagina auf das weibliche Gehirn hat, wobei beim Sex unterschiedliche Areale im Gehirn aktiv sind, je nachdem, welche Körperstellen stimuliert werden. Die Teilnehmerinnen haben etwa ihre Brustwarzen stimuliert, wobei die gleichen Neuronen aktiviert werden wie bei der Stimulation von Klitoris, Vagina und Muttermund. Zwischen Männern und Frauen besteht kein großer Unterschied beim Orgasmus, sondern lediglich danach unterscheiden sich die Geschlechter, denn während Männer in eine Erholungsphase übergehen, reagiert bei Frauen das Gehirn weiter."


Literatur

Masters, W. H. & Johnson, V. E. (1966). Human Sexual Response. Toronto, New York: Bantam Books.
Safron, A. (2016). What is orgasm? A model of sexual trance and climax via rhythmic entrainment. Socioaffective Neuroscience & Psychology, 6, doi: 10.3402/snp.v6.31763.
https://de.wikipedia.org/wiki/Orgasmus (14-05-01)


Wörterbuch der Sexualität

Definitionen zur Sexualitšt

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