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Autosexualität

Als Autosexualität - der Begriff wurde von Sigmund Freud geprägt, und wird häufig auch als Onanie oder Masturbation bezeichnet - wird die überwiegend manuelle Stimulation der Geschlechtsorgane verstanden, die in der Regel zum Orgasmus führt. Nach Auffassung der Psychoanalyse verkörpert die Autosexualität in der Entwicklung der Libido ein Stadium, in dem die einzelnen auf Reizung der verschiedenen erogenen Zonen gerichteten Triebteile nach Befriedigung suchen. Es gibt dabei kein übergeordnetes Ziel oder Objekt der Libido, denn dieses stellt erst die Periode des Narzissmus her, in der das Selbst als erstes, ursprünglichstes Objekt der Libido erlebbar wird.

Autosexualität ist ein wesentlicher Bestandteil der Autoerotik, die ganz allgemein die Verliebtheit eines Menschen in sich selbst bezeichnet, und  sich dabei vor allem auf die sexuelle Erregung und Befriedigung bezieht. Der Begriff bezeichnet demnach eine der Lust am eigenen Selbst dienende erotische Betätigung, wobei typische autoerotische Verhaltensweisen in der frühen Kindheit  Zungen- und Fingersaugen (orale Phase), das Zurückhalten des Stuhls, um bei seiner Ausscheidung die Afterschleimhaut besonders zu reizen (anale Phase) und die Selbstbefriedigung durch Manipulation der Geschlechtsorgane sind. Autosexualität dient demnach der Lust am eigenen Selbst, die eine grundlegende Vorstufe in der psychosexuellen Entwicklung darstellt.

Diese Form der Selbstliebe bildet eine Voraussetzung dafür, dass auch andere Menschen sexuell geliebt werden können. Die Erkundung des eigenen Körpers durch Streicheln und Liebkosungen mit den eigenen Händen stellt für die meisten Jugendlichen die erste sexuelle Erfahrung und für die Erwachsenen eine wichtige Ergänzung zur Geschlechtlichkeit mit einem Partner dar. Jugendliche können durch Autosexualität erkunden, auf welche Weise ihr Körper bei gezielten Berührungen reagiert, um ihre erogenen Zonen zu entdecken und die Möglichkeit erhalten, die unterschiedlichen Formen der Erregung und Befriedigung zu erleben. Die Tiefenpsychologie nimmt an, das die sexuelle Reifung des Menschen von der Autosexualität über die Homoerotik zur Heteroerotik führt. Daher ist die Ansicht, Selbstbefriedigung als Fehlform sexuellen Verhaltens zu betrachten, aus entwicklungspsychologischer Sicht strikt abzulehnen.

Die Autosexualität ist die erste Übung in Stimulation bzw. Orgasmus und ist nach Ansicht der Entwicklungspsychologie und Medizin besonders bei Heranwachsenden wichtig, sie kommt bei fast allen Kindern in der Pubertät vor, ist unschädlich und ein nützliches und selbstverständliches Verhalten. Die Pubertät ist bekanntlich eine Umbruchzeit, und in dieser Zeit handelt es sich bei der Autosexualität um eine geschlechtliche Selbstbefriedigung, die jedoch auch an und durch andere Personen ausgeführt werden kann (Petting). Neben der häufigsten Form der Masturbation durch die Benutzung der Hand als Stimulationswerkzeug gibt es auch verschiedene Sexspielzeuge und Masturbationshilfen, die zur Unterstützung der Masturbation eingesetzt werden können. Masturbation wird aus Sicht der Medizin nur dann als störend oder sogar krankhaft gewertet, wenn sie öffentlich bzw. zwanghaft ausgeübt und zur Sucht wird (siehe auch Exhibitionismus).

Für Menschen, die ihre Masturbationsgewohnheiten als Sucht einschätzen und von ihnen loszukommen versuchen, gibt es Selbsthilfegruppen - in Österreich: https://www.safersurfing.org/hilfe-bei-abhaengigkeit/).

Übrigens kann die auch heute noch anzutreffende und traditionelle leibfeindliche Erziehung, die bei Kindern die spielerische autoerotische Betätigung verbietet und in vielen Fällen sogar bestraft, um eine nach Ansicht der Erwachsenen richtige reife Sexualität zu fördern, genau das Gegenteil bewirken. Bei Kindern kommt es in diesem Fall zu einer Verbindung von natürlicher Scham und Angstgefühlen, die später einer reifen erwachsenen Geschlechtlichkeit entgegenstehen. Traditioneller Weise spielen in diesem Alter auch die vermittelten religiöse Anschauungen eine große Rolle, da diese solche autosexuellen Betätigungen unter Androhung der Sündhaftigkeit rigoros verbieten (Stichwort: Selbstbefleckung, Ipsation). Absurderweise wurden früher der Autosexualität zahlreiche irrationale Krankheitsfolgen wie die berüchtigte Rückenmarkserweichung zugeschrieben, um vor allem (männliche) Jugendliche von der Selbstbefriedigung abzuhalten. Hinzu kommt die im Fall eines generellen Verzichts auf Selbstbefriedigung bei männlichen Jugendlichen die dann physiologisch oft zwingend darauf folgende pollutio nocturna (nächtlicher Samenerguss) - wobei eine Pollution auch während eines Tagschlafes auftreten kann -, die bei manchen Betroffenen traumatische Folgen zeitigen kann. Im übrigen ist der nächtliche Samenerguss auch bei Erwachsenen, die zu wenig Möglichkeiten einer Triebabfuhr haben, anzutreffen. Die Pollution wird meist durch einen unbewussten Orgasmus ausgelöst, der ohne aktives Zutun und ohne Wachbewusstsein auftreten kann. Ein direkter Zusammenhang zwischen Samenerguss und sexueller Enthaltsamkeit kann jedoch nicht hergestellt werden, da unbenutztes Sperma auch vom Körper wieder rezipiert werden kann.

Literatur

Mietzel, Gerd (2002). Wege in die Entwicklungspsychologie. Kindheit und Jugend. Weinheim: BeltzPVU.
Stangl, W. (2009). Körperliche und sexuelle Entwicklung im Jugendalter. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/KoerperlicheEntwicklung.shtml (09-01-09).
Stangl, W. (1998). Körperliche Entwicklung und Sexualität von Jugendlichen
WWW: http://www.stangl.eu/psychologie/entwicklung/Sexualitaet-Jugend.shtml (98-01-09).
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WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/JUGENDALTER/Koerper-Sexualitaet-Entwicklung.shtml (02-01-09).
https://de.wikipediAutosexualitätorg/wiki/Masturbation (12-11-21)
https://deximed.de/home/b/gynaekologie/patienteninformationen/sexualberatung/masturbation-onanie/ (12-11-21)
https://www.netdoktor.at/sex/sex/masturbation-mann-5799 (16-02-13)

Wörterbuch der Sexualität

Definitionen zur Sexualitšt

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