Überlegenheitsillusion

Die Psychologie hat nachgewiesen, dass ein gewisses Ausmaß an Selbstüberschätzung bei den Menschen dazu führt, die eigenen Fähigkeiten und Stärken systematisch und konsequent zu überschätzen, die eigenen Fehler und Schwächen aber zu unterschätzen, wobei diese selbstwertdienliche Überzeugung die Wahrnehmung in den meisten Lebensbereichen bestimmt. In der Psychologie bezeichnet man diese Wahrnehmung als Überlegenheitsillusion – umgangssprachlich meist als Selbstüberschätzung bezeichnet – jene positive Sicht in Bezug auf die eigenen Fähigkeiten und die eigene Persönlichkeit , die Menschen dabei auch hilft, nach neuen Zielen zu streben und Herausforderungen zu bewältigen. Diese Überlegenheitsillusion ist offensichtlich eines der Grundmerkmale der menschlichen Psyche, denn Menschen neigen wohl generell dazu, sich selbst grundsätzlich besser einzuschätzen als die anderen und als sie objektiv betrachtet tatsächlich sind. Evolutionär betrachtet kann die Überlegenheitsillusion als lebenswichtig eingestuft werden, denn schließlich ist sie eine  Quelle der Hoffnung, die mit jedem kleinen Erfolg genährt wird.
In neuesten Untersuchungen (Yamada et al. 2012)  zeigte sich nun, dass bei Menschen, die sich als sehr überlegen einschätzen, jene zwei Gehirnareale weniger miteinander verknüpft sind, in denen das Selbstbild zustande kommt (sensomotorisches Striatum) und das Kontrollzentrum des Denkens (der anteriore cinguläre Cortex), sodass die Impulse aus dem für das Selbstbild zuständigen Areal dominieren und damit auch die Neigung steigt, sich übersteigert positiv zu sehen. In konträrer Weise ist die Kommunikation zwischen diesen Gehirnarealen bei stark Depressiven gehemmt, vermutlich auf Grund der gestörten Balance der Hirnbotenstoffe Dopamin und Serotonin.

Literatur
Makiko Yamada, Lucina Q. Uddin, Hidehiko Takahashi, Yasuyuki Kimura, Keisuke Takahata, Ririko Kousa, Yoko Ikoma, Yoko Eguchi, Harumasa Takano, Hiroshi Ito, Makoto Higuchi, & Tetsuya Suhara (2013). Superiority illusion arises from resting-state brain networks modulated by dopamine PNAS 2013; published ahead of print February 25, 2013, doi:10.1073/pnas.1221681110.




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