Reversibilität

1. Definition
Reversibilität bedeutet Umkehrbarkeit. In der medizinischen und psychologischen Therapie ist Reversibilität die Möglichkeit, dass sich Symptome zurückbilden oder zurückgebildet werden können. In der Entwicklungspsychologie von Piaget bedeutet es die Möglichkeit, Operationen kognitiv zurückzunehmen bzw. zu wiederholen (vgl. Grabmann 1995, S. 414).

2. Definition
Eine mathematische Operation kann z.B. durch ihre Umkehrung rückgängig gemacht werden. In der Theorie der kognitiven Entwicklung von Piaget ist Reversibilität ein wichtiges Charakteristikum des Denkens des Kindes ab dem konkret-operationalen Stadium (vgl. Häcker & Stapf 1998, S. 739).

3. Definition
Bei so genannten Kippfiguren tritt Reversibilität auf, indem abwechselnd die Figur oder ihr Hintergrund wahrgenommen werden. Reversibilität in Denkprozessen bedeutet Umschalten von einem Gedankengang oder Denkweg auf den entgegengesetzten. Reversibilität kommt in der gesamten Handlungsregulation zum Ausdruck, wenn z.B. Zielsetzungs- und Rückkoppelungsprozesse ständig ineinander übergehen (vgl. Clauß 1995, S. 396).

4. Definition
In der Denkpsychologie bedeutet der Begriff Reversibilität die Umkehrbarkeit von Denkprozessen. Wenn ein Kind auf die Frage „Hast du einen Bruder?“ mit „Ja, den Thomas“ antwortet, aber die Frage „Hat der Thomas einen Bruder“ verneint, hat es die Reversibilität noch nicht erkannt. Reversibilität hat eine spezielle Bedeutung in der Kommunikationspsychologie und in der Erziehungsstilforschung. Erzieher werden aufgefordert, Kindern nichts zu sagen, was sie ihm nicht sagen dürften (vgl. Dieterich & Rietz 1996, S. 365f).

5. Definition
Kinder im Alter von 6-7 Jahren überwinden die Beschränkung ihres Handlungsfeldes. Das Denken der Kinder wird nun operativ. Die verinnerlichten Handlungsmöglichkeiten schließen sich zu Systemen zusammen. Diese zeichnen sich durch eine größere Flexibilität aus, weil sie zu jeder Handlung auch deren Umkehrhandlung enthalten (Reversibilität) (vgl. Hillig 1996, S. 68f).

Verwendete Literatur
Clauß, G. (1995). Fachlexikon ABC Psychologie. Frankfurt/Main: Verlag Harri Deutsch.
Dieterich, R. & Rietz, I. (1996). Psychologisches Grundwissen für Schule und Beruf. Donauwörth: Verlag Auer GmbH.
Grabmann, W. (1995). Lexikon der Psychologie. Güterloh: Bertelsmann Lexikon Verlag.
Häcker, H. & Stampf, K. (1998). Dorsch Psychologisches Wörterbuch. Bern: Verlag Hans-Huber.
Hillig, A. (1996). Schülerduden Die Psychologie. Mannheim: Dudenverlag.




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