Schlafapnoe

Zu den Atemstörungen im Schlaf zählt man verschiedene chronische Beschwerden, bei denen die Atmung viele Male pro Nacht über Sekunden bis hin zu einer Minute aussetzt. Grund ist eine Verengung der Atemwege, die den Luftstrom kurzzeitig unterbricht. Das Gehirn reagiert auf die fehlende Sauerstoffzufuhr mit einer lebenswichtigen Weckreaktion. Auch wenn Betroffene ihr Problem nicht bemerken, sind sie während des Tages meist sehr müde, erschöpft und weniger einsatzfähig. Die am meisten verbreitete nächtliche Atemstörung ist die obstruktive Schlafapnoe. Der Begriff  kommt aus dem Griechischen: A-Pnoe = Ohne Luft.

Bei der Schlafapnoe kommt es durch Atemstillstände (Apnoen) während des Schlafs zu einer ausgeprägten Tagesmüdigkeit bis hin zum Einschlafzwang (Sekundenschlaf) sowie einer Reihe weiterer Symptome und Folgeerkrankungen. Die Atemstillstände führen zu einer verringerten Sauerstoffversorgung und zu wiederholten Aufweckreaktionen (als automatische Alarmreaktion des Körpers). Die meisten Aufweckreaktionen führen aber nicht zum Aufwachen, sondern lediglich zu erhöhten Körperfunktionen, beispielsweise zu beschleunigtem Puls. Deswegen werden sie von den Betroffenen meist nicht wahrgenommen. Das Schlafapnoe-Syndrom zählt zu den Dyssomnien (Schlafstörungen).

Die obstruktive Schlafapnoe geht oftmals mit Störungen der neurokognitiven Funktionen (Gedächtnis, Aufmerksamkeit, schnelles Umschalten, Verhaltenssteuerung) einher, wobei als Ursachen die aus der Atmungsstörung resultierende Hypoxämie (erniedrigter Sauerstoffgehalt im Blut), die Schlaffragmentierung und die Aktivierung des sympathischen Nervensystems vermutet werden. Morphometrischen Untersuchungen zeigen bei Menschen mit Schlafapnoe eine Verminderung der grauen Substanz in verschiedenen Arealen des Großhirns. Der Hippocampus reagiert extrem empfindlich auf Störungen der Sauerstoffversorgung, wobei im Tierversuch nachgewiesen werden konnte, dass eine intermittierende Hypoxie (Mangelversorgung mit Sauerstoff) mit einem erhöhten Zelluntergang in dieser Gehirnregion verbunden ist. Bei einer amerikanischen Untersuchung der gesundheitlichen Entwicklung von Senioren im Alter von 55 bis 90 Jahren entdeckte man, dass bei denjenigen, die nachts schnarchen oder mit Apnoen zu kämpfen haben, die kognitiven Fähigkeiten rund zehn Jahre eher nachlässt als bei den jenen, die eine ungestörte Nachtruhe genießen.

Die meisten Schlafapnoebetroffenen sind Männer, wobei Übergewichtige, Raucher oder Alkoholiker besonders gefährdet sind. Bei drei Prozent aller Kindern führt Schlafapnoe häufig tagsüber zu Hyperaktivität, schlechten Schulleistungen oder Aggressivität. Neben Blutuntersuchungen und Lungenfunktionstests kann als letzte und aufwändigste Methode auch das Schlaflabor bei der Apnoe-Diagnostik helfen. Das Vorkommen des Schlafapnoe-Syndroms bei Menschen mit Alzheimer liegt bei etwa 80 Prozent liegt, wobei die Schlafapnoe in vielen Fällen nicht diagnostiziert wird und unbehandelt bleibt. Man vermutet daher, dass Menschen, die im mittleren Alter unter dem Schlafapnoe-Syndrom leiden, im späteren Leben ein erhöhtes Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken. Schlafapnoe kann auch noch gravierendere Folgen haben als die täglichen Konzentrationsschwierigkeiten und schlechte Laune, die der Schlafmangel mit sich bringt, sondern eine unbehandelte Schlafapnoe trägt maßgeblich zur Entwicklung von Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei, und somit zu einem deutlich erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Über 50-Jährige haben ein erhöhtes Risiko, am Schlafapnoe-Syndrom zu erkranken, aber auch bei Kindern mit Entwicklungsstörungen kommt dieses vor, so sind etwa 80 Prozent der Kinder mit Down-Syndrom von Schlafapnoe betroffen.

Es gibt als Richtwert einen Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI), bezogen auf die Anzahl der Schlafapnoen pro Stunde, deren Dauer mindestens zehn Sekunden beträgt: wenn nicht mehr als fünf Schlafapnoen in einer Stunde auftreten, dann ist das unbedenklich. Behandlungsbedürftig sind Menschen mit einem Apnoe-Index von 10 und höher, d. h., wenn im Schlaf innerhalb einer Stunde mehr als zehn Schlafapnoen auftreten.

Bei der Schlafapnoe kommt es konkret durch das Erschlaffen der Rachenmuskulatur zu einem Verschluss der oberen Luftwege, wobei der Atemstillstand von zehn Sekunden bis zu einer Minute dauern kann. Normalerweise wird während der Einatmung der Rachenbereich durch aktive Muskelanspannung offen gehalten. Infolge meist anatomischer Gegebenheiten und mangelnder Muskelanspannung kommt es bei den Betroffenen zu einer Enge der oberen Luftwege, wodurch die Strömungsgeschwindigkeit der Luftsäule ansteigt, wodurch der Druck im Rachenbereich beim Einatmen sinkt, so dass bei schlaffer Spannung der Rachenmuskulatur ein kompletter Verschluss entstehen kann. Die Schlafapnoe steht praktisch immer in Verbindung mit Schnarchen, bei dem die Luftwege jedoch offen bleiben, da nur ein teilweises Erschlaffen und Kollabieren der Muskulatur stattfindet. Das Vibrieren des weichen Gaumens (Gaumensegel und Zäpfchen) in den Turbulenzen des Luftstromes führt infolge zum charakteristischen Schnarchgeräusch. Beobachtet man einen von Schlafapnoe Betroffenen während des Schlafes, kann man den typischen Wechsel von Schnarchen und längerem Aussetzen der Atmung beobachten.

Hinweis: Das normale Schnarchen ist an und für sich harmlos, d. h., gefährlich wird Schnarchen dann, wenn sich bei der Einatmung der Atemweg im Rachenraum wegen der fehlenden Muskel- und Gewebespannung soweit verengt oder sogar zuklappt, sodass zu wenig oder kein Sauerstoff mehr aufgenommen wird. Solche Atemaussetzer tauchen auch bei Gesunden bis zu fünf Mal pro Stunde auf, d. h., von einer krankhaften Störung spricht man erst dann, wenn die Häufigkeit über zehnmal pro Stunde liegt, wobei die typischen Merkmale für krankhaftes Schnarchen lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atempausen und eine zunehmende Tagesschläfrigkeit sind. Durch die Obstruktion Atemaussetzer kommt der Körper in einen Daueralarmstress, die neben der Tagesschläfrigkeit zu einem zunehmenden Bluthochdruck und eine insgesamt verminderte Leistungsfähigkeit und Gesamtbefindlichkeit führen.
tress verursachte Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Die Standardtherapie beim krankhaften Schnarchen ist die CPAP-Maskentherapie, bei der nachts über eine Nasenmaske Luft in den Rachenraum geblasen wird. Dieser Luftdruck begleitet den Atemweg und hält ihn so offen. Falls Atemaussetzer nur in Rückenlage auftreten, hilft auch eine Rückenlageverhinderungsweste. Operationen im Rachenraum sollten nur dann durchgeführt werden, wenn anatomisch entsprechende Auffälligkeiten dies rechtfertigen, da ansonsten ein Restrisiko für lebenslange Schluck- und Sprachstörungen besteht.

Übrigens: Schnarchen kann eine Lautstärke erreichen, die einem LKW oder sogar Jumbo-Jet nahekommt, doch wird der Schnarchende nicht selber wach, weil sein Gehirn  sich über die Zeit hinweg an die Geräuschkulisse gewöhnt hat und die eigentlich störenden und im evolutionären Sinne warnenden Geräuschsignale ausblendet, weil es sich für den Schlafenden um ein selbsterzeugtes und damit nicht bedrohliches Signal handelt. Der daneben Schlafende kann sich jedoch kaum an diese Signale gewöhnen, denn an externe Geräusche, die es im Rahmen der Evolution zur Erhaltung der Art als bedrohlich oder warnend erleben musste, kann sich das menschliche Gehirn nur schwer anpassen.

Die Sterberate steigt bei Erwachsenen mittleren Alters um 46 Prozent, darüber hinaus steigt die Gefahr für Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Störungen, Schädigungen des Gehirns. Durch die fehlende Ausgeschlafenheit steigt das Risiko für Unfälle in der Arbeit und im Verkehr. Ein unbehandeltes Schlafapnoe-Syndroms kann schließlich zu Erkrankungen von Herz und Lunge führen (z.B. Rechtsherzschwäche, Lungenhochdruck).

Quellen
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlafapnoe-Syndrom (11-08-21)
http://www.dasjournal.net/news/134/ARTICLE/27120/2010-03-21.html (10-03-21)
http://www.praxisvita.de/schlaflose-naechte-was-wirklich-gegen-insomnie-hilft (15-08-01)




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