Cyberbullying

Unter Cyberbullying versteht man wiederholte „verbale, relationale und indirekte Aggression“ (Scheithauer zit. nach Katzer, Fetchenhauer & Belschak, 2009, S. 34) gegen andere Teilnehmer in virtuellen Räumen, wie beispielsweise Chatrooms, Foren oder Emailverkehr. Im Deutschen ist „Bullying“ auch als Mobbing bekannt (vgl. Katzer, Fetchenhauer & Belschak, 2009, S. 34). Unter diesem Begriff werden also „negative Handlungen eines oder mehrerer Schüler(s) gegenüber einem anderen Schüler über einen längeren Zeitraum“ subsumiert (Scheithauer & Hayer zit. nach Katzer, Fetchenhauer & Belschak, 2009, S. 34). Aufgrund der virtuellen Lokalität sind allerdings jegliche Formen der physischen Gewalt ausgeschlossen.

Cyberbullying in Internet-Chatrooms – Wer sind die Täter?
Ein Vergleich von Bullying in Internet-Chatrooms mit Bullying in der Schule aus der Täterperspektive

Aus den USA sind Fälle bekannt, bei denen Cyberbullying bis zum Selbstmord geführt haben (vgl. Patalong, 2007). Daher ist dort die Forschung auf diesem Gebiet schon wesentlich weiter und es existieren erste Studien, die das Problem des Cyberbullying thematisieren. Katzer, Fetchenhauer & Belschak setzten sich zum Ziel, eine fundierte quantitative Erhebung durchzuführen, mit dem Ziel zu analysieren ob und in welchem Umfang virtuelle Räume und Medien von Jugendlichen missbraucht werden um andere Teilnehmer zu schädigen. Des Weiteren wurde untersucht wer die Täter sind und ob sich diese mit denjenigen decken, die auch offline ihre Mitschüler physisch, verbal oder psychisch misshandeln (vgl. Katzer, Fetchenhauer & Belschak, 2009, S. 34).

Eine Mehrheit der befragten Jugendlichen erklärte regelmäßig im Internet zu chatten. Für rund 40% waren die Chatpartner sogar ähnlich wichtig wie Schulfreunde (vgl. Katzer, Fetchenhauer & Belschak, 2009, S. 37f). Auf Grundlage der Befragung konnte ein statistischer Zusammenhang zwischen Tätern im Schulalltag und in Internet Chatrooms festgestellt werden. Die Ausdrucksformen des Bullying waren dabei geprägt von den typischen Aspekten des „Schulbullying (zB Beschimpfungen, Hänseleien, Bedrohungen, Erpressungen)“ (Katzer, Fetchenhauer & Belschak, 2009, S. 41). Hierbei kommt es häufig zu Wiederholungen der Aggressionen zwischen demselben Täter und Opfer. Ähnlich wie im Schulalltag war der Anteil der Täter bei den Jungen höher als bei den Mädchen. Auch das soziale Umfeld der Cyberbullies war ähnlich dem der Schulbullies, so gab es verstärkt Probleme mit dem Elternhaus, den schulischen Leistungen und ein Hang zur Gewaltbereitschaft (vgl. Katzer, Fetchenhauer & Belschak, 2009, S. 41). Dies belegt also, dass sich die Täter im schulischen wie im virtuellen Kontext ähnliche Verhaltensmuster an den Tag legen. Als ein weiterer Einflussfaktor stellte sich die Schulbildung der Schüler heraus. Je nach Schulbildung waren die Häufigkeiten unterschiedlich, so waren prozentuell unter den befragten Berufsschülern die meisten Cyberbullies (vgl. Katzer, Fetchenhauer & Belschak, 2009, S. 42). Dies könnte ein Anzeichen dafür sein, dass das Internet für die unteren Bildungsschichten als Rückzugsort besonders bedeutsam ist. Auch der Einfluss der Häufigkeit der Nutzung von virtuellen Räumen wurde untersucht. Eine Korrelation zwischen Dauer bzw. Regelmäßigkeit der Chatroomnutzung und einem aggressiven Verhalten im Netz konnte allerdings nicht nachgewiesen werden (vgl. Katzer, Fetchenhauer & Belschak, 2009, S. 42).

Verwendete Literatur
Katzer, C., Fetchenhauer, D. & Belschak, F. (2009). Cyberbullying in Internet-Chatrooms – Wer sind die Täter? Ein Vergleich von Bullying in Internet-Chatrooms mit Bullying in der Schule aus der Täterperspektive. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 41, 33-44.
Patalong, F. (2007). Tod eines Teenagers.
WWW: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,518042,00.html [11.11.09]





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