Elektrosensibilität

Elektrosensible Menschen geben an, körperliche oder geistige Beschwerden aufgrund von elektrischen, magnetischen oder elektromagnetischen Feldern zu haben, die von elektrotechnischen Anlagen ausgehen und sich als Elektrosmog ausbreiten. Ohne Nachweis der Ursächlichkeit werden Symptome wie Unwohlsein, Kopfschmerzen, schwere Schlafstörungen bis hin zu kognitiven Ausfallerscheinungen berichtet. In Experimenten, die diese Überempfindlichkeit untersucht haben, konnten die Versuchspersonen solche Felder weder zuverlässig wahrnehmen noch zeigten sie eine messbare biologische Reaktion auf das An- und Ausschalten der Feldexpositionen. Es ließen sich auch keine Hinweise auf eine erhöhte Sensitivität der Wahrnehmungsfähigkeit bei besondern „elektrosensiblen“ Personen finden, obwohl diese Personen häufig angaben, dass sie ein Feld wahrnehmen würden.
Die Sinnesphysiologie des Menschen verfügt nämlich im Gegensatz zu einigen Tieren wie Haien oder Rochen über keine Modalität, mit der elektromagnetische Felder direkt wahrgenommen werden können. Dennoch klagen viele Menschen über die verschiedensten Störungen, die sie auf den Einfluss elektromagnetische Felder etwa im Zusammenhang mit Mobilfunk, Mikrowelle oder Hochspannungsleitungen zurückführen. PsychologInnen sprechen dann von „Elektrosensibilität“ und nehmen an, dass die Beschwerden eher eine psychologische Erklärung finden müssten, also unabhängig von physikalisch-technischen Expositionsbedingungen existieren. Unklar ist gegenwärtig, ob mit dem Oberbegriff als somatoforme Störung eine zutreffende Klassifikation für diese elektromagnetische Sensibilität darstellt und welche anderen Störungsbilder als Komorbidität auftreten. Nach Meinung von Experten scheint es sinnvoll, den klassifikatorischen Ansatz für Somatisierungsstörungen stärker auf die psychologischen Entstehungs- und Tradierungsmechanismen auszuweiten, um sich nicht am Widerlegen von unrichtigen technisch-physikalischen Erklärungsmustern abzuarbeiten.

Literatur
Frick, U., Rosner, R., Hagl, M.  & Landgrebe, M. (2011). Elektrosensibilität aus psychologischer Sicht. Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin, 32, 219-243.




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