narzisstische Persönlichkeitsstörung

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung zeichnet sich durch ein übermäßig ausgeprägtes Selbstbild aus, durch Egozentrik und das stringente Einfordern von Aufmerksamkeit und Bewunderung. Meist zeigen diese Menschen nur wenig Empathie, was zur Ausbeutung anderer Menschen führen kann. Die Ursachen des pathologischen Narzissmus sind noch nicht restlos geklärt, allerdings wird meist von einer genetischen Disposition ausgegangen, denn in manchen Familien tritt Narzissmus gehäuft auf, was aber auch durch Sozialisation erklärt werden kann. Der Narzissmus ist auch eine Störung, die von einer Kultur, in der Leistung und Status sehr hoch bewertet werden, noch verstärkt werden kann.

Während sich eine narzisstische Persönlichkeitsstörung dadurch auszeichnet, dass die Betroffenen permanent Anerkennung suchen, begnügt sich die ähnlich daherkommende histrionische Persönlichkeitsstörung mit jener Aufmerksamkeit, die sie erhält, wenn sie hilflos und bemitleidenswert wirken möchte, was bei einem Narzissten niemals der Fall ist.

Der reine Narzissmus als Persönlichkeitsstörung ist eher selten, häufiger hingegen findet man narzisstische Persönlichkeitsanteile bei vielen Menschen. Man schätzt, dass fünf Prozent der Menschen starke narzisstische Züge aufweisen, wobei davon 75 Prozent Männer sind. Narzissmus im Erwachsenenalter manifestiert sich in vielen Facetten und häufig treten Kombinationen mit anderen Persönlichkeitsstörungen auf. Dabei ist der Narzisst selbst ein Opfer, und zwar das Opfer seiner Kindheit, wobei die Störung oft die Reaktion auf Missbrauch ist, wobei dieser Missbrauch aber nicht nur körperlich, sexuell sondern auch verbal oder emotional sein kann. Narzissten wurden als Kind oft auf ein imaginäres Podest gestellt und es wurde zu viel von ihnen verlangt, wobei hier das Kind als Objekt fungiert, die Grenze zwischen Kind und Elternteil aufgelöst wurde. Ist ein oder beide Elternteile narzisstisch, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Kind zum Schutz narzisstische Züge aufbaut, etwa bei ständiger negativer Kritik. Beziehungen zu einem Narzissten durchlaufen meist einen typischen Kreislauf: Idealisierung – Entwertung – Wegwerfen. Früher oder später, aber gerade im Alter, implodieren Narzissten, denn in ihrem Inneren befindet sich ein Vakuum, sie haben kein eigenes Selbst, nur das, das sie von anderen nehmen können, etwa Aufmerksamkeit und Verehrung.

Eine Psychotherapie kann bei Narzissten eine Weiterentwicklung und Veränderung bewirken, sowohl bei den Betroffenen als auch bei den Angehörigen, wobei die Betroffenen in einer Therapie erfahren können, dass sie akzeptiert werden, dass sie nichts tun müssen oder besonders grandios erscheinen müssen, um Anerkennung zu bekommen. Wenn Narzissten diese Erfahrung einmal gemacht haben, dann können sie sich auch selbst besser annehmen und sich entwickeln. Narzissten können in einer Therapie lernen, dass sie nicht so sehr auf die Bewunderung von außen angewiesen sind. Partner von Narzissten müssen versuchen, ihre eigene Ansprüche zu formulieren, d. h., der Narzisst muss merken, dass das Gegenüber eine eigene Persönlichkeit ist, doch gleichzeitig hat ein Narzisst oft das Bedürfnis nach Distanz, was ebenfalls vom Partner bestmöglich akzeptiert werden muss. In vielen Fällen empfiehlt sich für einen in die Narzissmusfalle getappte Partner nur mehr die Trennung, denn häufig wird der Leidensdruck für den Partner extrem groß, wobei es diese trotz der zahlreichen Demütigungen es als besonders schwierig empfinden, einen Narzissten zu verlassen. Ursache für diese Form der Abhängigeit ist die Erinnerung an die romantische Anfangszeit, das große Ausmaß an Bewunderung und Liebe, das man empfangen hat. Dazwischen gab es für die Betroffenen immer wieder Phasen, wo fast alles wie zu Beginn war, die die Partner dazu verleiten, an der Beziehung festzuhalten (Prinzip der intermittierenden Verstärkung). Partner von Narzissten haben auch häufig die Hoffnung, den magischen Schlüssel für ihre Beziehung zu finden, und passen sich in ihrem eigenen Verhalten lange Zeit an.

Unter Verwendung von einem Beitrag in den OÖN vom 22. Jänner 2015.





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