phallische Phase

Unter phallischer Phase versteht man in der psychoanalytisch orientierten Entwicklungspsychologie eine Phase zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr, in der der Lustgewinn durch die genitalen Zonen an Bedeutung gewinnt.

Nach Freud verlagert sich in dieser Phase die erogene Zone auf die Genitalien, sodass man diese Phase auch als klitorale Phase bezeichnen müsste. Dass er diesen Lebensabschnitt generell nach dem männlichen Glied (Phallus) benennt, haben ihm Frauen immer wieder übel genommen.

Wie in der oralen Phase das Saugen zum Urmodell wird für alles, was im ganzen Leben irgendwie mit Einverleiben zu tun hat, und so wie auch in der analen Phase das Behalten oder Hergeben der Exkremente die emotionale Gestimmtheit betreffend Besitzen und Loslassen (Hergeben, Ausgeben) präformiert, ebenso wird die Art und Weise, wie das Kind in der phallischen Phase die Bedeutung des eigenen Geschlechts erlebt, ganz allgemein zum Urmodell des Dominanzverhaltens. Eine allgemeine Haltung des Kampfs gegen oder der Unterwerfung unter das andere Geschlecht ist zumeist auf Störungen in der phallischen Phase zurückzuführen.
Im Zuge der Verlagerung des sexuellen Interesses auf die Genitalien und der Entdeckung der Zweigeschlechtlichkeit des Menschen spielt sich in der phallischen Phase nach Freud ein zentrales unbewusstes psychisches Geschehen ab, das er als Ödipuskomplex bezeichnet.

Der Knabe entwickelt während der phallischen Phase den unbewussten Triebwunsch, sich mit der Mutter geschlechtlich zu vereinigen. Damit beginnt er, den Vater als seinen Rivalen zu betrachten, und er phantasiert (immer unbewusst), dieser könnte sich durch Kastration rächen. Die Kastrationsangst wird aktiviert. Im Zuge dieser Rivalität entwickelt der Knabe gegenüber dem Vater auch Todeswünsche, was tiefsitzende Schuldgefühle entstehen lässt. Es gilt nun beides, die Ängste und die Schuldgefühle, abzuwehren, und dies geschieht mit dem früher beschriebenen Abwehrmechanismus der Identifikation. Indem sich der Knabe mit dem Vater identifiziert, setzt er sich gewissermassen an seine Stelle und muss ihn damit einerseits nicht mehr fürchten und hat andererseits Anteil an dessen Vorrechten gegenüber der Mutter.

Literatur
Fellner, Richard L. (2004). Die Psychoanalyse Sigmund Freuds.
WWW: http://www.psychotherapiepraxis.at/artikel/psychoanalyse/psychoanalyse.phtml (09-05-21)





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