Selbstaufmerksamkeit

Die Theorie der Selbstaufmerksamkeit, die Anfang der Siebziger Jahre von S. Duval und R. Wicklund entworfen wurde, sagt vor allem aus, dass es einen Zustand gibt, in welchem sich ein Individuum selbst als Objekt sieht und sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Dies kann durch Reize ausgelöst werden wie z.B. einen Spiegel, Stimmungen oder der Erkenntnis, dass man einer Minderheit angehört. Man spricht von einer Selbstzentrierung des Individuums, bei der es auch zu Diskrepanzen kommen kann, nämlich dann, wenn die eigenen Werte und Standards nicht mit der wahrgenommenen Momentaufnahme übereinstimmen. Im Falle von Diskrepanzen versucht das Individuum diese zu vermindern. Mögliche Strategien hierzu sind z.B.: Abwehrhaltungen aufbauen, den Fokus verstärkt auf die Erreichung der eigenen Ziele und Standards legen bzw. die auslösenden Reize minimieren.
„Selbstaufmerksamkeit bedeutet einfach, dass jemand das Selbst genau wie jedes beliebige andere Objekt zum Gegenstand seiner Aufmerksamkeit macht…..Sehr allgemein gesagt wird selbstzentrierte Aufmerksamkeit durch jeden Reiz ausgelöst, der jemanden dazu anregt, die Aufmerksamkeit auf sein Selbst zu richten. Spiegel gehören zum Bespiel dazu…“ (West, 1985, S. 186f).
Von subjektiver im Vergleich zu objektiver Selbstaufmerksamkeit spricht man, wenn die Aufmerksamkeit von sich selbst weggerichtet ist, d.h. ein Indivíduum empfindet sich selbst als Quelle von Wahrnehmungen (der anderen) und Aktionen. Jedoch kann es die Aufmerksamkeit in diesem Moment nicht auf sich selbst richten, d.h. es ist nicht möglich gleichzeitig objektiv und subjektiv selbstaufmerksam zu sein (vgl. Duval & Wicklund, 1972, S 2f).
„Objektive Selbstaufmerksamkeit bewirkt erstens eine Intensivierung und Aktualisierung all jener Aspekte, die im Brennpunkt der Aufmerksamkeit stehen“ z.B. Vorhandene Stimmungen, Affekte, Erwartungen usw. und „…bewirkt zweitens, dass sich Personen im Zustand objektiver Selbstaufmerksamkeit der Diskrepanzen zwischen ihrem tatsächlichen Verhalten und ihren Intentionen und Aspirationen (also ihrem idealen Selbst) stärker bewusst werden“ (Frey, Wicklund & Scheier, 1978, S. 192). Diskrepanzen werden meistens negativ erlebt, da die eigenen Standards und Wertvorstellungen höher sind, als das tatsächliche Verhalten. In weiterer Folge entsteht die Motivation diese Diskrepanzen zu reduzieren bzw. eine Verteidigungsposition einzunehmen. Es ist auch möglich, dass die selbstaufmerksame Person versucht, Stimuli zu vermeiden, die Selbstaufmerksamkeit erhöhen (vgl. Frey, Wicklund & Scheier, 1978, S. 192ff).

In weiteren Arbeiten kamen Forscher zu dem Schluss, dass man prinzipiell zwischen öffentlicher Selbstaufmerksamkeit und privater Selbstaufmerksamkeit unterscheiden kann. Bei Privater Selbstaufmerksamkeit richtet sich der Fokus auf persönlich-interne Aspekte wie z.B. Gefühle, Fantasien, Motive oder Stimmungen. Dagegen steht bei der öffentlichen Selbstaufmerksamkeit die Art der Aufmerksamkeit, die auf das Selbst als soziales Objekt gerichtet ist im Vordergrund. Vorrangig sind hier Aspekte wie z.B. das Aussehen, die Bewertung anderer, und die Selbstdarstellung in öffentlichen Situationen (vgl. Schiefele, 1990, S. 116 f).
Bei der dispositionalen Selbstaufmerksamkeit geht man davon aus, dass die Selbstaufmerksamkeit als Merkmal eines Individuums zeitlich und situativ relativ stabil ist. Individuen mit dispositionaler Selbstaufmerksamkeit zeigen eine erhöhte Sensibilität für selbstbezogene Informationen bzw. neigen dazu Informationen als selbstbezogen zu interpretieren (vgl. Hintze, 1997, S. 11).

Literatur

Duval, S. & Wicklund R. (1972). A Theory of objective Self Awareness. New York: Academic Press.

Frey, D., Wicklund, R. & Scheier, M. (1978). Die Theorie der objektiven Selbstaufmerksamkeit. In Frey, D. (Hrsg.), Kognitive Theorien der Sozialpsychologie. Bern: Verlag Hans Huber.

Hintze, A. (1997). Zur Bedeutung dispositionaler und objektiver Selbstaufmerksamkeit bei Patientinnen mit Bulimia nervosa. Dissertation zur Erlangung des Doktortitels der Naturwissenschaften. Marburg: Fachbereich der Psychologie.

Schiefele, U. (1990). Einstellung, Selbstkonsistenz und Verhalten. Göttingen: Verlag für Psychologie, Dr. C. J. Hogrefe.

West, S. & Wicklund, R. (1985). Einführung in sozialpsychologisches Denken. Basel: Beltz.

 




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