Mimikry

Als Mimikry bezeichnet man ursprünglich die Nachahmung der Warntracht bei Tieren. Sie gilt als eine Schutzanpassung, wenn Gefahr in Sicht ist. Die Tiere können entweder ihre Farbe, aber auch ihre Körperform verändern.

In der Psychologie bezeichnet Mimikry das Phänomen, dass Menschen andere Menschen unbewusst und automatisch nachahmen, wobei es verbales, emotionales, aktionales und verhaltensbezogenes Mimikry gibt sowie das Mimikry von Gesichtsausdrücken und Gesten. Mimikry tritt in der Regel völlig unbewusst und automatisch auf, d. h., es zeigt sich in allen Interaktionen und sozialen Situationen. Mimikry wird dabei deutlich verstärkt, wenn die an der Interaktion beteiligten Menschen ein hohes Affiliationsmotiv haben, sodass es dabei etwa zu einer Synchronisation der Sprechgeschwindigkeit, der Wortwahl und auch des Dialekts kommt.

Auch Empathie zeigt sich vordringlich in einer unbewussten Nachahmung des Gegenüber, denn durch Mimikry teilt man der oder dem Anderen mit, dass man soe oder ihn mag. Übrigens kann man auch durch bewusstes Mimikry die eigene Akzeptanz steigern, wobei es auch Menschen gibt, die andere besonders häufig nachahmen, sich also wie ein Art soziales Chamäleon verhalten, sodass dieses Nachahmungsverhalten zu einer höheren Beliebtheit führen kann. Besonders häufig scheint Mimikry in Kennenlernphasen von Menschen aufzutreten, in denen es darum geht, den Anderen Sympathie zu signalisieren. Im Fall irreführender oder nicht eindeutiger Botschaften verhindert Mimikry allerdings auch häufig das emotionale Verstehen des Gegenüber. Untersuchungen zeigen auch, dass ungeschicktes bzw. zu aufdringliches Nachahmen das emotionale Verstehen behindern kann, denn in diesem Fall fehlt oft die Konsistenz der Ausdrucksfomen.

Unbewusstes Nachahmen kann zwar einerseits dabei helfen, positive Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen, doch Menschen, die andere nachahmen, sind in der Regel auch von anderen leichter zu täuschen.

Mimikry kann übrigens bei der Beobachtung von Gewalt kurzfristig das Risiko für aggressives Verhalten erhöhen, denn Menschen sind wie andere Primaten darauf angelegt, das Verhalten anderer nachzuahmen. Sie verfügen über spezialisierte Neuronen (Spiegelneuronen), die aktiv werden, sobald ein bestimmtes Verhalten beobachtet oder ausgeführt wird. Insbesondere Kinder neigen zur Nachahmung von beobachtetem Verhalten, wobei diese Nachahmungstendenz viele positive Aspekte hat, indem sie das schnelle Erlernen vieler nützlicher Fertigkeiten fördert. Wenn jedoch aggressives Verhalten beobachtet wird, kommt es durch Nachahmung auch zu einer Förderung aggressiven Verhaltens (Krahé, 2012).


1. Definition

Auf Signalfälschung beruhende Schutzanpassung bei Tieren: z.B. die Nachahmung eines geschützten – wehrhaften oder giftigen – Tieres durch ein harmloses, genießbares, das dadurch geschützt ist (z.B. Hornisse und Hornissenschwärmer); oder als Tarn- oder Irritier-M.: abschreckende Augenflecken und bewegliche Stacheln bei Fischen und Schmetterlingsraupen (vgl. Ohne Autor, 2000, S. 576).

2. Definition

tier. – Schutzanpassung durch Nachahmung der Warntracht einer giftigen Tierart in Körperform und Farbe durch ein wehrloses Tier anderer Artzugehörigkeit; dieses genießt dadurch desselben Schutz vor Feinden wie sein Vorbild (batessche M.); Beispiele sind die Nachahmung einer Hornisse durch den Hornissenschwärmer oder der giftigen Korallennattern durch versch. harmlose Schlangen. Müllerscher M. bezeichnet die Verwendung derselben Warntracht durch mehrere ungenießbare Tierarten desselben Gebietes (vgl. Ohne Autor, 1996,  S.661).

3. Definition

eigtl. >>Nachahmung<<, Sonderfall einer tier. Schutzanpassung, bei der ein gut geschütztes Tier, das über eine Warntracht verfügt, von einem ungeschützten Tier anderer Artzugehörigkeit in Körperform oder Farbe nachgeahmt wird, z.B. die Hornisse durch den (harmlosen) Hornissenschwärmer oder die giftige Korallennatter durch versch. harmlose Schlangen (vgl. Ohne Autor, 2006, S. 80).

4. Definition

>Nachahmen, Nachäffen<, Angleichen, Schutzanpassung mancher Tiere (in Farbe oder Form) an die Umgebung (vgl. Friedrich Dorsch, 1963, S. 220).

5. Definition

Bei wehrlosen Tieren bes. Form der Schutzanpassung, die durch Nachahmung von auffälligen Warntrachten durch täuschende morpholog. Ähnlichkeiten mit wehrhaften oder widerl. schmeckenden Tieren abschreckend auf andere Tierarten winkt. Die Schutzwirkung der M. beruht auf unangenehme  Erfahrungen, die Tiere mit ihrer Beute machen so dass sich bei ihren als Warnsignal die auffällige Färbung (auch Körperform) einprägt. Man unterschiedet v.a. Batessche M. („Nachahmung“ kommen im Allgemeinen seltener vor als ihr „Modell“ z.B. Wespen) und die Müllersche M. („Nachahmung“ sind häufiger als ihr „Modell“ z.B. Schmetterlinge) (vgl. Ohne Autor, 1976, S. 263).

Literatur

Dorsch, F. (1963). Mimikry. Dorsch Psychologisches Wörterbuch. Bern: Verlag Hans-Huber und Hamburg: Verlag Richard-Meiner.
Krahé, B. (2012). Report of the Media Violence Commission. Aggressive Behavior, 38, 335–341.
Stangl, W. (2017). Gewalt in den Medien wirkt durch Priming und Mimikry. Werner Stangls Arbeitsblätter-News.
WWW: http://arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/gewalt-in-den-medien-wirkt-durch-priming-un-mimikry/ (2017-11-15).
Ohne Autor (1996). Mimikry. Brockhaus – Die Enzyklopädie, vierzehnter Band. Leipzig – Mannheim: Verlag F.A. Brockhaus GmbH.
Ohne Autor (2000). Mimikry. Faktum Universal Lexikon. Edition Bassermann. Gütersloh – München: Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH.
Ohne Autor (2006). Mimikry. Duden – ORF-Das Lexikon für Österreich in 20 Bänden. Band 12. Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich: Dudenverlag.
Ohne Autor (1976). Mimikry. Meyers –Enzyklopädisches Lexikon, sechzehnter Band. Zürich / Mannheim / Wien: Verlag Bibliographisches Institut.


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