Stressreaktion

Hans Selye beschrieb vier Phasen einer Stressreaktion und definierte Stress als die Summe aller auf einen Organismus einwirkenden Reize und entwickelte ein einfaches Reiz-Reaktionsmodell des Stresssyndroms. Hiernach folgen auf jeden intensiven Reiz 4 Phasen der  körperlichen Stressreaktion:

In der 1. Phase, der Schockphase, erkennt der Körper die Stresssituation und bereitet sich darauf vor, zu handeln:  Nahezu alle Kreislauf- und Stoffwechselfunktionen werden schlagartig reduziert, um die bevorstehende Mobilisierung aller Kräfte nicht durch störende Aktivitäten zu behindern. Das Gehirn schlägt Alarm. Impulse des Hypothalamus (Steuerzentrum im Zwischenhirn, Schaltstelle zwischen dem Nerven- und Hormonsystem) führen zunächst einmal zu einer Denkblockade („Ruhe vor dem Sturm“). Nachdenken könnte in einer bedrohlichen Situation zuviel Zeit in Anspruch nehmen oder sogar tödlich sein.

In der 2. Phase, der Alarmreaktion, werden vom Organismus alle Reserven aktiviert. Es werden alle Kräfte bereitgestellt, um der Gefahr zu begegnen oder ihr mit größter Eile zu entfliehen. Über afferente und efferente Nervenbahnen wird nun die Nebenniere dazu veranlasst, in erhöhtem Maße Adrenalin und Noradrenalin an das Blut abzugeben. In Sekundenbruchteilen bringen die Nebennieren-Hormone Atmung, Kreislauf, Muskulatur und Stoffwechsel auf Hochtouren. So pumpt das Herz z. B. mehr Blut in die Muskeln und deckt deren erhöhten Zucker- und Sauerstoffbedarf. Die Hormone schalten gleichzeitig alle nicht lebensnotwendigen Funktionen (z. B. Verdauungsprozesse und Sexualfunktionen) vorübergehend ab. Zur Steigerung der Wahrnehmungsfähigkeit erweitern sich die Pupillen. Der Organismus ist nun optimal gerüstet. Alle für die Abwehr der Gefahr wichtigen Organe sind bestens versorgt, sogar das Blut gerinnt leichter, so dass bei einer ev. Verletzung die Wunden schneller schließen. Alle Energie ist auf die bevorstehende Handlung ausgerichtet und drängt darauf, eingesetzt und verbraucht zu werden.

In der 3. Phase, der Widerstandsphase, setzt sich der Mensch aktiv mit der Streßsituation auseinander. In der Bewältigung der bedrohlichen Situation, sei es nun durch aktive Beseitigung der gefährdenden Störgrößen oder durch schnelle Flucht aus der Gefahrenzone, werden die bereitgestellten Energien verbraucht. In dieser Handlungs- und Abwehrphase  baut der Körper die Stresshormone ab, die durch die Alarmreaktion ausgeschüttet wurden. Hält die Streßsituation jedoch an, bleibt der Körper im Alarmzustand und kann schädliche Folgen nicht verhindern.

Wurden die Streßhormone abgebaut, folgt die Erholungsphase. Die Erregung klingt ab. Kreislauf- und Stoffwechselfunktionen kehren in die Normallage zurück. Unter Umständen sinken sie vorübergehend unter das Ausgangsniveau ab, um sich dann wieder auf den individuellen Normalzustand zu stabilisieren. Wird der Widerstand aber länger aufrechterhalten, tritt als 4. Phase die Erschöpfung ein, aus der eine stressbedingte Gesundheitsstörung resultieren kann. Dauerstress erschöpft die Energievorräte des Körpers und kann in Extremfällen zum Tod führen.

Die Stressreaktion hat in seiner ursprünglichen Funktion einen positiven Sinn, denkt man an die starken körperlichen Anforderungen, denen der Mensch der Urzeit („Steinzeitstress“) ausgesetzt war. Der moderne Mensch hat in Stresssituationen jedoch nur in seltenen Fällen die Möglichkeit, die körperlichen Reaktionen auch tatsächlich in der Situation abreagieren zu können. Das kann in der Folge von Dauerbelastungen zu Distress und stressbedingten Krankheiten führen. Selye nahm an, daß dieser Reaktionsverlauf eine allen Lebewesen eigene, universell gültige biologisch funktionale Anpassungsreaktion an Gefahrensituationen sei, die fest im Erbgut verankert ist und bei uns Menschen in gleicher Weise funktioniert wie bei allen anderen Lebewesen. In der modernen medizinischen und psychologischen Stressforschung spielt seine Annahme aber nur noch eine untergeordnete Rolle, da empirische Untersuchungen ergaben, daß sich die Streßreaktionen einzelner Menschen stark unterscheiden und sogar je nach Situation auch bei derselben Person erheblich variieren können

Siehe dazu das Arbeitsblatt Stress und Definitionen Stress




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