Ich

Nicht das Ich ist das Primäre, sondern die Elemente (Empfindungen).
Die Elemente bilden das Ich. (…)
Dieser Inhalt und nicht das Ich ist die Hauptsache.
Damit ist alles gesagt. (…)
Das Ich ist unrettbar.
Ernst Mach: Antimetaphysische Vorbemerkungen

Nach der psychoanalytischen Konzeption Freuds ist das Ich darum bemüht, Wege zu einer Triebbefriedigung zu finden, die den Normen der sozialen Umgebung (repräsentiert durch das Über-Ich) gerecht werden. Das Ich oder Ego ist in der Psychoanalyse also der weitgehend bewusst arbeitende ausführende Teil der Persönlichkeit, der nach Freuds Meinung einen Kompromiss zwischen den Forderungen des Es, des  Über-Ich und der Realität sucht. Das Ich arbeitet nach dem Realitätsprinzip und befriedigt die Wünsche des Es auf eine Weise, dass eher Lust als Schmerz zu erwarten ist.

Unter dem Ich versteht Sigmund Freud die ‘Rindenschicht’ des Es, also jene psychischen Bereiche, die zwischen dem Es und der Aussenwelt (der Realität, der Gesellschaft) stehen. Es sind dies die Sinneswahrnehmung, die Motorik, alle bewussten Denk- und Willensvollzüge. Im Gegensatz zum Es, das dem Lustprinzip verpflichtet ist, hat das Ich eine vermittelnde Funktion und untersteht dem Realitätsprinzip. Ihm kommt auch die Aufgabe der Selbsterhaltung zu. Das Ich ist ferner Träger (Reservoir) der psychischen Energie, der Libido, und entscheidet, welche Objekte mit Libido besetzt werden.

Nach Daniel Dennett sind Gefühle und Gedanken ebenso wie das menschliche Ich nichts weiter als Illusionen, die das Gehirn erzeugt, um einfacher funktionieren zu können. Der Geist ist also letztlich nicht mehr als das Gehirn und somit ein Produkt der Evolution. Dennett ist Atheist, Darwinist und Materialist, und Menschen sind seiner Ansicht nach nicht mehr als ein komplexes Stück Materie, das aber den Naturgesetzen unterworfen ist. So können Menschen zwar niemals sicher sein, dass es Gott nicht gibt, doch sie können auch nicht sicher sein, dass es keine Kobolde, Hexen und Teufel gibt. Um an Gott zu glauben, fehlen nach Dennett schlicht die guten Gründe. Auch wenn die Religion in den Anfängen der Menschheit vielleicht einen Nutzen hatte und den sozialen Zusammenhalt förderte und half, mit unerklärlichen Phänomenen umzugehen, doch heute sollten sich die Menschen von der Krücke der Religion lösen.

Quelle

Brühlmeier, Arthur (2011). Die Psychoanalyse Sigmund Freuds.
WWW: http://www.bruehlmeier.info/freud.htm (11-11-01)
Dennett, D. (1994). Philosophie des menschlichen Bewusstseins. Hoffmann und Campe.



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